REUTLINGEN. In Erich Brunners Verkaufsmobil auf dem Reutlinger Wochenmarkt hängt ein Motto, das so ganz auf ihn zugeschnitten ist: »Wer seinen Job liebt, muss keinen Tag im Leben arbeiten.« Erich Brunner liebt seinen Job über alles. Und er liebt natürlich Fisch. Wenn bei ihm Zuhause ein Fischgericht zubereitet wird, dann seien es meist drei verschiedene Sorten, am besten noch mit Garnelen und Jakobsmuscheln, schwärmt er.
Der heute 56-Jährige hat einst bei Käfer in München, seiner Geburtsstadt, gelernt. Eine harte Schule, wie er heute noch zurückblickt. Aber eine Zeit, die ihm viel Handwerkszeug für sein Leben mitgegeben hat. »Diesem Haus bin ich heute noch dankbar.« Mit Fischen kam er allerdings schon viel früher in Berührung, wurde er doch in eine angelbegeisterte Familie hineingeboren. Nach vier Jahrzehnten im Beruf hat Brunner nichts von seiner Begeisterung für Fisch und Meeresfrüchte eingebüßt, seine Freude im Umgang mit den Kunden und sein stetes Bestreben, nur die beste Ware anzubieten. Rund um die Festtage am Jahresende liegen die besten Verkaufstage für den Fischverkäufer. »Das Weihnachtsgeschäft ist das Wichtigste im ganzen Jahr, da darf nichts schiefgehen und da darf auch keine Ware ausgehen. Und auch auf Silvester und Neujahr kaufen die Kunden nochmals gerne Fisch, Meeresfrüchte, Fischsalate.« Mit dem Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr zeigt sich Brunner überaus zufrieden, allein tausend Vorbestellungen musste er zu Heiligabend fertig packen.
Kunden legen Wert auf Qualität, aber auch auf Ökologie und Tierschutz
Das Jahresende ist für Brunner diesmal ohnehin eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Denn Anfang des Jahres, im Januar, hat Brunner sein Fischgeschäft im E-Center am Heilbrunnen nach 26 Jahren geschlossen und setzt seither ausschließlich auf seine beiden Verkaufsmobile, die neben dem Wochenmarkt in Reutlingen auch Esslingen, Nürtingen, Wannweil, Pfullingen, Metzingen und den Scharnhauser Park beliefern. Es sei eine gute und richtige Entscheidung gewesen, sagt Brunner. »Es war jetzt unser erstes Jahr mit ausschließlich den beiden Fischmobilen. Und ich bin mit diesem gesamten zu Ende gehenden Jahr absolut zufrieden«, betont Brunner. Trotz der Ladenschließung am Heilbrunnen habe es keine Umsatzeinbußen gegeben, die Kunden seien einfach mitgezogen und eben zu den Fischmobilen auf den Märkten gekommen. »Es funktioniert wunderbar, die Kunden lieben uns.«
Die Kenntnisse rund um guten und hochwertigen Fisch ist die eine Sache, das Ohr am Kunden zu haben die andere. Natürlich beobachtet Brunner ein sich veränderndes Verbraucherverhalten in den vergangenen Jahren. Das klassische Beispiel: der traditionelle Karpfen zu Weihnachten und Neujahr hat schon längst ausgedient, nur noch wenige Karpfen gehen über den Ladentisch. Stattdessen bevorzugen die Kunden grätenfreie Filets statt ganzer Fische. Das freut auch den Fischhändler. »Der Aufwand bei ganzen Fischen ist nämlich auch für uns um ein Vielfaches höher.«
Der beliebteste Fisch bleibt auch in diesem Jahr der Lachs. »Mit Lachs machen wir ein super Geschäft.« Sowohl frischen Lachs als auch selbst gebeizte Räucherlachse bietet Brunner an. Gut verkauft wird zudem Kabeljau, Seeteufel, weißer Heilbutt, Seezungen. Ganz wichtig ist für Brunners Kunden aber auch die Herkunft und Aufzucht der Fische. Denn die Kunden sind kritischer geworden, legen Wert auf Ökologie und Tierschutz. »Die Verbraucher, die bei uns Fisch kaufen, wollen wissen, was sie kaufen.« Beim Thema Aquakultur müsse man beispielsweise viel Aufklärungsarbeit leisten und da wollen die Leute dann auch ganz genau informiert werden. »Das meiste in unserem Angebot ist jedoch Wildfang.« Brunner kennt seine Lieferanten schon viele Jahre. »Wir machen da keine Kompromisse, nur weil der eine da vielleicht ein paar Euro billiger ist.« In Brunners Verkaufstheke ist Lachs von den Färöer-Inseln sowie schottischer »Label Rouge«-Lachs, der »so nah an der Natur gezüchtet wurde wie möglich«. Absolute Top-Qualität, wie Brunner versichert. Jeden Tag werde frische Ware geliefert.
25 bis 30 Sorten Fisch hat Brunner in seinem Fischmobil, hinzu kommen Meeresfrüchte wie Muscheln, Langustenschwänze, Austern und natürlich verschiedene Fischsalate. Gerade zu Silvester sei auch der Räucherlachs sehr gefragt. Guten von schlechtem Fisch zu unterscheiden, das sei für den Käufer quasi nicht möglich, sagt Brunner. »Deshalb kommen die Leute ja auch zu uns. Denn Fisch ist Vertrauenssache. Wir haben fast 30 Jahre Erfahrung, der Kunde kennt uns und weiß, dass er sich auf uns verlassen kann.« Noch fünf bis sechs Jahre will Brunner im Geschäft bleiben, so seine Pläne. Danach wolle er kürzer treten.
Für das neue Jahr hat Brunner nur den einen Wunsch bezüglich seines Geschäftes: »Dass alles so bleibt wie 2025. Dann bin ich zufrieden.« Am Dienstag wird Brunner nochmals mit seinem Fischmobil auf dem Reutlinger Wochenmarkt seine Waren anbieten, danach ist erst einmal ein kleiner Urlaub angesagt. Was ihn nicht daran hindert, schon jetzt für die Zeit danach zu planen. »Wenn wir wieder da sind, bringen wir den Skrei mit«, ruft er einem Kunden nach, der einen »guten Rutsch« wünscht und schon jetzt wissen will, wann das Fischmobil im Januar wieder auf dem Marktplatz steht. Bei so einem Angebot kann der Kunde freilich nicht widerstehen. Schließlich gibt es den »Skrei«, den wandernden Kabeljau von den Lofoten, nur von Januar bis Mitte März. »Prima. Ich komme dann«, kündigt sich der Reutlinger schon an. (GEA)
Frisch vom Markt
Über den Wochenmarkt stromern, sich von Händlern und Produkten inspirieren lassen – und sich überlegen, was man daraus zaubern kann. Dazu soll diese GEA-Serie ermuntern. Sie erscheint in loser Folge. (GEA)

