REUTLINGEN-OHMENHAUSEN. Egal, in welcher Kommune das Thema Regionalstadtbahn aktuell wird: Von den Gegnern hört man viel, von den Befürwortern wenig bis gar nichts. Doch es gibt sie. »Sie freuen sich leise«, hatte Ohmenhausens Bezirksbürgermeisterin Andrea Fähnle kürzlich in einer Ausschusssitzung zum Thema gesagt. Der GEA hat nachgefragt, warum sich Ohmenhäuser auf die Regionalstadtbahn freuen und wo sie ihre Vorteile sehen.
Die Contra-Fraktion hat sich in Ohmenhausen mit ihrer geballten Kritik bereits an die Öffentlichkeit gewandt. Die Gruppe, mehrheitlich betroffene Anlieger, will die gesamte Gomaringer Spange verhindern. Was Andrea Fähnle nicht nachvollziehbar findet. »Man sollte den Blick aufs Ganze richten.« Was die Verkehrswende angehe, aber auch die Vorteile für Ohmenhausen. Die Regionalstadtbahn sei ein Zukunftsprojekt, an dem kein Weg vorbeiführe. »Da sollte man persönliche Belange zurückstellen.«
Allen Grund, in die Zukunft zu schauen, und das mit Sorge, hat Emma Demel. 13 Jahre jung ist die Ohmenhäuserin. Als Vorteil einer Anbindung des Ortes an die Regionalstadtbahn sieht sie beispielsweise, dass sie flott und unkompliziert auch nach Tübingen kommt – um Hobbys nachzugehen, auszugehen, später vielleicht zum Studieren. Vorausgesetzt, die Anbindung ans Stadtbusnetz ist gut, brauche sie dann kein Auto. »Das wäre gut für die Umwelt, schließlich brauchen wir unsere Erde noch lange.«
Schneller, direkter, bequemer
Ebenfalls um die Zukunft, aber auch um die eher missliche ÖPNV-Gegenwart und den praktischen Nutzen, den sie sich als fleißige »Öffi«-Nutzerin von der Stadtbahn verspricht, geht es Nathaly Landenberger. »Von Ohmenhausen nach Tübingen? Da brauch’ ich eine Stunde – mindestens!« Nach Balingen, Mössingen, Hechingen, selbst Gomaringen sehe es mit den »Öffis« nicht besser aus. Von der Regionalstadtbahn erwartet sie eine Zeitersparnis, direktere und bequemere Verbindungen – auch nach Stuttgart, ins Erms- tal, auf die Alb. Und, »klar«, stimmt sie Teenager Emma zu, auch einen Gewinn für die Umwelt erwartet sie. »So kann es nicht weitergehen. Ich sehe jetzt schon so viele Staus, wir können doch nicht alle im Smog sitzen.« An die Berufspendler aus Richtung Mössingen und Gomaringen, die sich tagtäglich auf der Ortsdurchfahrt knubbeln, erinnert die Ohmenhäuserin Stefanie Schädel. »Eine Katastrophe, es wird immer schlimmer.«
»Mega interessant« wäre die Regionalstadtbahn nicht nur für staugeplagte Pendler, sondern auch für die jungen Einwohner des Ortes, findet Nathaly Landenberger. Denn Ohmenhausen liege »out of nowhere«, was weiterführende Schulen angeht. »Unsere Kinder, und das sind nicht wenige, müssen immer weit fahren.« Mit der Regionalstadtbahn könnten sie beispielsweise innerhalb kürzester Zeit das attraktive Schulzentrum Höhnisch im Steinlachtal erreichen. »Das würde sich echt anbieten.«
Blick aufs Ganze
Sie liebe, sagt Nathaly Landenberger, den Weg entlang der alten Bahntrasse, die eine der beiden Streckenvarianten für die Stadtbahn durch Ohmenhausen ist. »Das ist superschön. Aber wir müssen alle Opfer bringen und auch an unsere Kinder denken«, meint die Mutter einer elfjährigen Tochter. »Man muss umdenken«, fordert auch Stefanie Schädel einen Umstieg auf den ÖPNV.
»Das ist ein deutlicher Fortschritt, klar«, sagt auch Stadtbahn-Befürworter Eberhard Hohloch. Was aus seiner Sicht bei der Diskussion in Ohmenhausen »ein bisschen aus den Fugen gerät«, ist der Blick aufs Ganze. »Wir müssen an die Verkehrswende, an die Zukunft denken.« Werde das Projekt realisiert, sei es nichts anderes als das, was in anderen Regionen schon läuft. Zum Beispiel in Heilbronn oder in Freiburg, wo die Stadtbahn mit großer Selbstverständlichkeit »von den allermeisten« genutzt werde. Das Projekt Regionalstadtbahn, erinnert Hohloch, reicht vom Zollern-Alb-Kreis bis ins Ermstal und rauf auf die Alb. Es biete die Chance, die »extrem wichtige« Verkehrswende flächendeckend zu leben. »Da sind wir in Ohmenhausen doch nur ein kleiner Punkt. Ich sehe das eher als Geschenk, dass der Ort angebunden werden soll.« Aus eigenen Interessen heraus zu versuchen, das Großprojekt zu verhindern, das, meint er, »finde ich schon ein relativ kleines Denken und extrem schade«.
Eberhard Hohloch räumt ein, dass er mit der Steckenführung durch Ohmenhausen auch Probleme hat. »Wenn ich mir den Grüngürtel und den Augraben anschaue – da blutet meine grüne Seele.« Nach sorgfältiger Abwägung sei er aber zum Ergebnis gekommen, dass die Reaktivierung der alten Bahntrasse »fast alternativlos« sei, weil die anderen Varianten zu viele technische Hürden hätten. Ob die eingleisige Streckenführung, wie von den Ohmenhäusern gewünscht, machbar ist, werde vom Zweckverband noch geprüft. »Darüber bin ich froh, sonst würde es dort sehr eng werden«, meint Bezirksbürgermeisterin Andrea Fähnle, erinnert aber daran, dass in Sachen Streckenführung noch nichts entschieden ist. (GEA)

