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Reutlingerin Sarah Zickler tritt aus der FDP aus

Im Februar wurde sie noch als FDP-Direktkandidatin für den Wahlkreis Reutlingen gewählt. Nun verkündet sie ihren Austritt aus der Partei. Was Sarah Zickler zu diesem Schritt bewogen hat und wie es politisch für sie weitergeht.

Nach knapp acht Jahren reicht es Sarah Zickler: Sie hat den Austritt aus der FDP verkündet. Foto: Trinkhaus/dpa/GEA-Repro
Nach knapp acht Jahren reicht es Sarah Zickler: Sie hat den Austritt aus der FDP verkündet.
Foto: Trinkhaus/dpa/GEA-Repro

REUTLINGEN. Eine überraschende Nachricht: Sarah Zickler ist aus der FDP ausgetreten. Nach knapp acht Jahren Parteimitgliedschaft hat sie am Donnerstagabend ihr Austrittsschreiben an den Landesverband verschickt. »Ich bin eine Vollblutliberale. Das ist für mich ein sehr drastischer Schritt«, sagt sie im Gespräch mit dem GEA. »Aber es ist der einzig konsequente Schritt für mich, damit ich meine Inhalte weiter glaubwürdig vertreten kann.«

Erst Anfang Februar, also vor knapp einem halben Jahr, war sie vom Kreisverband als Landtagskandidatin nominiert worden. Anfang Juli hat die baden-württembergische FDP dann ihre Landesliste zusammengestellt, dort steht Zickler auf Platz 32. Warum hat sie sich wählen lassen, um kurz danach zurückzutreten? »Die Unzufriedenheit mit bestimmten Dingen gibt es ja schon länger«, so Zickler. »Aber ich hatte das Prinzip: Die Hoffnung stirbt zuletzt.« Nun wolle sie »so fair sein, der FDP noch die Möglichkeit zu geben, einen anderen Kandidaten zu finden«, so Zickler. Ihre Entscheidung habe nichts mit dem Reutlinger Stadtverband zu tun, dessen Vorsitzende sie ist. »Das sind alles tolle Leute.« Auch glaube sie nicht, dass die FDP ein »sinkendes Schiff« sei. Vielmehr kritisiert Zickler Strukturen und Inhalte der Landes- und Bundes-FDP.

»Die Unzufriedenheit mit bestimmten Dingen gibt es ja schon länger«

In ihrem Austrittsschreiben, das dem GEA vorliegt, beschreibt Zickler einen »Prozess, der mit der Frage begann, warum ich in die Politik gegangen bin – und mit der bitteren Erkenntnis endet, dass die Strukturen der Partei, wie ich sie erleben musste, immer weniger mit meinem Anspruch an politische Gestaltung übereinstimmen«. Sie kritisiert, dass sich die »innerpolitische Praxis der FDP zunehmend von Inhalten entfernt«. Expertise würde zur Nebensache. Nicht mehr das stärkste Argument zähle, sondern »die stabilste Beziehung zur innerparteilichen Machtachse«. Sie spricht davon, dass Abgeordnete mittlerweile 90 Prozent der Zeit damit verbringen müssten, Kontakte zu knüpfen und innerparteiliche Verbindungen zu pflegen. Es ginge mehr darum, »Wortführer zu bespaßen«, als Politik zu machen.

Neben struktureller Kritik übt Zickler auch Kritik an der Ausrichtung der FDP. »Ich bin überzeugt, dass das Land zwingend eine liberale Partei braucht. Aber das sehe ich bei der FDP nicht mehr.« Vielen Politikern, nicht nur denen ihrer Ex-Partei, sei die Fähigkeit abhandengekommen, »zuzuhören, was die Menschen da draußen wirklich brauchen«.

»Ich rechne mir sehr gute Chancen auf einen vorderen Listenplatz aus«

Doch ihre politische Laufbahn soll nicht zu Ende sein, betont die Prokuristin von Zickler-Immobilien. Sie will sogar trotzdem für die Landtagswahl 2026 antreten. Und zwar für »Team Freiheit«. Aktuell handelt es sich dabei noch um einen Verein, Vorsitzende ist Frauke Petry, Mitgründerin und Ex-Bundessprecherin der AfD. Petry war 2017 aus der AfD ausgetreten. »Natürlich hatte ich viel über Frauke Petry gelesen und Fragen an sie«, sagt Zickler. Nach Gesprächen mit ihr und anderen Mitgliedern sei sie nun aber »sicher, dass im Hinblick auf marktwirtschaftliche Orientierung und Bürgerrechte, Team Freiheit die freiheitliche, liberale Kraft ist, die zu mir passt«.

»Team Freiheit« soll zur Partei werden - zu Wahlen dürfen sich dann aber nur parteifreie Kandidaten aufstellen lassen. Die Partei selbst versteht sich als »Personalauswahlgremium«, wie Petry in einem Interview mit Cicero erklärte. Damit soll genau das verhindert werden, was auch Zickler jetzt kritisiert: dass Seilschaften und Kontakte innerhalb der Partei über die politische Karriere entscheiden. Zickler sagt, sie rechne sich bei »Team Freiheit« 2026 für die Landtagswahl »sehr gute Chancen auf einen vorderen Listenplatz aus«. Wie beim BSW wird es auch beim »Team Freiheit« laut Zickler erstmal nur eine Landesliste geben, keine Direktkandidaten für Wahlkreise.

Zickler war eine Periode lang Gemeinderätin für die FDP, bei der Kommunalwahl 2024 verpasste sie den erneuten Einzug ins Gremium. Die FDP verlor einen Sitz - und damit auch den Fraktionsstatus. Im selben Jahr war Zickler auf der Bundesliste der FDP für die Europawahl angetreten, ohne Erfolg. Außerdem war die 43-Jährige stellvertretende Vorsitzende des FDP-Kreisverbands. In ihrem Austrittsschreiben betont sie, von allen Partei-Ämtern zurückzutreten. »Es ist Zeit für einen klaren Schnitt - und einen neuen Weg.« (GEA)