Auf Spätzle folgte Rotwein – zumindest für Timo Linhart. Ein bis zum Rand gefülltes Glas leerte der Zimmermeister mit einem beherzten Schluck, ehe er es am Boden zerschellen ließ. Aber erst mal hatte er den Richtspruch vorzutragen. Auf dem Scheunen-Anbau aus Holz stehend, den er mit seinen Kollegen in den vergangenen zwei Wochen fertiggestellt hatte, reimte Linhart: »Der Bau ist erstellt aus Stein und Holz, dem Bürger zum Nutzen, der Gemeinde zum Stolz, sind hier entstanden durch fleißige Hände, in festem Gefüge das Dach und die Wände.« Ein überraschendes Solo von Paul Gaiser an der Posaune krönte den traditionellen Akt.
Dann war es für Albrecht Henes Zeit, danke zu sagen. Und das dauerte, schließlich waren und sind sehr viele Menschen an dem ehrgeizigen Projekt beteiligt. Nicht zuletzt die Oferdinger, die mit enormem ehrenamtlichen Einsatz bei der Sache sind. Bevor er sich an Verwaltungsmitglieder und involvierte Politiker von Kommunal- bis Landesebene wandte, dankte Henes folgerichtig zuerst den Bürgern. »Ihr habt das Projekt mit auf die Bahn gebracht. Ohne euch wäre es nicht gegangen.« Die Kulturscheue stehe fest auf dem Boden und sei fest verwurzelt in der Bevölkerung.
»Der Bau ist erstellt aus Stein und Holz, dem Bürger zum Nutzen, der Gemeinde zum Stolz«Henes erinnerte an die Anfänge. An die Idee, die 2008 auf dem Weihnachtsmarkt aufkam. An die Gründung des Fördervereins 2009. An die Besuche von diversen Landespolitikern, die das Projekt mit voranbrachten. Und an die erfolgreichen Anträge auf Förderung – die Stadt gewährte einen Zuschuss von 50 000 Euro und einen zinslosen Kassenkredit, aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum fließen 95 000 Euro in das Oferdinger Gebäude.
Peter Geier, Leiter des Gebäudemanagements der Stadt Reutlingen, blickte zurück auf den Spatenstich am 14. März 2014. Es sei unschwer zu erkennen, dass sich »seit diesem Startschuss einiges getan hat«. Oferdingen habe die Bedeutung der Ortsmitte erkannt. Hier wird der Rahmen geschaffen für ein gutes Miteinander. Das maßgebliche Engagement aus der Bürgerschaft blieb auch bei Geiers Ansprache nicht unerwähnt. In Oferdingen gebe es einen stark ausgeprägten Gemeinschaftssinn und ein hohes Maß an Identifikation der Bürger mit dem Ort.
Eine flexible Bühne, die von innen wie außen bespielbar ist, der neue Sanitärbereich und die kleine Küche: Geier deutete an, dass es bis zur Einweihung noch viel zu tun gibt. Aber auch, dass von Haupt- und Ehrenamtlichen schon jede Menge geschafft wurde.
In eine ähnliche Richtung gingen die Worte des CDU-Landtagsabgeordneten Dieter Hillebrand, der das Vorhaben von Anfang an verfolgte und unterstützte. An solch einem Tag könne man sehen, welche Früchte Teamgeist und Engagement tragen können. »Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen: In Oferdingen werden Nägel mit Köpfen gemacht.« Der ganze Aufwand habe sich gelohnt, schließlich entstehe am ebenfalls im Umbau befindlichen Dorfplatz ein »lebendiger und zentraler Veranstaltungsort«. »Nur wenn du alles gibst, kannst du dir nichts vorwerfen«, zitierte Hillebrand den deutschen Vorzeige-Basketballer Dirk Nowitzki. »Hier haben alle Beteiligten alles gegeben, um Oferdingen aufzuwerten.«
Bezirksbürgermeister Ralph Schönenborn äußerte seine große Freude, dass »wir diese Kulturscheune errichten«. Es sei schon so viel geschaffen, das mögen die Mitglieder des Gemeinderates bedenken, machte Schönenborn eine etwas verklausulierte Andeutung. Auf Nachfrage bestätigte der Schultes, dass bei den Umbauarbeiten mehr Kosten entstehen als geplant. Konkrete Zahlen nannte er allerdings nicht.
Fakt ist: Die Unterstützung aus der Bürgerschaft darf nicht nachlassen, um die Großprojekte Kulturscheune und Dorfplatz-Umgestaltung erfolgreich zu Ende zu bringen. Am Dorfplatz werkeln Ehrenamtliche am heutigen Samstag sowie am Freitag und Samstag, 26. und 27. Juni, weiter. Freiwillige Helfer sind natürlich willkommen. Und Albrecht Henes verdeutlicht im Hinblick auf die Kulturscheune, dass weiterhin Spenden benötigt werden. (GEA)
www.kulturscheune-oferdingen.de

