Tausende Stadtfestbesucher wollen sie hören und haben sich einen Sitz- oder Stehplatz erkämpft. Die Jungen sind wahrscheinlich Fans, die Älteren haben schon mal »davon gehört« und die noch Älteren sind schlicht neugierig, was da gleich auf der Bühne abgeht.
Thomas Godoj ist als Erster dran. Und er legt gleich ordentlich los. Die Mucke ist zeitweise dermaßen laut, dass einem nicht nur die Ohren drönen. Auch im Magen vibriert's heftig. Doch den Stadtfest-Gästen gefällt's.
Auch auf den anderen Bühnen des Stadtfests geht am Abend ordentlich die Post ab. In direkter Nachbarschaft zum Marktplatz, im Spitalhof, gibt's vor allem Blasmusik auf die Ohren. Biertrinken, Rote-Essen und mit Freunden beieinander sitzen - hier regiert Gemütlichkeit. Um kurz vor acht betritt Peter Rist die Bühne und besingt den »zweiten Kuss«. Der sei, so der Text, was besonderes, denn man wisse schließlich schon, was kommt. Rist fühlt sich mit seinem Publikum wohl, und ein Großteil davon auch mit ihm. »Des ich oifach schee, fänd i«, sagt etwa Rose Fischer aus Pfullingen. Dennoch muss Peter Rist bald abtreten, der Ofterdinger Musikverein steht als nächstes im Programm.
Am Tübinger Tor hält die Jugend das musikalische Zepter in der Hand. Schon den ganzen Tag über rocken dort verschiedene Jugendbands die Bühne. Über zu wenig Publikum können sie sich nicht beschweren, schon am Nachmittag ist gut was los. Abends wird es dann noch mehr und so stehen bald hunderte Menschen auf der Wiese am Oskar-Kalbfell-Platz und bewegen sich zur Musik.
Wer vom Kanzlei- zum Albtorplatz will, weil dort auch noch Bühnen stehen, muss ab 22 Uhr Zeit einplanen. Nicht nur das berüchtigte Bermudadreieck zwischen Kanzlei- und Oberamteistraße ist - wie immer - vollgestopft. Auch in der Umgebung des Listgymnasiums ist schon bald kein Pflasterstein mehr sichtbar. Einige laufen an der Rückseite vorbei und somit an der vielbefahrenen Straße.
Auch um ein Uhr nachts herrscht noch Leben auf den Straßen der Innenstadt. Die Mülleimer quillen buchstäblich über, Betrunkene trokeln durch die Gegend. Eine knappe Stunde später kehrt allmählich Ruhe ein. Die Aufräumarbeiten haben schon in der Nacht begonnen und gehen am Sonntagmorgen weiter. Nur die Bühnen stehen noch, und ein paar aufgestapelte Bierbankgarnituren (Albtorplatz).
Die Folgen des Stadtfests sind damit für einige Besucher wohl länger spürbar als sichtbar. (GEA)

