REUTLINGEN. Die Linken und die PARTEI, im Reutlinger Gemeinderat auch zu einer Fraktion vereint, lassen nicht locker: Sie wollen den »Zero Emission Logistic Terminal« auf dem ehemaligen Reutlinger Güterbahnhof-Areal verwirklicht sehen. Der über lange Jahre unter der Achalm gehypte moderne Güterumschlagplatz von der Straße auf die Schiene, kurz ZELT genannt, ist, wie berichtet, von der Verwaltung ziemlich sang- und klanglos aufs Abstellgleis gestellt worden.
»Bis auf Weiteres verzichten wir auf ZELT«, verkündete Finanz- und Wirtschaftsbürgermeister Roland Wintzen im Juli bei der Vorstellung eines Projekts, das für den Betrieb des Regional-Stadtbahn Neckar-Alb unerlässlich ist: der Betriebshof, in dem die Bahnen gepflegt, gewartet und repariert werden sollen. Der Standort-Suchlauf mündete just im Areal an der Sondelfinger Straße.
Linke fordern weitere Prüfungen
Sodann will man der Reutlinger Rohstoffverwertung (RVR), die dort bereits seit über 30 Jahren ansässig ist, auf dem Areal Entwicklungsmöglichkeiten und einen Gleisanschluss ermöglichen. Damit wäre das Flächenpotenzial auf dem Gelände zumindest nach aktuellem Planungsstand laut Verwaltungsdarstellung ausgeschöpft.
»Wir unterstützen ZELT weiter«, sagen die Gemeinderäte Rüdiger Weckmann (Linke) und Timo Widmaier (PARTEI) im Pressegespräch. Man ist auch der Meinung, dass alle drei Projekte auf dem Gelände Platz finden. »Wir wollen, dass das geprüft wird.« Recycling und Verkehr passten gut zusammen: Alle drei Vorhaben dienten der Einhaltung der Klimaschutzziele. Auch für das nahe Industrie-Areal RT-unlimited sieht man einen Mehrwert.
Dass alle drei Projekte nicht vereinbar seien, diese Aussage ist auch nach Kenntnisstand von Thomas Ziegler »technisch nicht haltbar«. Der ehemalige Reutlinger Stadt- und Kreisrat sitzt für die Linke im Regionalverband und ist dort unter anderem mit dem Thema Stadtbahn betraut. »Die aktuelle Planung des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb bringt ZELT unter«, behauptet Thomas Ziegler. Die Hoffnung nährt eine im Netz anzuschauende Grafik des Zweckverbandes, die tatsächlich alle drei Projekte eingezeichnet zeigt. Auch im Regionalplan sei ZELT weiter enthalten.
Das Land setze auf solche Kombi-Verkehrsterminals, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Das im Jahr 2020 vorgelegte »Güterverkehrskonzept« weise den Weg. »Wir haben eine landesweite Priorisierung solcher Projekte. Die kann man nicht einfach beerdigen.« Ziegler und seine Mitstreiter wundern sich daher über den städtischen Umgang mit dem Thema.
Regionalverband überlässt Stadt Priorisierung
Gab's da etwas mehr Abgesang auf das einstige Vorzeigeprojekt ZELT als angebracht? Die Planungen zum Betriebshof der Stadtbahn sehen vor, dass alle drei Nutzungen auf dem Gelände funktionieren können, bestätigt der Regionalverband auf Nachfrage. »Auf regionalplanerischer Ebene ist uns wichtig, dass auf der genannten Fläche kombinierter Verkehr stattfinden kann, was nach wie vor der Fall ist.« Dazu gebe es auch eine entsprechende Festlegung im Regionalplan. Die Priorisierung der Projekte obliege allerdings der Stadt Reutlingen.
Der Geschäftsführer des Stadtbahn-Zweckverbands, Professor Dr. Tobias Bernecker, bestätigt diese Ausführungen auf Nachfrage. Der Stadtbahnbetriebshof nehme die für ZELT vorgegebene Teilfläche des ehemaligen Güterbahnhof-Areals nicht in Anspruch. Auch der geplante RVR-Gleisanschluss sei planerisch zusätzlich zu Betriebshof und ZELT möglich. »Eine andere Frage ist es hingegen, ob ZELT und Gleisanschluss RVR auf der Fläche beide auch wirtschaftlich betrieben werden können.« Dies sei die Frage gewesen, die Stadtverwaltung und Gemeinderat bewertet hätten, mit dem Ergebnis, ZELT vorläufig zurückzustellen und die Entwicklung des Vorhabens Gleisanschluss abzuwarten.
Die Linke/PARTEI sind nicht die Einzigen, die das ZELT-Projekt vermissen würden. Auch die WiR-Fraktion sähe das Projekt gern verwirklicht. Sie hatte die Verwaltung im Nachgang zur Ratssitzung im Juli aufgefordert, detailliert die Kosten zu beziffern, die für Planungen des Güterumschlagplatzes, Gutachten et cetera entstanden seien. Eine knappe Million Euro, ein Drittel davon gefördert vom Land, gingen dahin. Was nicht nur die WiR'ler grämt. Die CDU-Fraktion hatte nicht wie WiR und AfD gegen den städtischen Vorschlag gestimmt, sich aber in der Abstimmung zum Betriebshof enthalten, weil man noch zu viele offene Fragen sah. (GEA)

