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Reutlinger Kamino jetzt mit zweitem Kinosaal am Start

Gleich einen doppelten Grund zu feiern hat das Reutlinger Programmkino Kamino: Es wird zehn Jahre alt und der zweite Kinosaal ist fertiggestellt. Film ab!

Der zweite Kinosaal im Kamino war 2025 mit einer kleinen Feierstunde eingeweiht worden.
Der zweite Kinosaal im Kamino war 2025 mit einer kleinen Feierstunde eingeweiht worden. Foto: Anja Weiß
Der zweite Kinosaal im Kamino war 2025 mit einer kleinen Feierstunde eingeweiht worden.
Foto: Anja Weiß

REUTLINGEN. Experiment geglückt: Vor zehn Jahren hat das Reutlinger Programmkino auf dem Wendler-Areal eröffnet. Ein Wagnis in Zeiten, in denen der Fortbestand des Kinos im Allgemeinen infrage gestellt wird - so manch einer hörte angesichts der Streaming-Konkurrenz schon das Totenglöcklein für die Lichtspielhäuser läuten. »Aber das Kino lebt«, sagte Reiner Hoff vom Landesverband kommunaler Kinos bei der Einweihung des zweiten Saals im Kamino am Freitag. Landesweit seien die Zahlen der Kino-Standorte stabil: 131 gibt es in Baden-Württemberg, die Bandbreite reicht vom Nebensaal einer Gaststätte bis zum Multiplex-Center mit mehreren Sälen.

Reutlingen habe durchaus den Ruf einer Kinostadt, erläuterte der Filmkenner vom Verband. »Bereits 1896 gab es in der Stadt die erste Filmvorführung«, so Hoff, ab den 1970er-Jahren gab es mehrere Kinos. Übrig geblieben sei davon Anfang der 200er-Jahre jedoch nur eines, nachdem Kali und Bundeshalle den Betrieb einstellten. »Es fehlten Segmente im Kinoangebot«, sagt Hoff. Lücken, die das Kamino mit seinem Programm abseits des Mainstreams schließen wollte und konnte.

»Ziel war es, einen Ort der Cineastik zu schaffen«

Auch in einem anderem Bereich ist das Reutlinger Kamino etwas ganz besonderes: Hat es doch die für Lichtspielhäuser seltene Organisationsform der Genossenschaft. Nur in Bad Waldsee und Aalen gibt es Kinos, die ebenfalls genossenschaftlich betrieben werden. Bevor es so weit war, gab es auch in Reutlingen längere Diskussionen darüber, blickte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Ulrich Bausch zurück. Die Entscheidung für die Genossenschaftsform sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor gewesen, ist er überzeugt. »Im Dezember 2013 war die Gründungsversammlung, Ziel war es, einen Ort der Cineastik zu schaffen, mit einem anspruchsvollen Programm, welches sich auch als Bildungsauftrag versteht und in enger Kooperation mit anderen Kulturträgern entwickelt wird.«

Freude über den zweiten Kinosaal im zehnten Jahr des Bestehens: Geschäftsführer Hasan Ugur, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Ulrich
Freude über den zweiten Kinosaal im zehnten Jahr des Bestehens: Geschäftsführer Hasan Ugur, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Ulrich Bausch, die Vorstandsmitglieder Klaus Kupke und Susanne Mayer-Hagmann. Foto: Anja Weiß
Freude über den zweiten Kinosaal im zehnten Jahr des Bestehens: Geschäftsführer Hasan Ugur, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Ulrich Bausch, die Vorstandsmitglieder Klaus Kupke und Susanne Mayer-Hagmann.
Foto: Anja Weiß

Was die Besucherzahlen betrifft, hat das Kamino in diesem Jahr einen Rekord erzielt, wie Geschäftsführer Hasan Ugur stolz verkünden konnte. »Erstmals haben wir mehr als 30.000 erreicht.« Der zweite Saal ist ein lang gehegter Traum, der nun in Erfüllung geht und der dem Kino weitere Perspektiven eröffnet. So könne man eine breitere Auswahl treffen und auch mal Filme zeigen, auf die man mit nur einem Saal verzichten müsste.

»Wir sind in unserer Stadt bestens verankert«

Die Genossenschaft hat heute 900 Mitglieder. »Das ist ein stabiles Fundament - wir sind in unserer Stadt bestens verankert«, sagt Bausch. Die Entscheidung für den zweiten Kinosaal ist mit großer Mehrheit getroffen worden, berichtete Klaus Kupke, Kamino-Vorstand und Mitstreiter der ersten Stunde. 131 Genossen haben an der Sitzung im April 2024 dafür gestimmt, acht haben sich enthalten und nur einer stimmte mit nein. Damit war der Weg frei für den zweiten Saal und die Umsetzung wurde unglaublich schnell realisiert. »Im März haben wir den Bauantrag gestellt und jetzt feiern wir schon Einweihung«, freute sich Architekt Tilman Eder, der bereits das Kino geplant hatte.

Tag der offenen Tür im Kamino

Das Kamino lädt für Samstag, 6. Dezember, von 14 bis 18 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Anlass ist die Eröffnung des zweiten Kinosaals mit 55 Plätzen, der nach einer Bauzeit von neun Monaten fertiggestellt wurde. Im Kinosaal 2 gibt es alle halbe Stunde Ausschnitte von ausgewählten neuen Filmen im Dezember zu sehen. Neben der Präsentation des neuen Kinosaals wird das Kamino-Team vor Ort sein. Die Veranstaltung ist für alle offen – von Cineasten bis zum Erstbesucher.

Ab Sonntag, 7. Dezember, beginnt der Spielbetrieb im zweiten Saal mit den Filmen Zweitland um 16.30 und Eternity um 19 Uhr. Hier gelten die regulären Eintrittspreise. (GEA)

55 Plätze hat der zweite Saal, die Kosten liegen bei rund 330.000 Euro. Finanziert wurde er zum einen durch beträchtliche Eigenmittel: 100.000 Euro stammen aus Rücklagen und 40.000 Euro von neuen Anteilen, die die Genossen gezeichnet haben. Die Filmförderanstalt hat 131.000 Euro zugeschossen, es gab Spenden und das Kino hat für den Rest einen Kredit aufgenommen. Die Bürgerstiftung hat die Kinosessel im Wert von 20.000 Euro bezahlt. »Es gab nie eine Diskussion, ob wir das Kamino unterstützen«, betonte Hans Hammann von der Bürgerstiftung. Unklar war zunächst nur die Höhe der Förderung. »Dieses Kino ist ein kulturelles Juwel«, so Hammann, und damit immer wert, ihm finanziell unter die Arme zu greifen.

»Dieses Kino ist ein kulturelles Juwel«

Anke Bächtiger, Kulturamtsleiterin der Stadt, überbrachte nicht nur herzliche Glückwünsche, sondern auch die frohe Kunde, dass die Zuschüsse der Stadt für das kommunale Kino trotz aller Finanznöte im nächsten Haushalt nicht gekürzt würden - was für spontanen Applaus bei den Gästen sorgte. Rund 20.000 Euro Förderung gibt es jedes Jahr plus 10.000 Euro zweckgebunden für das Open-Air-Kino. Belohnt werden damit auch die Tatkraft und der Mut der Kinobetreiber, die es in solch unsicheren Zeiten wagen, einen zweiten Saal zu eröffnen. Angefangen habe die Erfolgsgeschichte Kamino mit einer guten Idee, sagt Bächtiger, und dann seien auch noch die richtigen Menschen zusammengekommen, um diese umzusetzen.

Die geladenen Gäste hatten nach der offiziellen Feierstunde Gelegenheit, sich von der Qualität des neuen Kinosaals zu überzeugen. Gezeigt wurden drei unterhaltsame Kurzfilme. Die Öffentlichkeit kann sich ab Samstag, 6. Dezember, ein Bild von dem erweiterten Programmkino machen. (GEA)