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Aktuell Sanierung

Rettung in letzter Minute

REUTLINGEN. Sie sind nicht aufsehenerregend, keine historischen Monumente und meistens noch nicht einmal schön: Nutzbauten von einst wie die Betzinger Zehntscheuer oder der benachbarte Lehenshof. Viele gammeln jahrzehntelang vor sich hin, werden sogar abgerissen. Dieses Schicksal hat die Zehntscheuer nicht ereilt, sie wurde vom Förderverein Ortskern Betzingen in ein Schmuckstück verwandelt. Jetzt macht er sich an die zweite Rettungsaktion: Der Lehenshof in der Mußmehlstraße ist gekauft, der Verein steigt ein in seine Sanierung.

Viel zu tun: Der Förderverein Ortskern Betzingen hat das »Haken-Gehöft« in der Mußmehlstraße gekauft und will es sanieren. GEA-A
Viel zu tun: Der Förderverein Ortskern Betzingen hat das »Haken-Gehöft« in der Mußmehlstraße gekauft und will es sanieren. GEA-ARCHIV Foto: Uschi Pacher
Viel zu tun: Der Förderverein Ortskern Betzingen hat das »Haken-Gehöft« in der Mußmehlstraße gekauft und will es sanieren. GEA-ARCHIV
Foto: Uschi Pacher
Eine Rettungsaktion kurz vor knapp, denn bis 1. Oktober müssen die Anträge für die neue Förderrunde von Denkmalpflege und Denkmalstiftung Baden-Württemberg gestellt sein. Außerdem läuft Ende 2013 das Landessanierungsprogramm für den Betzinger Ortskern aus, in dem auch das Gebäude liegt. »Es war fünf vor zwölf«, sagt dann auch Betzingens Bezirksbürgermeister und Fördervereinsvorsitzender Thomas Keck.

Der Verein hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Denn bei den holztechnischen Untersuchungen des 1727 erbauten Gehöfts stellte sich erst kürzlich heraus, dass die Schäden im Gebälk durch Käferfraß schlimmer sind als angenommen, also auch die Instandsetzung erheblich teurer wird - die Absicht, ins Projekt einzusteigen, geriet ins Wanken.

Doch jetzt will es der Betzinger Förderverein anpacken. »Ohne das Landessanierungsprogramm wäre das nicht darstellbar«, sagt Keck. Das Sanierungsvorhaben wird zu 60 Prozent aus Landesmitteln finanziert. Wie viel die Stadt beisteuert, muss der Gemeinderat entscheiden. Und natürlich ist, wie bei der Zehntscheuer vorbildlich praktiziert, wieder jede Menge Eigenleistung vorgesehen.

Kein Zuckerschlecken, soviel ist klar. Aber, sagt Thomas Keck: »Wären wir nicht eingestiegen, hätte das den weiteren Verfall und den Untergang des Gebäudes bedeutet.« Niemand interessierte sich für das heruntergekommene Gehöft, das als »heimatgeschichtliches Denkmal« eingestuft ist. Bei der städtischen Ausschreibung war der Förderverein der einzige Bieter und bekam für 25 000 Euro den Zuschlag.

Geschäftsstelle für den Verein

»Schnellstmöglich«, sagt Thomas Keck, will der Förderverein die Sanierung angehen - und damit den »Wegbruch des Normalen« verhindern, wie es der Tübinger Denkmalpfleger Dr. Günther Kolb ausgedrückt hatte: Der alte Lehenshof - wegen des giebelseitig zur Straße stehenden Wohnhauses und der über Eck dahinter liegenden Scheuer als »Haken-Gehöft« bezeichnet - ist ein bäuerliches Anwesen, wie es früher viele gab in Betzingen. Übrig geblieben ist einzig und allein das Gebäudeensemble in der Mußmehlstraße 6. »Das ist die letzte Stelle im Dorf, wo man das alte Betzingen noch sehen kann«, begründet Keck, warum den Vereinsmitgliedern die Sanierung so sehr am Herzen liegt. Mit der, so der Vorsitzende, würde zudem »der Betzinger Ortskern weiter aufgewertet.«

Die Sanierung soll auch einen nützlichen Nebeneffekt haben. Der Förderverein braucht dringend eigene Räume. Im ehemaligen Lädle im Erdgeschoss des Gebäudes ist deshalb die Geschäftsstelle des Fördervereins vorgesehen. Die oberen Stockwerke will der Verein an Gewerbetreibende vermieten. Die Pläne, Maisonettewohnungen zu bauen, sind in der Schublade verschwunden. Weil der Zehntscheuer-Anbau jetzt schon aus allen Nähten platzt, soll außerdem die Scheuer als Lagerfläche genutzt werden.

Mit den Planungen beauftragen wird der Förderverein das Architekturbüro Hartmaier und Partner, das, so Thomas Keck, »schon bei der Zehntscheuer hervorragende Arbeit abgeliefert hat«. Und er ist zuversichtlich, dass das auch die ebenso tatkräftigen wie tatendurstigen Vereinsmitglieder tun. »Das ist das Folgeprojekt des Fördervereins. Ich gehe davon aus, dass da wieder eine gute Truppe zusammenkommt.« (GEA)





SCHLEMMEN FÜR DEN GUTEN ZWECK



Sponsorenessen in der Zehntscheuer: Drei Köche kredenzen Menü

»Ein Abend unter Freunden« ist Motto eines vom Förderverein Ortskern Betzingen organisierten Sponsorenessens am Samstag, 29. September, 19 Uhr in der Zehntscheuer. Drei Caterer tischen auf: Uwe Förster (Culinarium), Heiner Engelhardt (Maximilian) und Olaf Schopf (Karlshöhe) zaubern ein dreigängiges Menü vom Feinsten. Datteln im Serranomantel, pochierte Rinderlende mit Trüffeljus, lauwarme Birnentarte mit Salpicon und andere Leckereien erwartet die Besucher. Den passenden Wein kredenzt das Betzinger Weinhaus Schall. Der Eintritt zum »Abend unter Freunden« kostet 65 Euro. Der Erlös kommt - nach Abzug der Kosten - dem Förderverein und seinen Projekten zugute - insbesondere dem ganz aktuellen in der Mußmehlstraße 6. Anmeldung ist erforderlich - beim Weinhaus Schall in der Jettenburger Straße 2. (GEA)

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