REUTLINGEN. Knödel, Rotkraut, Rinder- und Schweinebraten und für Vegetarier eine Lasagne, natürlich ohne Fleisch. So sah das Weihnachtsmenü am 24. Dezember im Reutlinger S-Haus aus. »Im Nepomuk waren es immer mehr Gäste«, sagte einer der Besucher mittags bei der Weihnachtsfeier der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Für 100 Besucher war gedeckt worden, gekommen sind etwa 80.
Und warum dieses Jahr im S-Haus und nicht im Nepomuk? »Die Küche im Nepomuk muss dringend saniert werden«, wusste er AWO-Vorsitzende Sebastian Weigle. Wie es mit dem einstigen Café in direkter Nachbarschaft zum franz.K weitergeht, sei schwer zu sagen. »Das gehört ja der Stadt«, so Weigle. Und die Stadt hat bekanntlich kein Geld. Deshalb in diesem Jahr der Umzug ins S-Haus – wo die Weihnachtsfeier der AWO 2026 ihren Platz findet, sei noch ungewiss.
Essen vom Restaurant Rebstöckle
Ein Wohnungsloser, der in der Notübernachtung ein Bett bekommen, besuchte die Feier der Arbeiterwohlfahrt am Mittwoch, »weil es draußen kalt ist. Aber auch wegen der Gemütlichkeit und Geselligkeit«. Die allermeisten Gäste kamen auch wegen des guten Essens, das vom Restaurant »Rebstöckle« zubereitet worden war.
Vier Plätze seien in der Notübernachtung noch frei – und abends gebe es die Reste vom mittäglichen Weihnachtsessen im S-Haus, wie Kilian Brauchle, AWO-Geschäftsführer, erklärte. Andere Besucher berichteten, sie seien ins S-Haus gekommen, weil sie »eh mit der AWO zu tun haben«. In der warmen Stube des S-Hauses war es deutlich angenehmer, als draußen vor der Tür bei eiskaltem, schneidendem Wind. Schön war es zudem, auch mal – wie in einem richtigen Restaurant – bedient zu werden, das Essen an den Tisch gebracht zu bekommen, mit freundlichen Worten und einem Lächeln.
Musik von Gery Rapatz
Für die musikalische Umrahmung der AWO-Weihnachtsfeier sorgte Gery Rapatz mit seiner Hammond-Orgel. Nach seiner Premiere im vergangenen Jahr sei er erneut angefragt worden, »und ich bin gern gekommen«, sagte der gebürtige Kärntner Profi-Musiker. Schon öfter und auch dieses Jahr wieder waren drei ehemalige Schüler der Merian-Realschule in Dußlingen als ehrenamtliche Helfer dabei. »Das muss einfach sein, ohne die Feier hier ist für uns nicht richtig Weihnachten«, sagte Marian Saur. In den vergangenen 18 Jahren konnten die einstigen Schüler nur einmal nicht helfen – »da hat was gefehlt«.
Insgesamt engagierten sich am Mittwoch rund 20 Haupt- und Ehrenamtliche der AWO in der S-Haus-Küche, beim Servieren – und auch beim Gutsle-Verteilen. Eine unglaublich große Zahl an Tütchen mit leckeren Plätzchen hatten die Bergfreunde aus Kirchentellinsfurt zur Verfügung gestellt. Dazu gab es von einem Strickkreis warme Handschuhe, Mützen und Schals.
OB besuchte Ehrenamtliche
Auch Reutlingens Oberbürgermeister kam auf einer Besuchtour zu den Rettungskräften im S-Haus vorbei. »Es ist mir eine besondere Herzensangelegenheit, hier mit Ihnen zusammenzukommen«, sagte Thomas Keck. In der »Zeit der Hoffnung, Nächstenliebe und Gemeinschaft« sei es für ihn wichtig, »dass niemand in unserer Stadt vergessen und allein gelassen werden darf«.
Vor der AWO-Weihnachtsfeier war Keck bei den Maltesern und beim Roten Kreuz – »es ist sehr erstaunlich, wie viele Azubis beide haben, schön, dass die Attraktivität an einer Ausbildung im Rettungsdienst so gestiegen ist – und dass so viele junge Menschen Interesse daran haben«, betonte Reutlingens Rathauschef. Dank sagte Keck auch allen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen der AWO, die sich am Mittwoch und das ganze Jahr über für die Bedürftigen in der Stadt einsetzen. »Durch euch wird Reutlingen für alle ein Stück liebenswerter«, betonte der OB und ging alsbald weiter zur Reutlinger Feuerwehr, um auch dort »Danke« zu sagen. (GEA)

