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Reutlinger Terrorsperren: Riskant für »Rollis«

So sicher wie der Reutlinger Weihnachtsmarkt durch Terrorsperren ist, so schwer haben es offenbar teilweise Rollstuhlfahrer, hinein- oder hinauszukommen. Die Stadt verspricht rasche Problemlösungen.

Der Eingang zur oberen Wilhelmstraße ist für Rollstuhlfahrerin Ute Kober schwierig, denn in der Spalte zwischen Teilen der Terro
Der Eingang zur oberen Wilhelmstraße ist für Rollstuhlfahrerin Ute Kober schwierig, denn in der Spalte zwischen Teilen der Terrorsperre blieb ihr Rollstuhl stecken. Das Problem möchte die Stadt schnell beheben. Foto: Stephan Zenke
Der Eingang zur oberen Wilhelmstraße ist für Rollstuhlfahrerin Ute Kober schwierig, denn in der Spalte zwischen Teilen der Terrorsperre blieb ihr Rollstuhl stecken. Das Problem möchte die Stadt schnell beheben.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. »Die Stadt Reutlingen sollte mal Behinderte auf den Weihnachtsmarkt einladen«, wünscht sich Rollstuhlfahrerin Ute Kober aus St. Johann-Gächingen nach ihrem Besuch. Denn die 65 Jahre alte Dame hatte mit ihrem Elektro-Rolli erhebliche Probleme, wie sie dem GEA vorführt. Vor lauter Terrorsperren, Betonblöcken und anderen Sicherheitsmaßnahmen fällt es ihr schwer, hinein- und hinauszurollen. Der Behindertenbeauftragte der Stadt, Michael Embery, sieht die Probleme und verspricht rasche Lösungen.

»Aus dem Nikolausdorf komme ich nicht mehr raus. Der Rollstuhl ist zu breit für die schmale Passage neben der hochgeklappten Barriere. Daneben droht der Abgrund«, zeigt sie vor Ort, »da habe ich mich wie gefangen gefühlt«. Also musste sie wieder umdrehen, auf der anderen Seite lediglich einen erhabenen Kabelkanal überwinden, um sich schließlich vorbei an abgestellten Rädern und Rollern mühsam in Richtung Wilhelmstraße zu bewegen.

Das ist leider in diesem Jahr so, sagt der Behindertenbeauftragte Embery auf GEA-Nachfrage. Der Eingang zum Nikolausdorf direkt am Fußgängerüberweg bei der Apotheke sei auch der Ausgang. Auf der anderen Seite in Richtung Wilhelmstraße sei am Tor schlichtweg kein Platz. »In den nächsten Jahren soll es mehr Möglichkeiten geben«.

Rollstuhlfahrerin Ute Kober zeigt, wie für sie der Weg aus dem Reutlinger Nikolausdorf an einer Terrorsperre unmöglich ist: Zu s
Rollstuhlfahrerin Ute Kober zeigt, wie für sie der Weg aus dem Reutlinger Nikolausdorf an einer Terrorsperre unmöglich ist: Zu schmal für den Rollstuhl und daneben ein Abgrund. Foto: Stephan Zenke
Rollstuhlfahrerin Ute Kober zeigt, wie für sie der Weg aus dem Reutlinger Nikolausdorf an einer Terrorsperre unmöglich ist: Zu schmal für den Rollstuhl und daneben ein Abgrund.
Foto: Stephan Zenke

Doch auch beim Eingang zur Fußgängerzone droht aktuell noch Ungemach. Wieder eine Terrorsperre, diesmal eigentlich breit genug, aber dennoch kritisch. »Ich habe gelernt, Hindernisse rückwärts hochzufahren, kann aber meinen Hals nicht mehr so weit drehen«. Mit solch eingeschränkten Aussichten rutschte ein Rad von Ute Kobers Rollstuhl exakt in die Spalte zwischen zwei Teilen der Sperre, »da bin ich fast umgekippt und habe Panik gekriegt«. Weil sie den Großteil ihres Lebens nicht im Rollstuhl unterwegs gewesen ist, fallen ihr solche Beschwernisse besonders auf. »Es ist traurig, wenn man immer ausgegrenzt wird«.

»Die Lücke wird zügig geschlossen«

Direkt nach der GEA-Anfrage hat sich der Behindertenbeauftragte die Situation persönlich angeschaut. »Der V-förmige Schlitz an der oberen Wilhelmstraße entsteht durch eine Bodenungleichheit. Dadurch liegen die Rampenelemente nicht plan nebeneinander«, analysiert Embery, »gemeinsam mit den Technischen Betriebsdiensten der Stadt Reutlingen wird die Lücke zügig geschlossen«.

Insgesamt zeigt sich Embery »dankbar für solche Rückmeldungen. Manches Problem der Barrierefreiheit entdeckt man erst, wenn aufgebaut worden ist«. Wie sehr der Weihnachtsmarkt und das Nikolausdorf zugebaut sind, ist dem Mann wohl bewusst. »Es ist schade, dass man Märkte heutzutage wie Festungen absichern muss.« Als Reaktion auf die Erfahrungen von Ute Kober werde seine Abteilung demnächst »einen Plan veröffentlichen, auf dem man sehen kann, wo Rollstuhlfahrer keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang haben«. Abrufbar in naher Zukunft bei der Stadt im Internet. (GEA)
https://www.reutlingen.de/inklusiv