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Sportler aus Ohmenhausen fordern: »Wir sind endlich dran«

Die Aschenbahn in Ohmenhausen ist in einem katastrophalen Zustand, eine Sanierung steht weiter in den Sternen. Deshalb waren Mitglieder des SV Ohmenhausen mitsamt Bezirksbürgermeisterin Andrea Fähnle im Sitzungssaal des Reutlinger Rathauses und machten ihre Not deutlich.

Von der Aschenbahn ist in Ohmenhausen nicht mehr viel zu sehen: Der Platz gleicht einem Acker.
Von der Aschenbahn ist in Ohmenhausen nicht mehr viel zu sehen: Der Platz gleicht einem Acker. Foto: Privat
Von der Aschenbahn ist in Ohmenhausen nicht mehr viel zu sehen: Der Platz gleicht einem Acker.
Foto: Privat

REUTLINGEN. Immer dann, wenn viele Zuschauer im Ratssaal Platz nehmen, weiß man, dass ein Punkt auf der Tagesordnung steht, der die Menschen bewegt. Auch in der jüngsten Sitzung des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses (VKSA) war dies der Fall. Zahlreiche Sportler des SV Ohmenhausen, deutlich erkennbar an ihren Trikots, nahmen auf den Besucherstühlen Platz. Als der Punkt »Sportstättenplanung 2025 - interne Fortschreibung« aufgerufen wurde, trat Bezirksbürgermeisterin Andrea Fähnle ans Mikrofon.

Bahn ist in desolatem Zustand

Sie spreche heute für Ohmenhausen – »für unsere Kinder, die Schule und den Sportverein«. Denn erneut hat es die Sportanlage Waldschule nur auf Platz 8 in der Prioritätenliste geschafft, versehen mit der Anmerkung »Nutzungsintensität nochmals hinterfragen; ggf. Länge reduzieren und 50 m-Bahn statt 100 m-Bahn«. Die Situation der Außensportanlage sei seit Jahren bekannt, berichtete die Ortsvorsteherin den Ratsmitgliedern. Die Bahn sei in einem desolaten Zustand: »Der Oberbelag ist bereichsweise nicht mehr vorhanden, der Unterbau mit groben Steinen liegt offen, das Regenwasser läuft wegen einer fehlenden Drainage nicht ab und es bilden sich großflächige Wasserflächen.«

Es besteht erhebliche Verletzungsgefahr, machte Fähnle deutlich, die Ehrenamtlichen des SV Ohmenhausen täten zwar, was sie können, aber alles sei nicht möglich. »In Schuss halten – ja. Aber sanieren – das kann kein Ehrenamt leisten.« Besonders enttäuscht ist man in der Bezirksgemeinde, dass sie erneut vertröstet werden könnten und sogar nach weiterem Spar-Potenzial bei der Sanierung gesucht wird. Bereits vor drei Jahren zeigten sich die Ohmenhäuser Sportler kompromissbereit: Statt einer teuren 400-Meter-Bahn akzeptierten sie als sinnvollen, tragbaren Kompromiss eine Bahn von 100 Metern mit Auslauf in die Sprunggrube. Getan hat sich seitdem jedoch nichts.

Das Ende der Jugend- und Erwachsenenleichtathletik

Bestürzt mussten sie nun in der Sitzungsvorlage des VKSA lesen, dass eine erneute Kürzung zur Diskussion gestellt werden soll. 50 Meter statt 100 sollen es nur noch sein, das würde laut dem Verein folgendes bedeuten: »Kein richtiger Schulsport mehr, keine Bundesjugendspiele, kein Sportabzeichen, kein vielfältiges Training für den Sportverein.« Matthias Koch, Abteilungsleiter Freizeitsport und Leichtathletik im SV Ohmenhausen, hat der Stadt dazu eine ausführliche Stellungnahme zukommen lassen. Eine Reduzierung auf eine 50-Meter-Tartanbahn wäre »das Ende der Jugend- und Erwachsenenleichtathletik«, so das Fazit des Sportlers. Eine solche Bahn genügt nämlich nur bis zur Altersklasse 11, für alle ab 12 wird die Sprintstrecke von zunächst 75 Meter auf abschließend 100 Meter erhöht. »Man würde unserer Jugend- und Erwachsenengruppe damit die Trainingsgrundlage nehmen. Die Durchführung des Sportabzeichens wäre ebenfalls nicht mehr möglich.«

Manchmal verwandelt sich die Bahn auch in einen See. Wegen einer fehlenden Drainage läuft das Regenwasser nicht mehr ab.
Manchmal verwandelt sich die Bahn auch in einen See. Wegen einer fehlenden Drainage läuft das Regenwasser nicht mehr ab. Foto: Privat
Manchmal verwandelt sich die Bahn auch in einen See. Wegen einer fehlenden Drainage läuft das Regenwasser nicht mehr ab.
Foto: Privat

Zudem tauchte die Frage auf, ob dadurch tatsächlich so viel gespart werden würde. »Alle Maschinen und Geräte sind bei der Sanierung ohnehin vor Ort«, so Fähnles Argument. »Oder wird hier ein Symbolbetrag eingespart – auf Kosten von Sport, Gesundheit, Gemeinschaft und Lebensqualität vor Ort?«

Die Kalkulationen aus dem Jahr 2022 beliefen sich auf rund 500.000 Euro für die 100 Meter lange Bahn, die ähnlich sein könnte wie die in Betzingen. Wegen steigender Baukosten liegen die aktuellen Kostenberechnungen bereits bei 650.000 Euro. Wie viel die halbe Bahn sparen würde, ist noch unklar.

Forderung nach höchster Priorität

Klar hingegen sind die Forderungen aus der Bezirksgemeinde: »Ohmenhausen braucht die 100-Meter-Bahn. Sie muss in der Planung erhalten bleiben und mit höchster Priorität behandelt werden«, sagte die Bezirksbürgermeisterin, »wir sind endlich dran«.

Die geballte Präsenz des Sportvereins machte durchaus Eindruck auf die Ratsmitglieder. »Ich finde es toll, dass Sie da sind«, sagte Gabriele Gaiser (CDU), »die Botschaft kam an.« Zusagen könne man allerdings zum aktuellen Zeitpunkt keine treffen. Auch Helmut Treutlein bestätigte, dass die Situation in Ohmenhausen unbefriedigend sei, aber er verwies ebenfalls auf die »überaus schwierige Haushaltssituation«. Gabriele Janz (Grüne) bedauerte, dass man mit dieser Liste (der Sportstättenplanung) mehr oder weniger nur Mängel verwalte: »Das macht keine Freude«. Vor allem, wenn man bedenke, wie unglaublich wichtig Sport und Bewegung seien. Sven Lange (WiR) kritisierte die starke Konzentration auf den Fußball beim Unterhalt der Sportstätten und hielt ein Plädoyer für sämtliche Sportanlagen. Außerdem stimmte er dem SV Ohmenhausen zu, was die Reduzierung auf 50 Meter betrifft: »Dann können wir es auch gleich lassen.«

Bürgermeister Robert Hahn betonte, dass die 50 Meter nur eine Anregung der Verwaltung sei, über die man nachdenken könne. Wie aber sieht es prinzipiell mit der Sanierung der maroden Bahn aus? »Das werden wir erst im Januar wissen«, so Hahn in der Sitzung des VKSA - nämlich dann, wenn der nächste Doppelhaushalt in Kraft tritt. (GEA)