REUTLINGEN. Um das Leuchtturmprojekt Reutlinger Biosphären-Manufaktur ist es still geworden. Seit die mit der Realisierung befasste Bürgergenossenschaft nach den Sternen greift – sprich nach der Breuninger-Immobilie am Marktplatz – scheint die Umsetzung in weite Ferne gerückt zu sein.
Wie laufen die Verhandlungen mit dem Modeunternehmen? Auf Nachfrage will Reiner App von den »Köpfen für Reutlingen« nichts sagen. Auch von weiteren Events in der prominenten Immobilie am Marktplatz ist nichts zu hören. Die fürs erste Halbjahr 2025 von App angekündigten »Pop-up-Manufakturen« im Gebäude zogen nicht ein. Lediglich die Gründungsmesse brachte im März reichlich Leben in die Immobilie.
»Es ist ja noch nicht zweite Jahreshälfte«, sagt App. Er führt die Größe des Projekts ins Feld, spricht von einem »Flugzeugträger in der Innenstadt« und einer »komplexen Lage«. Auf der Website der Genossen prangt weiter das erklärte Ziel: »2. Halbjahr 2025: Eröffnung der Biosphären-Manufaktur – ein ehrgeiziges Ziel, für das wir kämpfen!«
»Entscheidungsprozess zeitnah zu Ende bringen «
Derweil ist der zunächst favorisierte Standort der Manufaktur in der Metzgerstraße 59 (M59) auf ImmoScout 24 ab 1. September wieder zur Vermietung ausgeschrieben. Die Stadt hatte die über 400 Quadratmeter große Immobilie im November 2023 befristet angemietet.
Für die (noch in Gründung begriffene) Genossenschaft und ihr Manufakturvorhaben ist die Location im Moment weniger bedeutsam. Man trifft sich dort nur einmal die Woche zum Jour fixe.
Ohne Standort steht aber auch das Netzwerk Kultur da, das im März von der Wilhelmstraße (W109) in die Parallelstraße umgezogen war und seitdem die Immobilie mit Ausstellungen, Musik und Workshops belebt.
Man hänge nun wieder in der Luft, klagen Edith Koschwitz und Gerhard Loew. Zudem steht am 27. September die »Kulturnacht« an und die Netzwerker würden die Räumlichkeiten wenigstens bis dahin gern als Organisationszentrale und Eventlocation behalten. Edith Koschwitz hatte sich an Breuninger gewandt, um am Veranstaltungswochenende zwei Tage das Erdgeschoss des ehemaligen Modehauses am Marktplatz nutzen zu dürfen, erhielt aber eine Absage.
Auch für die Zeit danach habe die Stadt ihnen bisher keine Alternative angeboten und nur geraten, sich doch mal mit der Eigentümerin der ehemaligen Fridi-Unverpackt-Räumlichkeiten am Weibermarkt in Verbindung zu setzen. Neben überschaubaren Mitgliedsbeiträgen generiert der kleine Verein Einnahmen nur durch Getränkeverkauf und umherkreisende Hüte bei seinen Veranstaltungen: Man hat also keinerlei finanzielle Substanz, um Miete zu bezahlen.
Auf Vermieterseite bestätigt Nadine Kunz von Arcadia Reutlingen auf GEA-Nachfrage die Neuvermietabsichten für die Metzgerstraße. Zugleich lässt sie aber wissen, dass die Zukunft der M59 »derzeit noch offen« sei. Die Akteure Manufakturenhalle befänden sich aktuell »in der finalen Abstimmung« über ihren künftigen Standort – ob dieser weiterhin in der M59 oder in der »Breuninger-Fläche« liegen werde, sei derzeit noch nicht entschieden.
In Sachen Kulturnacht habe es Gespräche mit der Stadt gegeben. »Wir würden uns freuen, der Kulturnacht die M59 zur Verfügung zu stellen.« Dies hänge jedoch stark von der weiteren Flächennutzung ab. Sollte bereits ein neuer Mietvertrag bestehen oder Umbauarbeiten anstehen, müsse eine Zwischennutzung für das Kulturevent im Detail besprochen werden.
Die Stadt lässt auf Nachfrage verlauten, man werde das Netzwerk Kultur bei der Suche nach einem Standort bis nach der Kulturnacht unterstützen. Zu den Breuningerverhandlungen in Sachen Manufakturenhalle lässt man sich indes nicht aus. »Kein neuer Sachstand«, so die Botschaft. Wenn Ende August der Mietvertrag für die M59 auslaufe, ende auch die ZIZ-Förderung für das Projekt. Man erinnert daran, dass die Anmietung seitens der Stadt von Beginn an zeitlich befristet angelegt war, »um dem Projekt Biosphären-Manufaktur über das Bundes-Förderprogramm ZIZ eine Anschub-Finanzierung zu ermöglichen«. Die Genossenschaft habe die Option gehabt, den Mietvertrag auf eigene Rechnung zu verlängern. Was nicht geschehen sei.
Die Genossenschaft entscheide selbst über den endgültigen Standort der Manufaktur, heißt es weiter. Sie sei mit dem Eigentümer der M59 so verblieben, dass die Immobilie nun in die Vermarktung gehe und die Genossenschaft ihren Entscheidungsprozess in Sachen Standort »zeitnah zu Ende bringt«. Anschließend werde man sich wieder zusammensetzen, um zu schauen, ob das Projekt in der M59 weitergeführt werden kann.
War die M59 nur ein fruchtloses Intermezzo, das viel Geld gekostet hat? Auf ImmoScout 24 sind gut 7.000 Euro Monatsmiete genannt. Die Beteiligten schweigen sich aus, wie die Konditionen für die 21 Monate Zwischenmiete waren. Die Stadt lässt nur wissen, dass sie zu 90-Prozent ZIZ-gefördert seien. Dies gelte auch für die baulichen Maßnahmen in Höhe von 7.100 Euro. (GEA)

