Logo
Aktuell Flüchtlinge

Reutlinger Eros-Arena noch immer nicht bezugsfertig

Die Eros-Arena in der Albstraße soll zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden, steht aber noch immer leer. Der Landkreis erklärt, weshalb und wie die Lage ist.

Die einstige Eros-Arena wird weiter umgebaut. Sie soll irgendwann zur vorläufigen Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden.
Die einstige Eros-Arena wird weiter umgebaut. Sie soll irgendwann zur vorläufigen Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden. Foto: Frank Pieth
Die einstige Eros-Arena wird weiter umgebaut. Sie soll irgendwann zur vorläufigen Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Überregional in die Schlagzeilen geschafft hat es die Eros-Arena Anfang 2024, als bekannt wurde, dass das leerstehende Bordell zur Erstunterkunft für Flüchtlinge werden soll. Die Platznot war groß zu diesem Zeitpunkt. Dem Landkreis wurden mehr Flüchtlinge zugewiesen, als es Wohnraum gab. Das Gebäudemanagement des Landkreises war händeringend auf der Suche nach geeigneten Mietobjekten, fündig wurde man beispielsweise in leerstehenden Hotels, aber auch dem Etablissement in der Albstraße, das mit seinem Betrieb kurz zuvor nach Betzingen umgezogen war.

Bis zu 170 Personen könnten dort auf lange Sicht unterkommen, so war die Schätzung des Landkreises. Kurzfristig sollte das Obergeschoss für 60 bis 70 Personen umgebaut und renoviert werden. Mehrere Wochen bis mehrere Monate könnte dies dauern, so die damaligen Berechnungen. Allerdings hat sich der Umbau deutlich mehr in die Länge gezogen - nach wie vor sind dort keine Flüchtlinge untergebracht. Zwar biete das Objekt Vorteile als vorläufige Unterkunft, etwa weil Küchenbereiche und Sanitärräume vorhanden sind, erklärt Daniel Stückle, Leiter des Kreisschul- und Kulturamtes, der auch für das Gebäudemanagement des Kreises verantwortlich ist, aber es ist weiterhin einiges zu tun.

LEA sorgt für weniger Zuweisungen

Wenn man im Bestand umbaue und saniere, tauchen mitunter Herausforderungen auf, die das Vorhaben verzögern, sagt Stückle. So muss man nach dem Brandschutz und Rettungswegen schauen, meist müssen wegen einer Nutzungsänderung auch Bauanträge gestellt werden. Und dann gilt es noch, Handwerker zu finden. Sprich: Oft dauert es länger, als im Vorfeld absehbar war. Um möglichst schnell viele Plätze zu schaffen, hat der Kreis 2024 »die Aufstockung der Plätze in der Roanner Straße sowie die Herrichtung der Unterkünfte in der Ferdinand-Lasalle-Straße und der Carl-Zeiss-Straße priorisiert vorgenommen«, schreibt die Pressestelle des Landkreises auf Nachfrage des GEA. Die Unterkunft in der Carl-Zeiss-Straße wird seit Dezember vom Land als Erstaufnahmeeinrichtung (LEA) betrieben.

Eine Gute Nachricht ist außerdem, dass sich die Lage in Sachen Unterbringung von Flüchtlingen im Lauf des vergangenen Jahres entspannt hat. Waren von Januar bis Mai dieses Jahres 217 Zugänge zu verzeichnen, waren es im Vorjahresraum mit 439 mehr als doppelt so viele. Insgesamt wurden im Jahr 2024 im Kreis Reutlingen 1.106 Flüchtlinge aufgenommen, 2023 waren es 2.107, ähnlich viele wie 2022. Das heißt, der Kreis kann momentan ein wenig durchatmen und muss nicht mehr ganz so schnell agieren wie in den Vorjahren. Und wegen der LEA in Betzingen bekommt der Kreis ein sogenanntes »Privileg« - ihm werden 15 Prozent weniger Flüchtlinge zugewiesen. Das Amt für Migration und Integration zeigt an einem Beispiel auf, was dies in Zahlen ausgedrückt bedeutet: »Im laufenden Monat hätte der Landkreis Reutlingen zwei Geflüchtete mehr aufnehmen müssen, gäbe es die Landeseinrichtung nicht. Das Privileg wird an die Stadt Reutlingen 1 zu 1 in absoluten Zahlen weitergegeben. Im laufenden Monat muss die Stadt Reutlingen daher auch zwei Personen weniger aufnehmen.«

Entwicklungen nur schwer abschätzbar

Trotz der zurückgehenden Zahlen will der Kreis »einen Grundstock« an Unterkünften aufbauen und diesen auch halten, denn, das zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre: »Eine lineare Planung ist nicht möglich«, so Stückle. Ähnlich sieht die Einschätzung des Amts für Migration und Integration aus, das per Mail mitteilt: »Die Auswirkungen durch auswärtige Krisen und Kriege, beispielsweise in der Ukraine, sind für den Landkreis nicht abzuschätzen. Im Bereich der Aufnahme von Geflüchteten muss stets mit schnellen und außerordentlichen Entwicklungen gerechnet werden.« Indem man Gebäude vorhalte, könne man sich strategisch aufstellen, erklärt Stückle. »So können wir bei Bedarf schnell reagieren.« Ziel sei, dass auch in Krisensituationen keine Hallen mehr belegt werden müssen, so Stückle. Von denen besitzt der Kreis ohnehin nur wenige, nämlich die an den beruflichen Schulen. Alle anderen sind im Besitz der Kommunen.

Zudem wird die Fläche pro Bewohner bis Ende 2026 wieder auf 7 Quadratmeter erhöht. Wegen der hohen Zahl von Flüchtlingen hatte das Land diese Zahl vorübergehend auf 4,5 Quadratmeter abgesenkt. Sprich: Es werden wieder mehr Unterkünfte benötigt, für die gleiche Anzahl an Personen.

34 Unterkünfte vom Landkreis

Derzeit hat der Kreis 34 Unterkünfte, die für die vorläufige Unterbringung genutzt werden - verteilt sind sie über das ganze Kreisgebiet. Darin sind rund 930 Personen untergebracht, die meisten aus der Türkei (277), gefolgt von Syrien (145), Afghanistan (113), Kamerun (87) und der Ukraine (82). Die Mietdauer der Unterkünfte liege zwischen drei und zehn Jahren, sagt Stückle, das Gebäude in der Albstraße wurde für fünf Jahre angemietet. Die Unterkunft solle auch noch fertiggestellt werden, heißt es aus dem Landratsamt, da »sie für zukünftige Planungen einkalkuliert ist«. Die Kosten der Unterbringung und Betreuung in der vorläufigen Unterbringung werden durch das Land ausgeglichen. (GEA)