Logo
Aktuell Digitales

So nutzt das Landratsamt Reutlingen KI

Der Landkreis Reutlingen nutzt künstliche Intelligenz über einen deutschen Vermittlungsdienst. Die Verantwortlichen sprechen von Innovation und Datenschutz. Was genau geplant ist.

Superkräfte verspricht sich die Verwaltung im Reutlinger Landratsamt vom Einsatz künstlicher Intelligenz nicht - aber mehr Effiz
Superkräfte verspricht sich die Verwaltung im Reutlinger Landratsamt vom Einsatz künstlicher Intelligenz nicht - aber mehr Effizienz. Foto: Stephan Zenke
Superkräfte verspricht sich die Verwaltung im Reutlinger Landratsamt vom Einsatz künstlicher Intelligenz nicht - aber mehr Effizienz.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. An jedem Arbeitsplatz der Verwaltung des Landkreises Reutlingen kann jetzt nach entsprechender Mitarbeiterschulung künstliche Intelligenz (KI) als internes Werkzeug verwendet werden. Dazu nutzt der Kreis die deutsche Plattform "nele.ai", die "Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Datenschutz" garantieren will. Landrat Dr. Ulrich Fiedler sagt: "Wir müssen als öffentliche Verwaltung für Innovationen offen sein". Was die Bürger davon haben, wird sich erst noch zeigen müssen, denn das Projekt steht ganz am Anfang.

Nutzen möchte der Landkreis sogenannte generative KI. Damit werden Modelle der künstlichen Intelligenz beschrieben, die neue Inhalte wie geschriebene Texte, Bilder oder Videos erzeugen. Als Beispiele nennt der Landrat »Textzusammenfassungen oder Textverbesserungen«. Bekanntester Vertreter dieser Form von maschinellem Lernen, die aus unfassbaren Massen von Daten über eigene Modelle neue Daten erzeugen kann, ist das amerikanische ChatGPT des amerikanischen Softwareunternehmens OpenAI, womit für deutsche Verwaltungen bei der direkten Nutzung diverse Datenschutz- und Privatsphäre-Probleme beginnen würden.

»Eingabe persönlicher Daten nicht erlaubt«

Deshalb verwendet die Kreisverwaltung die Plattform "nele.ai» als eine Art Vermittler. Anfragen in Form von Chats oder als Prompts bezeichnete Texteingaben gehen erst an den deutschen Dienstleister und von dort etwa weiter zu ChatGPT. Als Dienstleistungen verkauft «nele.ai» unter anderem die Erfüllung von Regeln der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Dafür bucht der Landkreis bei «nele.ai" ein monatliches Datenvolumen (KI-Volumen) in Form von Credits. Derzeit reichen laut Rupert Wagler, Leiter des Sachgebietes Informationstechnologie, Credits im Wert von 150 Euro pro Monat, "wir gehen davon aus, dass es sich bei Creditgebühren von 500 bis 1.000 Euro einpendeln wird". Verfügbar ist die künstliche Intelligenz via Webbrowser an den Arbeitsplätzen des internen Netzes wie jede andere Seite im Internet auch.

Alle Benutzer der Landkreisverwaltung bekommen nach einer Schulung zum Thema künstliche Intelligenz inklusive besonderer Kenntnisnahme der dazugehörigen Dienstanweisungen ihre individuellen Anmeldedaten. Wer was mit der KI macht, soll nicht festgehalten werden. Bislang haben 350 Frauen und Männer das Training absolviert - also nur ein kleiner Teil der Beschäftigten. »Was wir nicht erlauben, ist die Eingabe von persönlichen Daten«, betont Wagler, »und KI zur Entscheidungsunterstützung ist derzeit kein Thema«. Es brauche daher niemand befürchtet, dass er es statt mit intelligenten Menschen beim Landratsamt mit einer Maschine zu tun hat.

KI sicher nutzen

KI kann in vielen Bereichen des Lebens einen echten Fortschritt bedeuten. Wer sich mit den Risiken dieser neuen Technologie beschäftigen möchte, dem sei der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie gemeinsam mit internationalen Partnerbehörden veröffentlichte »Leitfaden zur sicheren Nutzung von KI-Systemen« empfohlen. Das Dokument ist auf der Website des BSI über die Suche oben rechts zu finden. (zen)
https://www.bsi.bund.de/

Neben ChatGPT möchte der Kreis auch »Gemini« von Google sowie das auf die Bilderzeugung aus Textbeschreibungen spezialisierte Modell »DALL-E« von OpenAI nutzen. Ausdrücklich gesperrt sind das aus Sicht von Datenschützern hochriskante chinesische »DeepSeek«. Der KI-Chatbot »Grok« des amerikanischen Multimilliardärs Elon Musk, der als Unterstützer diverser rechtsradikaler Kräfte von sich reden gemacht hat, soll ebenfalls nicht genutzt werden. Im Kern will der Kreis Erfahrungen sammeln sowie laut Fiedler »effizienter und schlanker arbeiten«.

"Wir beobachten die Entwicklung und gehen davon aus, dass das Werkzeug nele.ai länger erhalten bleibt", sagt Wagler. Auch andere Landkreise wie Ravensburg oder der Bodenseekreis machten sich mit dem Thema vertraut. Langfristige vertragliche Verpflichtungen seien nicht eingegangen worden, "wir können monatlich kündigen". (GEA)