REUTLINGEN. Am 12. April wird die Luca-App im Landkreis Reutlingen freigeschaltet – in der Hoffnung, dass in absehbarer Zeit statt über neue Lockdowns endlich wieder über Öffnungen gesprochen wird. Denn dann soll die App dazu beitragen, die Kontaktnachverfolgung bei Infektionen mit dem Coronavirus zu erleichtern und so neue Ansteckungen zu verhindern. Der Kreis Reutlingen ist einer von drei Pilot-Kreisen in Baden-Württemberg, die Luca großflächig testen wollen.
So sehr sich Landrat Dr. Ulrich Fiedler bei einer Pressekonferenz über den »Startschuss« für die App freute, so klar wies er auch auf ihre Grenzen hin: »Luca öffnet nichts und macht keine Verordnungen.« Die App sei aber eine schnelle und effiziente Möglichkeit, Kontakte digital nachzuverfolgen. Kunden checken damit per Smartphone über einen Barcode in Läden, beim Friseur, in Restaurants, Einrichtungen von Kommunen oder anderen Betrieben ein und wieder aus. Die doppelt verschlüsselten Telefon-Daten werden nur dann freigegeben, wenn das Gesundheitsamt festgestellt hat, dass Infizierte am jeweiligen Ort waren. Die Behörde kommt so rasch an die notwendigen Kontaktinformationen. Wer kein Smartphone besitzt, kann einen mit einem Barcode versehenen Schlüsselanhänger nutzen.
Damit das alles funktioniert, müssen sich jetzt aber erst einmal die Betriebe an die Arbeit machen: Sie brauchen Konzepte, wie die App im Detail sinnvoll einzusetzen ist. Restaurants und Läden beispielsweise müssen ihre Häuser in verschiedene Zonen einteilen und diese Zonen mit unterschiedlichen Barcodes versehen – damit bei der Kontaktnachverfolgung tatsächlich nur jene Kunden einbezogen werden, die sich in der Nähe der infizierten Person aufgehalten haben.
»Die Vorteile der App stehen und fallen mit der Ausgestaltung durch die Unternehmen«
»Man braucht gute Konzepte, die gute Daten liefern – nur dann ist die App effizient«, sagte Fiedler. Die nächsten Wochen müsse man nutzen, »um das Ganze mit Qualität zu füllen«. Die Mühe lohne sich, betonten Vertreter von Handel, Handwerk sowie vom Hotel- und Gaststättengewerbe – sie wünschen sich, dass viele Unternehmen mitmachen. Das Land hat die Luca-Lizenz gekauft, die Betriebe brauchen nur handelsübliche Scanner und Computer.
Luca gilt im Übrigen nicht als Ersatz für die Corona-Warn-App, sondern als Ergänzung dazu. Die Warn-App registriert Begegnungen mit Infizierten, kann aber keine Daten zur Kontaktverfolgung zur Verfügung stellen. Das Konzept der Warn-App baut darauf, dass sich Personen, die über Risikokontakte informiert werden, selbst in Quarantäne begeben.
Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck sinnierte voller Vorfreude schon, ob er die Luca-App wohl zuerst beim Zwiebelrostbraten-Essen im Restaurant oder beim Besuch einer Kulturveranstaltung nutzen könne. Luca sei neben Impfungen und Schnelltests ein Baustein im Bemühen, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Warum der Startschuss jetzt, wo Lockerungen außer Reichweite sind? »Wir müssen vorbereitet sein«, sagte Keck – für die Zeit, wenn wieder mehr gesellschaftliches Leben möglich ist. Sowohl die Betriebe als auch die Bürger müssten mitmachen, damit die Sache ein Erfolg wird. Die Stadt Reutlingen werde Luca auch in ihren Einrichtungen wie Bibliotheken, Museen oder der Stadthalle einsetzen. Jochen Zeller, Bürgermeister von Hohenstein, betonte die Notwendigkeit und das Bestreben, den Einsatz der App »auf den ganzen Landkreis auszurollen«.
Christian Wittel von RT Aktiv freut sich darauf, die Papierflut loszuwerden, die Händler und Gastronomen belastet habe. Kunden mussten bisher auf Zetteln ihre Kontaktdaten hinterlassen, wenn sie einkaufen oder ins Restaurant gingen. Bei einem Infektionsfall forderte das Gesundheitsamt dieses Material an. Wenn die Daten digital übermittelt werden, »vereinfacht das den Ablauf für alle Beteiligten«.
Das Gesundheitsamt werde auch nicht in einer Menge unnötiger Daten ertrinken. Denn es werde nur im Bedarfsfall und nur auf die Daten zugreifen, die in örtlichen und zeitlichen Zusammenhang mit einer Infektion stehen. Der Landrat bestätigte, dass die Luca-App auch dem Gesundheitsamt die Arbeit erleichtern werde – vorausgesetzt, die Betriebe haben gute Konzepte. »Die Vorteile der App stehen und fallen mit der Ausgestaltung durch die Unternehmen.« Kann die App auch die Frage beantworten, wo sich die Menschen anstecken? Nein, sagte Reutlingens Feuerwehrkommandant Harald Hermann. Das sei schon aus Datenschutzgründen unmöglich. (GEA)
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DIE LUCA-APP
Die Luca-App ermöglicht nach Angaben der Entwickler eine datenschutzkonforme, verschlüsselte und schnelle Kontaktnachverfolgung. Entschlüsselt werden die Daten nur im Infektionsfall, und nur vom Gesundheitsamt. Die bisherige Zettelwirtschaft hat nur mäßig gut funktioniert, oft genug hatten »Donald Duck« oder »Donald Trump« Weizenbier und Apfelsaftschorle bestellt. Beim Herunterladen der Luca-App wird jedoch die Telefonnummer gegengecheckt, sodass »Donald Duck« künftig telefonisch erreichbar ist. Sehr viele Fragen rund um die App (sowohl aus Sicht der Betriebe als auch der Kundschaft) werden auf der Homepage des Anbieters beantwortet. (GEA)

