Neue Hausstrecke
Angefangen hat es in Gomaringen. Treffpunkt war an einer Mehrzweckhalle. Über Nehren und Mössingen sind sie gemächlich nach Öschingen gerollt, haben sich in ihre dort geparkten Autos gesetzt und sind zurück nach Gomaringen gefahren. In diesem Jahr hatten sie mit der Tour nach Pfullingen eine andere Hausstrecke.»Die Longboards sind nicht nur länger als herkömmliche Skateboards. Sie haben einen größeren Achsabstand und die Rollen sind deutlich größer und breiter.« Das verringert die Beschleunigung, lässt aber höhere Geschwindigkeiten zu. Wobei es der Rollbande nicht auf Tempo ankommt. »Wir cruisen«, sagt Heiko Baron. Schon früh ist der gebürtige Saarländer auf Surfbrettern und Snowboards gestanden. Mit 14 Jahren hat er mit dem Skaten angegangen. Zum Studieren ist er extra nach Kempten gegangen. Der Berge wegen. Als der Elektro-Ingenieur nach Pfullingen zog, war’s mit dem Snowboarden Essig. »Das Longboard war mein Ersatz. Heute ist es mehr als das.«
Wer sich der Rollbande anschließen will, muss nicht jahrelange Erfahrung haben im Umgang mit diesen Brettern. »Wer noch nie auf einem Longboard gestanden ist, bekommt einen Einsteigerkurs. Im Gegensatz zum Skateboarden lernt man das Longboarden aber relativ schnell, weil man wesentlich stabiler auf dem Brett steht.« Nach einer Stunde, sagt Heiko Baron, können selbst Anfänger Kurven fahren. Wichtig ist, dass die Bremstechnik sitzt: Hinterer Fuß vom Brett und die Fußsohle über den Asphalt schleifen. Das funktioniert allerdings nur bei relativ geringer Geschwindigkeit. Darüber hinaus werden bei dieser Technik die Schuhsohlen ramponiert. Abhilfe bieten Stücke von alten Reifen oder spezielle Bremssohlen, die aufgeklebt werden.
Bei höheren Geschwindigkeiten werden enge Kurven gefahren (carven) oder der Schwerpunkt so tief wie möglich gelegt, um das Board quer zur Fahrtrichtung zu stellen (sliden). Aber egal, wie schnell man unterwegs ist: Ohne Helm darf keiner auf die Strecke. »Da gibt’s keine Diskussionen.«
Etwa zwei Stunden ist die Rollbande bei ihren Ausflügen unterwegs. Wenn ein Zwischenstopp eingelegt wird in einem Biergarten, kann’s auch mal länger gehen. Das ist Entspannung pur und hilft abzuschalten. »Man bekommt ein Gefühl von Freiheit und einen klaren Kopf. Am Ende der Touren hat jeder ein breites Grinsen im Gesicht.«
Knackiger geht’s zur Sache, wenn Downhill angesagt ist. Mit bis zu 100 Stundenkilometern pfeifen Könner auf ihren Longboards bei Veranstaltungen auf abgesperrten Straßen den Berg hinunter. Ohne entsprechende Schutzkleidung, Knie- und Ellenbogenschützer, Lederkombi, Handschuhe und spezielle Helme geht dann keiner auf die Strecke. »Ich fühle mich noch bei Tempo 70 oder 80 wohl«, sagt Heiko Baron, den es auch schon gesemmelt hat. »Den Lederkombi hat’s geschreddert.« Die meisten Unfälle passieren aber auf topfebenem Gelände, wenn jemand 50 Meter auf seinem Board zum Bäcker rollt und die Aufmerksamkeit gegen null tendiert.
Im Herbst und Winter will die Rollbande neue Strecken austüfteln. »Vielleicht fahren wir mal von Nehren nach Tübingen.« Aber auch dann gilt: cruisen, nicht brettern und Downhill schon gar nicht.
Wer sich für diesen Sport interessiert, kann über Kiwistore, ein Fachgeschäft am Weibermarkt, Kontakt aufnehmen. Anfänger sind willkommen. (GEA)

