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So sehen die Rommelsbacher die Zukunftsaussichten ihres Ortes: Heiter bis wolkig

Wie sich Einwohner von Rommelsbach ihr »urbanes Dorf« in zehn Jahren vorstellen: Wünsche, Hoffnungen und Visionen für 2030

Mit Weitblick die Zukunft gestalten: Damit Rommelsbach l(i)ebenswert bleibt.  FOTOS: TILL CREDNER/DPA, PRIVAT
Mit Weitblick die Zukunft gestalten: Damit Rommelsbach l(i)ebenswert bleibt. FOTOS: TILL CREDNER/DPA, PRIVAT
Mit Weitblick die Zukunft gestalten: Damit Rommelsbach l(i)ebenswert bleibt. FOTOS: TILL CREDNER/DPA, PRIVAT

REUTLINGEN-ROMMELSBACH. Wie wird Rommelsbach in zehn, fünfzehn Jahren aussehen? Was erhoffen sich Leute von heute für die Zukunft ihres Fleckens? Zumal jene Rommelsbacher, die ihrem Teilort – qua Geburt, Profession oder Ehrenamt – aufs Engste verbunden sind? Antworten auf derlei Fragen geben sechs Einwohner, die sich voll und ganz mit ihrer Gemeinde identifizieren und einen Blick in die Zukunft wagen.

Etwa Renate Doms, ehemalige Ortschafts- und Stadträtin, die in beiden kommunalpolitischen Ehrenämtern die Geschicke Rommelsbachs lange Jahre mitgestaltet hat. Zukunftsprognosen, lässt die 83-Jährige gleich zu Beginn des Gesprächs durchblicken, sind zwar nicht so ihr Ding – Wünsche formuliert sie indes gerne. Unter anderem den, dass die coronabedingt aus dem Fahrplan genommenen Quartiersbusse bald wieder ihre Garagen verlassen können. Als konsequente ÖPNV-Nutzerin ist sich die 83-Jährige sicher, dass die kleinen Brüder der rollenden RSV-Riesen maßgeblich zum Gelingen der angestrebten Mobilitätswende beitragen – weil sie Querspangen bedienen und so Lücken im Liniennetz schließen.

Ihr Rommelsbach des Jahres 2030 ist mithin eine vom Individualverkehr befreitere und damit klimafreundlichere Gemeinde; und zwar eine, die noch über »richtige Bankfilialen« verfügt. »Da sich die Geldinstitute immer mehr aus der Fläche zurückziehen, habe ich Sorge, dass das auch in Rommelsbach geschieht. Ich hoffe, dass dieser Fall niemals eintritt.« Gut hingegen wäre, wenn die ortsansässige Ärzteschaft um einen Orthopäden ergänzt werden könnte und Rommelsbachs »Neue Mitte« zum bürgerschaftlichen Treffpunkt geriete. Renate Doms 2030 verfügt also zumindest über ein Tagescafé beim Platz am Laufbrunnen.

Das eint ihre Vision vom Rommelsbach der näheren Zukunft mit der des ehemaligen Bezirksbürgermeisters Siegfried Thumm, der schon lange vor seiner Zeit als ehrenamtlicher Rathaus-Chef erhebliche Anstrengungen unternommen hatte, das kleine Geschäfts- und Dienstleistungszentrum zu beleben. Jetzt, sagt er, stehen die Zeichen in Rommelsbach definitiv auf Wachstum, jetzt werden sich – mit Blick auf die Baugebiete Wittum II und Gassenäcker – Familien einbürgern, die einen Ort der Geselligkeit suchen und in der »Neuen Mitte« auch finden sollten. Doch mit Zuzug von zunächst rund 300 neuen Einwohnern im Bereich Gassenäcker stellen sich Siegfried Thumm noch weitaus dringlichere Fragen, denn: »Die schon jetzt vorhandene Unterversorgung der Betreuung von Klein- und Kindergartenkindern wird sich verschärfen.« Seit Jahren hat Thumm beobachtet, »beziehen junge Familien Häuser aus den 1970er-Jahren, die nach dem Ableben ihrer zuletzt meist nur noch allein lebenden Eigentümer, zum Kauf oder zur Vermietung standen. Diese Entwicklung hält erfreulicherweise immer noch an«, bedeutet aber auch, dass beispielsweise die heute schon aus allen Nähten platzende Grundschule am Reisweg erweitert werden muss.

Soll(te) sie auch. Jedoch: Das Vorhaben eines Mensa-Neubaus wurde durch Corona jäh ausgebremst. Und Siegfried Thumm befürchtet, »dass angesichts der in den nächsten Jahren zu erwartenden Finanzlage nicht alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden können und die Eltern weiter mit dem Mangel leben müssen«. Vor diesem Hintergrund erscheint es ihm vernünftig, mit der Weiterentwicklung des Gebiets Wittum II »zunächst noch etwas abzuwarten«.

Ein Gedanke, der Claudia Rapattoni nicht fremd sein dürfte. Als Geschäftsführerin des Grundschulfördervereins erlebt sie schließlich jeden Tag hautnah mit, wie beengt die räumliche Situation am Reisweg ist. Klar, dass sie sich deshalb eine bauliche Lösung wünscht – aber nicht erst im Jahr 2030, sondern zeitnah. Außerdem findet sie, dass Rommelsbach mehr »Treffpunkte für Jung und Alt im Freien oder in Innenräumen« haben sollte. Im Sportheim eine »professionelle Gastronomie mit gutbürgerlicher Küche nebst Biergarten« zu etablieren, ist für Claudia Rapattoni ebenso wünschenswert wie die Schaffung zusätzlicher Freizeitofferten für die Jugend. »Mehr Sport und Bewegung« sollten Kids und Teens angeboten werden; und zwar betont auch jenseits klassischer Vereinsstrukturen. Rapattonis Rommelsbach des Jahres 2030 hat in nächster Nachbarschaft des BZN ein Hallenbad, eine Tages-Gastronomie in der »Neuen Mitte« und einen Tausch- oder Secondhand-Laden.

»Ich sehe Rommelsbach als Zentrum des Reutlinger Nordraums«, erklärt Martin Tröster. »Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sollten Ideen für die Entwicklung unseres Ortszentrums gesucht werden. Im alten Ortskern gibt es massive Probleme beim Parken. Dasselbe gilt auch für unsere neue Ortsmitte. In dieser sollte außerdem der Leerstand beseitigt werden.« Ginge es nach dem Willen des Sängerkranz-Vorsitzenden, dann würde auf dem Platz am Laufbrunnen spätestens 2030 das Leben pulsieren. Und selbstverständlich bliebe der Gemeinde ihre Turn- und Festhalle an der Tannheimer Straße erhalten. »Sie ist unverzichtbar für unsere Dorfgemeinschaft und das kulturelle Leben«.

Doch, was wird aus ihr, wenn sich die mit im Gebäude untergebrachte Freiwillige Feuerwehr räumlich verändert? »Deren Auszug ist ja schon beschlossene Sache; und dadurch werden Begehrlichkeiten geweckt, das Grundstück anders zu bebauen. Hoffentlich kommt es nicht dazu.« Und hoffentlich werden die Radwege optimiert. »Die ÖPNV-Anbindung in Richtung Reutlingen ist jetzt schon sehr gut.« Würde sie um ein attraktiveres, weil sichereres und lückenloses Radwegenetz ergänzt, wär’s für Tröster perfekt. Dann gebe es für die Rommelsbacher nämlich deutlich weniger Gründe, sich ins Privatauto zu setzen. Rommelsbach 2030? Für Martin Tröster ist’s ein verkehrsberuhigter Flecken mit gestärktem Wir-Gefühl, optimierter Infrastruktur und kulturellen Angeboten, die viele Geschmäcker und Altersgruppen bedienen. »Kurz gesagt: ein Ort, in dem man auch weiterhin gerne wohnt.«

So wie es die meisten Rommelsbacher bereits heute tun. Unter ihnen Marius Lauinger, der seit 22 Jahren in der Nordraum-Gemeinde lebt. »Wenn ich mich an meine frühe Jugend zurückerinnere, dann spielt der Sportverein Rommelsbach eine sehr große Rolle. Ganz egal, ob Fußball, Tennis oder andere Aktivitäten – ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese Zeit.« Was nicht heißt, dass deshalb alles beim Alten bleiben sollte. »Ich wünsche mir, dass abteilungsübergreifend noch mehr zusammengearbeitet wird.«

»In Sachen Freizeitgestaltung sehe ich ein Problem für Jugendliche, die keine Mitglieder des SV Rommelsbach sind.« Für diese Gruppe, weiß Marius Lauinger, »gibt es denkbar wenig Möglichkeiten, sich mit Gleichaltrigen zu treffen.« Egal wo sich die Jugend aufhält – »sie ist selten willkommen.« In diesem Bereich sollte sich binnen der kommenden Jahre »auf alle Fälle etwas ändern«.

»Im Reutlinger Nordraum«, so Lauinger weiter, »gehört unsere Gemeinde mit Sicherheit zu den infrastrukturell besser aufgestellten Teilorten. Worauf wir besonders stolz sein können, sind unsere Einzelhändler und Bauern.« Sie am Platze zu halten, ist für den jungen Rommelsbacher wichtig, der darauf hofft, dass sich sein Heimatflecken »den guten Mix aus Natur, Dorf und Kleinstadt« bewahrt und das Miteinander im Jahre 2030 vitaler sein wird, als es derzeit ist. »Ich wünsche mir, dass nach der Pandemie das Wir-Gefühl wieder verstärkt wird.«

Diesen Wunsch hegt auch Beate Ellenberger. Die Pfarrerin an der Martin-Luther-Kirche findet, dass es sich in Rommelsbach »hervorragend leben lässt« – sofern man eine Bleibe gefunden hat, und zwar eine erschwingliche. Denn »bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Ich weiß von Familien, die in viel zu kleinen Wohnungen leben oder wegziehen müssen.« Derweil manch alleinstehendem Senior sein großes Haus im Alter zur Last fällt. Hier sollte man gezielt nach Lösungen suchen und vermitteln.

»Corona hat gezeigt, dass es jeden treffen kann – krank zu werden oder die Arbeit zu verlieren. Wir brauchen künftig mehr Hilfsangebote und Vernetzung. Da können Kirche und Diakonie für den Nordraum in Rommelsbach aktiv werden« und jeder und jedem soziale Teilhabe ermöglichen. Gerade Kinder und Jugendliche bräuchten, so Ellenberger, »Bildungs- und Begegnungsmöglichkeiten, die nicht an den Geldbeutel geknüpft sind. Dass sie spüren: ›Auch wenn du dir wenig leisten kannst, bist du jemand und kannst etwas gestalten‹. Wir brauchen weniger Vereinzelung und wieder mehr Miteinander.« Und: kreative Lösungen – etwa für die »Neue Mitte«.

»Ungeachtet dessen, was tatsächlich machbar ist«, hat Beate Ellenberger Visionen. Ihr Rommelsbach 2030 könnte eine aufgemalte Bobbycar-Bahn auf dem Platz am Laufbrunnen haben und eine Pumpe für sommerliches Planschvergnügen. Es hätte mehr öffentliche Parkplätze für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, und eine Kirche, die – weil viele mit anpacken – nicht bloß sonntags geöffnet hat. Dieses Zukunfts-Rommelsbach verfügt mit Blick auf Feste und andere Freiluft-Zusammenkünfte über mehr Sonnen- beziehungsweise Regenschutz und über mehr Bänke: »für Pausen und für Schwätzle, für Ältere, Schwangere und Rekonvaleszenten.« (GEA)

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