REUTLINGEN-OHMENHAUSEN. 22 Fachleute aus den unterschiedlichsten Bereichen stellten sich am Montagabend den Fragen von annähernd 100 Interessierten, die in die Ohmenhäuser Waldschule gekommen waren, um mehr über den Planungsstand der Regional-Stadtbahn (RSB) zu erfahren - insbesondere auf Ohmenhausener Gemarkung. »Das ist ein komplexes Projekt«, sagte Reutlingens Baubürgermeisterin Angela Weiskopf.
Seit zwei Jahren laufen nach den Worten von Professor Tobias Bernecker, Geschäftsführer des RSB-Zweckverbands, die Planungen für die Gomaringer Spange im Rahmen des RSB-Gesamtprojekts. Mehrere Varianten der Streckenführung seien in Betracht gekommen, die Brühlstraße fiel jedoch schnell wieder raus: zu eng, zu viele Hauseinfahrten, zu wenig Platz für Haltestellen.
Übrig blieben zwei Möglichkeiten – eine über die alte Gönninger Bahntrasse nördlich des Industriegebiets und eine südlich davon, parallel zur L384. Möglich seien beide Trassen, wie Stefan Dvorak, Reutlinger Planungsamtsleiter, betonte. Die Kosten-Nutzen-Indikatoren fielen nicht unbedingt eindeutig aus, wie Steffen Thomma vom RSB-Zweckverband erläuterte. Auf der südlichen Variante entlang der Landstraße würde zwar Ohmenhausen mehr eingebunden, die Bahn würde aber anstatt 4 Minuten 10 Sekunden rund 50 Sekunden länger durch den Ort brauchen. Sie hätte aber den enormen Vorteil einer dritten Haltestelle. »Das wäre doch wie ein Sechser im Lotto«, meinte die Baubürgermeisterin.
Anbindung an Mark-West
Werner Koch aus dem Bezirksgemeinderat sieht jedoch Vorteile für die nördliche Variante, oberhalb des Gewerbegebiets. Dort werde nicht nur das Gebiet südlich der Bahntrasse gut erschlossen, sondern auch Mark-West. »Da wäre man in wenigen Gehminuten beim Möbel-Braun«, so Koch. Allerdings würde die Bahnstrecke danach ein ganzes Stück die Streuobstwiesen queren. »Die Umwelteingriffe wären dort gewaltig, deshalb ist die südliche Variante entlang der Landstraße sinnvoller«, so Werner Koch. Voraussichtlich werde der Bezirksgemeinderat in der Sitzung am 26. November sich für die südliche Trasse entscheiden.
Diese Variante hätte zudem den Vorteil, dass sie »ohne Eingriffe in Privatbesitz gebaut werden könnte«, so Werner Koch. »Ganz ohne Zwangsenteignung«, fügte Andrea Fähnle hinzu. Sie zeigte sich genauso wie Koch mit der Planung hochzufrieden, einen Einwand brachte die Bezirksbürgermeisterin aber vor: »Wenn die Stadtbahn kommt, muss der Bus-Ringverkehr trotzdem erhalten bleiben, der jetzige 20-Minutentakt ist perfekt.« Stefan Dvorak sagte dazu, dass die Busse durch Ohmenhausen ihre Berechtigung haben, schließlich würden damit die Wohngebiete am Hasenberg und Mahden erschlossen. Dennoch müsse ein Schritt nach dem anderen erfolgen – erst wenn die Tram fährt und die Buslinien sich irgendwo überschneiden, könne alles neu betrachtet werden. Und die Kosten spielen natürlich auch eine Rolle.
Einspurig oder zweispurig?
Thomas Kuchelmeister hatte Bedenken gegenüber der einspurigen Führung der RSB in der Ortsmitte. Die würde den 15-Minutentakt gefährden, so sein Argument. Und: »Jetzt können die meisten Fördermittel abgeholt werden, deshalb wäre es doch sinnvoll, jetzt gleich zweispurig zu planen«, so der Grünen-Bezirksgemeinderat. Für diesen Abschnitt in der Ortsmitte hatten die Planer vier Varianten auf der alten Bahntrasse durch den Ort entworfen. Eine wurde eingleisig und eine zweigleisig jeweils mit Ampelschaltung an der Kreuzung betrachtet, eine weitere zweigleisig mit Unterführung und eine zweigleisig im Trog, also abgesenkt. Letztere würde laut Bernecker fast 120 Millionen Euro kosten. »Das ist viel zu teuer«, so der RSB-Chef. Am wahrscheinlichsten sei die eingleisige Variante mit Ampelschaltung über die Straßenkreuzung. Die Kosten dafür würden bei rund 40 Millionen Euro liegen.
Das Argument für die Eingleisigkeit, die Kuchelmeister dann doch überzeugte, lautete: »Bei einer Zweigleisigkeit weiter in Richtung Gomaringen bräuchte man Privatgrundstück-Teile«, führte Tobias Bernecker aus. »Super ist auf jeden Fall, wenn die Regional-Stadtbahn so schnell wie möglich kommt«, freute sich Thomas Kuchelmeister. Und mit ihm sicherlich noch viele andere Bürgerinnen und Bürger aus Ohmenhausen. Sie hoffen nach den Worten einiger Anwesender darauf, dass durch die Tram der Kfz-Verkehr auf der Straße durch Ohmenhausen hindurch weniger wird. (GEA)

