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Reutlinger Bahnhof-Sanierung: Bahn plant Supermarkt

Die Deutsche Bahn steckt fünf Millionen Euro in die Sanierung von Bahnhofsgebäude und Expressguthalle in Reutlingen. In der Empfangshalle ist ein Supermarkt geplant.

Das Bahnhofsgebäude samt Expressguthalle werden auf den neuesten Stand gebracht. Rund fünf Millionen Euro investiert die Deutsch
Das Bahnhofsgebäude samt Expressguthalle werden auf den neuesten Stand gebracht. Rund fünf Millionen Euro investiert die Deutsche Bahn. Foto: Carola Eissler
Das Bahnhofsgebäude samt Expressguthalle werden auf den neuesten Stand gebracht. Rund fünf Millionen Euro investiert die Deutsche Bahn.
Foto: Carola Eissler

REUTLINGEN. Der Reutlinger Hauptbahnhof ist nicht gerade ein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Die Empfangshalle ist trist und bietet Reisenden weder Komfort noch eine Wohlfühlatmosphäre. Die Bahnsteige und die Unterführung wirken wenig einladend. Auch das Gebäude selbst ist in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den aktuellen Energiestandards. Dies alles soll sich jetzt ändern. Die Deutsche Bahn hat im Juli mit den Sanierungsarbeiten begonnen, das gesamte Bahnhofsgebäude ist derzeit eingerüstet. Bis Ende 2026 dauern die Arbeiten, bis dahin müssen die Reisenden noch einige Einschränkungen während der Sanierungsarbeiten hinnehmen. 3,4 Millionen Euro steckt die Deutsche Bahn in den Reutlinger Hauptbahnhof, vom Bund kommen nochmals 1,5 Millionen Euro im Rahmen des Bundesmittelförderprogramms, das barrierefreie und attraktive Bahnhöfe fördert. Es fließen also knapp fünf Millionen Euro in das Sanierungsprojekt.

Moderne Empfangshalle und Gastronomie

Neue Dachdeckungen, Photovoltaikanlagen, neue Fenster, eine komplett modernisierte Empfangshalle, eine neue Außentreppe mit Rampe und vieles mehr steht auf dem Sanierungsprogramm für die nächsten Monate. Zudem werden die Vermarktungsflächen für Einzelhandel und Gastronomie erneuert, und auch ein neues Wegeleitsystem samt neuer Fahrgastanzeige soll den Reisenden und Pendlern in Zukunft die Nutzung der Bahn erleichtern. Zwei Flächen im Empfangsgebäude werden für eine neue Nutzung vorbereitet, ein Supermarkt soll künftig »längere Öffnungszeiten und bessere Einkaufsmöglichkeiten bieten«, wie eine Bahnsprecherin auf GEA-Anfrage betont. Zu möglichen gastronomischen Angeboten laufen noch Gespräche mit Interessenten, so die Sprecherin. In diesem Jahr wird an der Fassade gearbeitet, der Innenausbau der Empfangshalle samt Einrichtung von Supermarkt und Gastronomie soll Anfang 2026 beginnen.

In den nächsten Monaten, während der Sanierungsphase, müssen die Pendler allerdings mit einigen Einschränkungen rechnen, wie die Deutsche Bahn mitteilt. Noch ist die Empfangshalle an dem komplett eingerüsteten Bahnhofsgebäude geöffnet, soll aber, je nach Bauphase, zeitweise geschlossen werden. Die Zugänge auf die Gleise erfolgen dann über die südliche Giebelseite des Empfangsgebäudes und über die nördliche Giebelseite der Expressguthalle.

bwegt-Fahrgastcenter ab Frühjahr 2026

Den Innenausbau des geplanten bwegt-Centers in der Expressguthalle setzt der Betreiber eigenverantwortlich um, die Eröffnung ist für das Frühjahr 2026 vorgesehen. Denn die DB-Reisezentren werden in Baden-Württemberg zu bwegt-Fahrgastcentern. Ab Herbst übernimmt Transdev-Vertrieb Beratung und Verkauf für Bahntickets. In der Übergangszeit bleiben die stationären Beratungs- und Verkaufsstellen für mehrere Wochen zu, wie das Verkehrsministerium Baden-Württemberg mitteilt. Tickets können dann online oder an den Automaten gekauft werden.

Komplett eingerüstet ist derzeit das Bahnhofsgebäude in Reutlingen. Alles soll moderner und schöner werden, verspricht die Deuts
Komplett eingerüstet ist derzeit das Bahnhofsgebäude in Reutlingen. Alles soll moderner und schöner werden, verspricht die Deutsche Bahn. Foto: Carola Eissler
Komplett eingerüstet ist derzeit das Bahnhofsgebäude in Reutlingen. Alles soll moderner und schöner werden, verspricht die Deutsche Bahn.
Foto: Carola Eissler

Wie das Verkehrsministerium mitteilt, ist der Plan für Reutlingen, am 13. Dezember letztmals direkt im Bahnhofgebäude das DB-Center zu öffnen. Wegen der Bauarbeiten wird das neue bwegt-Center zunächst an einem Ausweichstandort eröffnen, und zwar bereits ab 8. Dezember in der Bahnhofstraße 2, etwa 150 Meter vom Bahnhof entfernt. Erst nach Abschluss der Bauarbeiten wird das bwegt-Center dann voraussichtlich im Frühjahr 2026 ins Bahnhofsgebäude ziehen. Während der gesamten Umstellungsphase verspricht die Deutsche Bahn den Einsatz von speziell geschultem Personal, das beim Ticketkauf an Automaten oder im DB-Navigator hilft. Auch in Reutlingen soll es diese zusätzlichen Ticket-Guides geben.

Vorbereitung auf die Regional-Stadtbahn

In Reutlingen und zudem am Bahnhof Sondelfingen stehen in naher Zukunft dann Bahnsteig-Umbauten im Rahmen des Bahnhofmodernisierungsprogramms II ( BMP II) an. Schon im März 2023 hatte der Reutlinger Gemeinderat beschlossen, sich daran zu beteiligen. Das Bahnhofsmodernisierungsprogramm (BMP) II ist ein gemeinsames Programm des Landes Baden-Württemberg und der Deutschen Bahn. Die Federführung für die Planung und Umsetzung der im Rahmen des BMP II an den einzelnen Bahnhöfen festgelegten Maßnahmen liegt bei der Infrastrukturtochter der DB, der DB InfraGO.

Die Stadt Reutlingen hat mit der DB bereits die nötigen Verträge zu den Planungsleistungen abgeschlossen, Anfang dieses Jahres hat der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb diese Verträge von der Stadt Reutlingen als kommunaler Vertragspartner übernommen, wie eine Sprecherin des Zweckverbandes auf Anfrage bestätigt. Das BMP II sehe hier eine Kostenpauschale vor, die von der Bahnhofsgröße, das heißt von den täglich ein- und aussteigenden Personen, abhängig ist. Im Falle des Reutlinger Hauptbahnhofs beträgt der kommunale Kostenanteil an den Planungsleistungen demnach 375.000 Euro, beim kleineren Bahnhof in Sondelfingen sind es 150.000 Euro.

Verteilung der Kosten

Von den später entstehenden Kosten für die Ausführung der Baumaßnahmen hat die kommunale Seite einen Anteil von 20 Prozent der Gesamtkosten zu tragen; von diesen Kosten werden die oben genannten Pauschalen für die Planungsleistungen sogar noch abgezogen. Die übrigen 80 Prozent tragen Land und DB. Alle im Rahmen des BMP II entstehenden kommunalen Kosten werden über den solidarischen Finanzierungsschlüssel des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb zwischen den Verbandsmitgliedern aufgeteilt, heißt es beim Zweckverband. Die Fußgängerüberführung am Bahnhof Sondelfingen ist allerdings kein Teil der Bahnanlagen, dementsprechend liegt die Verantwortung für Planung und Umsetzung von baulichen Veränderungen an der Überführung vollständig bei der Stadt.

Bei den Umbaumaßnahmen geht es vor allem im Hinblick auf die zukünftige Regional-Stadtbahn um ein stufenfreies Einsteigen und um eine Aufwertung des gesamten Bahnhofs. So steht ein Neubau am Bahnsteig Gleis 1 auf einer Gesamtlänge von 325 Metern als Kombibahnsteig an, ebenso ist eine Aufhöhung des Bahnsteigs am Gleis 2/3 auf einer Gesamtlänge von 325 Metern geplant. Auch sollen nicht mehr benötigte Bahnsteigbereiche rückgebaut werden, am Bahnsteig 1 soll ein Glasdach für mehr Wetterschutz sorgen und auch die Beleuchtungsanlagen werden erneuert.

Rechnet man alles zusammen, von den Gebäudesanierungen, die jetzt begonnen haben, bis zu den Umbauten für Barrierefreiheit, fließen in den kommenden Monaten rund zehn Millionen Euro in den Bahnhof Reutlingen samt Sondelfingen. (GEA)