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So fand ein Papagei im Reutlinger Tierheim seine Liebe

Ein kleiner Papagei fährt mit dem Linienbus aus Zwiefalten 40 Kilometer bis nach Reutlingen. Im Tierheim lernt »Marvin Gaye« seine Partnerin fürs Leben kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick.

Ein Herz und eine Seele: Die Mini-Papageien Marvin Gaye und Kim Weston.
Ein Herz und eine Seele: Die Mini-Papageien Marvin Gaye und Kim Weston. Foto: Steffen Schanz
Ein Herz und eine Seele: Die Mini-Papageien Marvin Gaye und Kim Weston.
Foto: Steffen Schanz

REUTLINGEN-SONDELFINGEN. Marvin Gaye hat ganz rote Bäckchen – er ist verliebt. Gefunden hat der kleine Papagei seine Traumpartnerin ausgerechnet im Reutlinger Tierheim. Spektakulär war seine Anreise ins neue Liebesnest. 40 Kilometer fuhr er mit dem Linienbus von Zwiefalten nach Reutlingen. Die Reise hat sich gelohnt.

Bitte einsteigen: Eine Fahrkarte löste der nur rund 15-Zentimeter große, grün-gelbe Vogel mit dem pfirsichroten Köpfchen zwar nicht. Linienbusfahrerin Annette Kaiser nahm ihn trotzdem mit. »Eigentlich ging die Fahrt ganz normal los«, berichtet Kaiser im SWR-Interview. Doch dann war da plötzlich der niedliche kleine Gesangskünstler. In einem Ortsteil von Zwiefalten entdeckte ihn die Frau hinter dem Steuer auf der Straße.

»Ich habe erwartet, dass der Vogel flattert, zappelt und kreischt. Aber der war tiefenentspannt«

Keine der Personen in der Nähe konnte der Busfahrerin beantworten, wo das kleine Pfirsichköpfchen herkommt oder hingehört. »Der geht einfach spazieren auf der Straße«, hieß es. »Jetzt wissen wir nicht, was wir machen sollen.« Kaiser sagte: »Kein Problem, ich nehme ihn mit.«

Zur Verwunderung aller Anwesenden ließ sich der Papagei recht leicht von der Reise überzeugen. »Ich habe erwartet, dass der Vogel flattert, zappelt und kreischt. Aber der war tiefenentspannt«, erzählt Kaiser, die ihn einfing und im Bus mitnahm. Noch während der Fahrt freundeten sich beide miteinander an. Kurz dachte die vom Charme des Papageis verzückte Frau darüber nach, ihn zu behalten. Es siegte aber die Vernunft. Sie brachte ihn ins Tierheim Reutlingen, wo Marvin mit reichlich Gezwitscher empfangen wurde.

»Es war wirklich Liebe auf den ersten Blick«

Keine zwei Tage dauerte es, bis sich eine der Vogeldamen in ihn verliebte, erzählt Tierheim-Mitarbeiterin Sabine Klein dem GEA. »Es war wirklich Liebe auf den ersten Blick.« Mittlerweile sind die beiden Papageien der Gattung der Unzertrennlichen ein Herz und eine Seele. Liebevoll krault Marvin Gaye seine Kim Weston mit seinem roten Schnabel. Zufrieden neigt diese ihr Köpfchen zur Seite und genießt die Zuneigung. »Sie sind ständig am Kuscheln«, erzählt Klein bei der Besichtigung der geräumigen Voliere. Dass noch ein Dutzend weitere Vögel um sie herum flattern, scheint beide nicht zu stören. »Sie sitzen fast immer zusammen.«

Seiner neuen Liebe serviert der kleine Findling sogar das Essen.
Seiner neuen Liebe serviert der kleine Findling sogar das Essen. Foto: Steffen Schanz
Seiner neuen Liebe serviert der kleine Findling sogar das Essen.
Foto: Steffen Schanz

Um seine neue Partnerin kümmert sich Marvin Gaye rührend. Flott flattert er vom gemütlichen Sitzplatz am Volierendach zum Futternapf und wieder zurück. Dort angekommen füttert er seine Kim, die ihm ihren Schnabel dankbar hinhält. Klar ist schon jetzt: Diese Liebe hält, bis der Tod sie scheidet. Denn die Papageien sind ihrem Partner, wie schon der Name »Unzertrennliche« andeutet, ein Leben lang treu. »Sie trauern sehr, wenn der sie von ihrem Partner getrennt werden, oder einer stirbt«, erklärt die Expertin.

»Die zwei haben ein sehr schönes Liebeslied gesungen«

Wie der kleine Vogel auf die Straße kam, ist weiter unklar. »Der Besitzer hat sich bei uns nicht gemeldet«, sagt Klein. Auch Interessenten habe es für das Papageien-Pärchen bisher nur einen gegeben. Aber der konnte nicht bieten, was die beiden brauchen. Voraussetzung für eine Vermittlung der putzigen Flugkünstler seien nämlich ein großer Käfig und ein Raum, in dem die Vögel frei fliegen dürfen – mindestens sechs Stunden am Tag.

Ihre Namen, die sie im Tierheim bekamen, verdanken die beiden Papageien ihrem Gesangstalent: Benannt wurden Marvin Gaye und Kim Weston nach Sängern aus den 60er-Jahren. »Die zwei haben ein sehr schönes Liebeslied gesungen«, verrät Sabine Klein. Was dem großen Glück jetzt noch fehlt, ist das passende neue Zuhause. Eines aber ist gewiss: Getrennt werden die beiden nicht mehr. »Die gibt es nur noch im Doppelpack«, sagt Klein. (GEA)