Jetzt ist es amtlich: Die Regierungsfraktionen im Landtag setzen in der Frage der Reutlinger Stadtkreisgründung auf einen Kompromiss. Anzeichen, dass es darauf hinauslaufen würde, gab es zuhauf, auch der GEA hat darüber berichtet. Zu unterschiedlich waren die Positionen von Landes-Grünen und Landes-CDU, zu gering die Neigung der größeren Fraktion, deswegen einen Koalitionsstreit mit dem kleineren Partner vom Zaun zu brechen. Dazu ist die Frage, ob die Großstadt Reutlingen auch weiterhin Große Kreisstadt bleiben oder – wie alle anderen baden-württembergischen Großstädte – als kreisfreie Stadt komplett souverän agieren können soll, den Landespolitikern dann doch nicht bedeutsam genug.
Immerhin: Die Entscheidung ist nun endlich, sage und schreibe dreieinhalb Jahre nachdem eine Zweidrittelmehrheit des Reutlinger Gemeinderats den Stadtkreisgründungsantrag beschlossen hat, in greifbare Nähe gerückt, die von der Stadt in Erwägung gezogene Untätigkeitsklage somit obsolet.
Und die Stuttgarter Regierungskoalitionen haben ihr bei der öffentlichen Anhörung von Stadt und Landkreis im Juni dieses Jahres gegebenes Versprechen gerade mal so eingehalten, »im Herbst« zu Potte zu kommen: Der endet just am 20. Dezember, wenn das Stuttgarter Parlament über den Kompromissvorschlag von Grün-Schwarz entscheiden soll und ihm wohl auch zustimmen wird. Alles andere ist unrealistisch.
Dass Oberbürgermeisterin Barbara Bosch sich einmal mehr empört über das Verfahren und die Art des Umgangs mit der Stadt Reutlingen als Antragstellerin äußert, ist verständlich und berechtigt: Über die Medien erfuhr sie vom vorliegenden Beschlussvorschlag mitten in einer abschließenden, nicht öffentlichen Haushaltsvorberatung des Finanzausschusses – und sie kannte, wie der Leiter des städtischen Presseamts, Wolfgang Löffler, wissen ließ, dessen Inhalt nicht. Das ist, einmal mehr, kein guter Stil.

