Logo
Aktuell Hundesteuer

Reutlingen erhöht Hundesteuer auf 132 Euro, für Kampfhunde auf 660 Euro

Reutlingen erhöht um 24 Euro pro Jahr. Halter von »gefährlichen« Tieren bezahlen deutlich mehr

»Gefährliche Hunde« kommen in Reutlingen künftig teurer. Ihre Halter müssen 660 Euro Hundesteuer bezahlen, das sind 25 Prozent m
»Gefährliche Hunde« kommen in Reutlingen künftig teurer. Ihre Halter müssen 660 Euro Hundesteuer bezahlen, das sind 25 Prozent mehr als bisher. Davon verspricht sich die Stadt eine Lenkungsfunktion: Je teurer, desto weniger Kampfhunde im Revier. FOTO: ZUCCHI/DPA
»Gefährliche Hunde« kommen in Reutlingen künftig teurer. Ihre Halter müssen 660 Euro Hundesteuer bezahlen, das sind 25 Prozent mehr als bisher. Davon verspricht sich die Stadt eine Lenkungsfunktion: Je teurer, desto weniger Kampfhunde im Revier. FOTO: ZUCCHI/DPA

REUTLINGEN. Die Stadt erhöht die Hundesteuer von 108 auf 132 Euro im Jahr, jeder weitere Hund kostet 264 Euro. Die letzte Erhöhung liegt 18 Jahre zurück. Reutlingen liegt mit den neuen Sätzen zwischen den Nachbarstädten Pfullingen und Tübingen. In der Musenstadt am Neckar kostet die Haltung eines Hundes 144 Euro, in Pfullingen 120 Euro pro Jahr.

Extra gelistet ist eine Spezies von Vierbeinern, die zwar des Menschen bester Freund, aber auch sein Feind sein kann: die »gefährlichen« Hunde, sprich: die Kampfhunde. Für solche Tiere bezahlt der Halter 660 Euro im Jahr und somit das Fünffache. Der hohe Preis soll lenkend wirken: Die Stadt will möglichst wenig Kampfhunde im Revier. Die Hundesteuer erfülle den Lenkungszweck, die Zahl der Hundehaltungen insgesamt im verträglichen Rahmen zu halten, sagt Bürgermeister Alexander Kreher. Dies betreffe vor allem die Haltung von Kampfhunden. Gelungen ist das nur bedingt: Vor acht Jahren gab es nur sechs Kampfhunde in Reutlingen, inzwischen sind es 39.

4 000 Hunde in Reutlingen

Das Kampfhundethema wird überall anders gehandhabt. Wer zum Beispiel in Konstanz meint, sich unbedingt einen gefährlichen Hund ins Haus holen zu müssen, zahlt 900 Euro Steuer pro Jahr. Wenn’s gleich mehrere Kampfhunde sein sollen, wird’s noch teurer: Jeder weitere Kampfhund am Bodensee kostet 1 500 Euro. Dagegen ist die Kampfhundesteuer in schwäbischen Gefilden vergleichsweise günstig: In Kirchentellinsfurt etwa kostet der erste Kampfhund 270, der zweite 540 Euro pro Jahr, in Gomaringen der erste 324, jeder weitere 865 Euro.

Die Entscheidung für einen Kampfhund ist nicht allein dem Halter überlassen. Es gilt die »Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Hunde«. Dort ist festgelegt, welche Hunde als gefährlich beziehungsweise als sogenannte »Kampfhunde« gelten.Wer einen Kampfhund halten will, muss eine Erlaubnis beantragen. Um sie zu bekommen, muss man ein »berechtigtes Interesse« und die »erforderliche Sachkunde« nachweisen können. Ob ein Hund ein Kampfhund ist, führt oftmals bereits zu Diskussionen: »Bei Rassen, die laut Verordnung als Kampfhunde gelten, kann eine Verhaltensprüfung durchgeführt und die vermutete Kampfhundeeigenschaft widerlegt werden«, heißt es in der Verordnung.

Dass es insgesamt mehr Hunde gibt, ist statistisch nachgewiesen. In Reutlingen hat sich die Zahl der steuerlich gemeldeten Hunde zwischen 2012 und heute von 3 300 auf 4 000 erhöht. Dies entspricht einer absoluten Steigerung um rund 21 Prozent. Bezogen auf die Zahl der steuerlich gemeldeten Hunde je 1 000 Einwohner betrug der Anstieg rund 17 Prozent. Die Zahl der steuerlich registrierten Hundehaltungen ist damit im Verhältnis zur Entwicklung der Einwohnerzahl mit einer Steigerung von rund 3,7 Prozent überproportional gestiegen.

Viele Hunde illegal unterwegs?

Im Jahr der letzten Steuererhöhung 2003 waren nur 2 650 Hunde steuerlich gemeldet. Stadträtin Karin Villforth (CDU) vermutete in der jüngsten Gemeinderatssitzung, dass die Zahl der wirklich in Reutlingen lebenden Hunde deutlich höher sei. Ihr Hundefriseur habe ihr von einer hohen Dunkelziffer berichtet – viele Hundehalter melden ihre Vierbeiner offenbar gar nicht an. Dem versucht die Stadt gegenzusteuern: Vor allem die regelmäßigen Kontrollen des Außendienstmitarbeiters in der Steuerabteilung seien maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Zahl der gemeldeten Hunde ansteige.Die Verwaltung hat eine Umfrage unter vergleichbaren Städten in Baden-Württemberg sowie unter Nachbarstädten und -gemeinden gemacht und kommt zum Schluss, dass die Hundehalter in Reutlingen ganz gut bedient sind. Durch die vom Gemeinderat beschlossene Erhöhung erreicht Reutlingen in etwa das Niveau vergleichbar großer Städte wie zum Beispiel Ludwigsburg (144 Euro) oder Esslingen am Neckar (132). Die Stadt Heilbronn beabsichtigt ebenfalls die Hundesteuern zu erhöhen, sie liegt bisher bei 110 Euro pro Ersthund und Jahr. Ob auch Stuttgart (108) und Mannheim (108) nachziehen, ist nicht bekannt. Deren Satzungen stammen aus 2002 und 2001. Die konstanteste Hundesteuer erhebt Heidelberg mit 108 Euro. Dieser Preis steht seit 1997.

Stichwort Hundefriseur: Die 132 Euro sind längst nicht die höchsten Ausgaben für einen Hund, im Gegenteil. Die Stadt hält die 24 Euro mehr pro Jahr für vertretbar. Zitat Kreher: »Da die Hundesteuer eine Aufwandsteuer ist, der Aufwand für die Haltung eines Hundes jedoch um ein Vielfaches höher ist als die Belastung durch die Hundesteuer, wird eine Anpassung der Steuer als angemessen erachtet.«

Die letzte Erhöhung trat im Januar 2003 in Kraft. »Nach dieser langen Zeitperiode ohne Veränderung der Steuersätze halten wir es für vertretbar, eine Erhöhung vorzunehmen«, so Kreher weiter. Schließlich stiegen die Preise allgemein, und zwar noch deutlicher. Der Verbraucherpreisindex ist im Zeitraum von 2003 bis heute um 28,1 Prozent gestiegen, während die jetzige Erhöhung der Hundesteuer 22,2 Prozent ausmacht. Das sei sozialverträglich. (GEA)