REUTLINGEN. Einen Pächter für das städtische Hofgut Alteburg zu finden, scheint schwierig zu sein. Nachdem die letzten beiden Interessenten für einen Erbpachtvertrag des landwirtschaftlichen Anwesens abgesprungen sind, hat die Stadt Reutlingen jetzt die dritten Kandidaten vorgestellt. Die Familien Hespeler und Geiger aus Kusterdingen-Mähringen führen das Hofgut bereits seit Anfang Dezember mit kurzfristigen Mietverträgen, planen »mit viel Herzblut« die Zukunft. Ob es allerdings tatsächlich zur Unterzeichnung eines langfristigen Erbpachtvertrages kommt, wird sich erst im Laufe des kommenden Jahren zeigen, nachdem die potenziellen Pächter alles durchgerechnet haben. Von alledem nicht berührt ist die Gutsgaststätte Alteburg.
Vorerst haben Christian Hespeler (39) und seine Schwester Sabine Geiger (43) gemeinsam mit deren Mann Steve Geiger (41) drei Verträge mit der Stadt Reutlingen geschlossen, wie Fabian Schäufele als stellvertretender Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung erklärt: einen gewerblichen Mietvertrag für die Hofstelle, einen zeitlich beschränkten Pachtvertrag für die Flächen sowie einen Optionsvertrag. Die Mähringer sind keine Anfänger, sondern führen bereits einen landwirtschaftlichen Betrieb.
»Landwirte mit betrieblichem Hintergrund«
Darüber hinaus hat Christian Hespeler bereits als Lohnunternehmer für Altpächter Olaf Pank gearbeitet, dessen Vertrag zum 1. Januar 2025 ausgelaufen war. »Herr Hespeler kennt die Flächen«, freut sich Schäufele. Der Stadt sei klar gewesen, »dass wir keine Neueinsteiger, sondern Landwirte mit betrieblichem Hintergrund brauchen«. Obschon sie erst ganz am Anfang einer möglichen langfristigen Übernahme der Alteburg stehen, haben Hespeler und Geigers bereits einige konkrete Vorstellungen.
»Momentan wird der Hofladen hergerichtet«
Die Milchviehhaltung bleibe »ein zentrales Standbein unseres Hofes - verbunden mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Tier und Natur«. Ergänzt werde dieser Bereich durch die Jungviehhaltung, die für eine besonders »naturnahe und stressarme Tieraufzucht« stehe. Als wichtigen Bestandteil sehen sie - gewiss zur Erleichterung vieler Reutlinger - die Direktvermarktung. »Wir freuen uns, unseren Kundinnen und Kunden hochwertige hofeigene Produkte anbieten zu können. Darunter Milch, Eier, Kartoffeln, Nudeln, saisonales Gemüse sowie Erzeugnisse der Streuobstwiesen«. Dies alles solle so schnell wie möglich an den Start gehen, »momentan wird der Hofladen noch ein wenig hergerichtet«. Im Mittelpunkt der Arbeit sollten der persönliche Kontakt und eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt stehen. »Wir möchten den Menschen aus der Region nicht nur gute Lebensmittel anbieten, sondern auch zeigen, wo diese herkommen und wie sie entstehen.«

Die Mähringer Familien folgen auf Martin Kuttler und Johannes Braun, beide Biolandwirte, die sich im November 2024 mit großen Plänen auf den Weg zu einer Zukunft als langfristiger Pächter gemacht hatten, aber vor kurzer Zeit aufgegeben haben. Sie begannen, das Hofgut auf ökologische Produktion umzustellen. Zur Aufgabe hat sie laut einer Presseerklärung ein Bauvorhaben gezwungen: »Unser Betriebskonzept war maßgeblich mit dem Neubau eines Milchviehstalles am Standort Alteburg verbunden. Im Zuge der weiteren Planungen zeigte sich allerdings immer mehr, dass die hohen Investitionssummen, die getätigt werden müssten, nicht im Einklang mit der Vertragsgrundlage standen«, schreiben Kuttler und Braun. Die wirtschaftliche Nutzung der Altgebäude sei eine weitere Aufgabe gewesen, »die für uns nur schwer zu lösen war«. Mit wirtschaftlichen Überlegungen hatten bereits die ursprünglich nach einem Ende 2022 begonnenen Ausschreibungsverfahren vorgesehenen ersten Nachfolger des Altpächters Pank - ein junges Trio - ihren Abschied im September 2024 begründet.
»Wir wollen keinen neuen Milchviehstall bauen«
»Wir wollen keinen neuen Milchviehstall bauen und die Flächen konventionell bewirtschaften«, macht Christian Hespeler klar. Ansonsten gehe es ihm und den Geigers jetzt darum, »das komplette Hofgut auf Vordermann zu bringen«. Was die neuen Pächter noch aus dem Anwesen machen, wird sich zeigen. (GEA)





