REUTLINGEN. Zum Jahresende kommt nochmal viel Schwung ins Personalkarusell der GWG Reutlingen: Geschäftsführer Ralf Güthert soll seinen Posten räumen. Das hat der GEA aus gesicherten Quellen erfahren. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft und stimmt über Gütherts sofortige Abberufung ab. Oberbürgermeister Thomas Keck, seines Zeichens Aufsichtsratsvorsitzender, und seine Stellvertreterinnen wollen nach GEA-Informationen so einen Neuanfang in der Geschäftsführung der GWG herbeiführen. Kecks Stellvertreterinnen sind Gabriele Gaiser, die Fraktionsvorsitzende der CDU, und Gabriele Janz, die Fraktionsvorsitzende der Grünen und Unabhängigen.
Sollte der Aufsichtsrat der Abberufung am Freitag zustimmen, würde Gütherts Arbeitsvertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt. Er soll dann sofort von seinen Tätigkeiten freigestellt werden. Die beidseitige Kündigungsfrist beträgt eigentlich zwölf Monate. Man will offenbar aber versuchen, einvernehmlich zu einem schnelleren Ende zu kommen und strebt einen Aufhebungsvertrag an. Güthert ist seit 2008 auf diesem Posten. Zudem ist er Geschäftsführer bei der Wohnungsgenossenschaft Reutlingen (WGR), bei der Heizwerkbetriebsgesellschaft Reutlingen (HGB) und bei der Stiftung Jugendwerk. Auch diese Posten soll er nach GEA-Informationen räumen.
Kurzfristige Nachfolge ist schon geklärt
Gütherts kurzfristige Nachfolge ist schon geklärt: Ebenfalls am Freitag soll der Aufsichtsrat nach GEA-Informationen über einen Interims-Geschäftsführer abstimmen, der ein Jahr lang im Amt sein soll. Und dieser soll - wenn es nach Aufsichtsratchef Keck geht - kein geringerer sein als Bruno Ruess. Der 69-Jährige hatte 2021 als unabhängiger Berater im Auftrag der Stadt den »Ist-Zustand« der GWG analysiert. In einer Gemeinderatssitzung damals verkündete OB Thomas Keck, dass die GWG Mitte 2022 so aufgestellt sein solle, »dass das Unternehmen sowohl der Erfüllung des öffentlichen Zwecks als auch ihrer wirtschaftlichen Betätigung gerecht werden kann«. Vor allem die Grünen und Unabhängigen und die Linken fordern seit langem mehr Sozialwohnungen in Reutlingen. Ist Güthert an nicht erfüllten Erwartungen gescheitert? Von der Stadt war im Vorfeld der Aufsichtsratsitzung kein Statement zu bekommen.
Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Im August 2020 war bekannt geworden, dass sich die GWG nach einem Beschluss des Aufsichtsrats von ihrem technischen Geschäftsführer Klaus Kessler getrennt hatte. Auch damals war die Abberufung »mit sofortiger Wirkung« erfolgt. Kessler hatte daraufhin den Rechtsweg eingeschlagen und gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geklagt. Nach GEA-Informationen ist immerhin die bislang vakante Stelle des technischen Geschäftsführers von Februar 2024 an wieder besetzt, auch wenn Güthert am Freitag tatsächlich abberufen werden sollte. Dann beginnt nämlich Lars Grüttner, bislang Bereichsleiter Bau/Technik und Prokurist bei der GWG Stuttgart, seinen neuen Job in Reutlingen. (GEA)

