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Radfahren bedeutet auch Selbstständigkeit

Fahrradwerkstatt am Johannes-Kepler-Gymnasium eröffnet: Schüler lernen in AG, wie sie Räder in Schuss halten

Julius, Ann-Kathrin und Benita (alle 11) hatten viele Fragen an den Experten Guido Hellhammer. Andrea Walter (zweite Reihe), Ges
Julius, Ann-Kathrin und Benita (alle 11) hatten viele Fragen an den Experten Guido Hellhammer. Andrea Walter (zweite Reihe), Geschäftsführerin des Fördervereins, freute sich über die Verwirklichung des Projekts. FOTO: BÖHM
Julius, Ann-Kathrin und Benita (alle 11) hatten viele Fragen an den Experten Guido Hellhammer. Andrea Walter (zweite Reihe), Geschäftsführerin des Fördervereins, freute sich über die Verwirklichung des Projekts. FOTO: BÖHM

REUTLINGEN. »Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass sich das Bewusstsein verändert und Schülerinnen und Schüler für das Fahrrad begeistern. Doch es muss in Ordnung und sicher sein«, sagte Andrea Walter von der Geschäftsleitung des Fördervereins »for-Kepi«. Das Johannes-Kepler-Gymnasium hat deshalb eine Fahrradwerkstatt eingerichtet, die jetzt offiziell eingeweiht wurde. Werkstattleiter Guido Hellhammer führt während des Reutlinger Stadtradelns auch Sicherheitschecks an Kepi-Schülerrädern durch.

Wie wichtig die Werkstatt ist, hat sich schon vielfach bewiesen. »Es gibt viele platte Reifen und verbogene Schaltwerke«, berichtet der Zweiradmechaniker Hellhammer. Richtig gefährlich werde es, wenn die Bremsleitung angerissen sei und im Bremsvorgang reiße. »So etwas muss sofort repariert werden«, sagt der Experte. Kleine Arbeiten könne er oft direkt vor Ort durchführen, doch wenn Teile ersetzt werden müssten, halte er vorher Rücksprache mit den Kindern und Jugendlichen oder schicke sie weiter zu einer Fachwerkstatt. Sicherheit sei oberste Prämisse.

Bei der Eröffnung nutzten die Elfjährigen Benita, Ann-Kathrin, Julius und Henri den Kontroll-Service. Hellhammer stellte das Steuerlager am Lenker ein und zeigte dabei, wie man es auch selbst hinbekommt oder wie man die Bremszüge nachstellt. Denn darum geht es bei dem Projekt ebenfalls: Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, wie sie selbst ihre Räder warten oder reparieren können. Und wann man es besser der Werkstatt überlässt.

Fünf Werkplätze

Im Untergeschoss der Frauenarbeitsschule wurden in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Reutlingen fünf Werkplätze mit Werkzeug und Montageständern eingerichtet, an denen Kinder und Jugendliche in einer AG lernen können, wie sie ihre Räder in Schuss halten. Lichtcheck, Schaltung und Antrieb stehen ebenso auf dem Programm wie Materialkunde und Sicherheitsunterweisung.

Gefördert wurde die Werkstatt vom ADFC, bei der Eröffnung vertreten von Gerhard Götz und Stefan Wiese. Wiese erläuterte bei dieser Gelegenheit die Vorteile einer Radcodierung, die es erleichtere, gestohlene Räder wieder aufzufinden. »Unser Ziel ist eine offene Radwerkstatt, wohin in Zukunft auch die Schülerinnen und Schüler außerhalb der AG ihre Räder bringen können«, sagte Vorstandsmitglied Diane Grdic-Sittig von »for-Kepi«.

Thomas Kuchelmeister, stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender, brachte eine Luftpumpe als Geschenk. Als Gründungsmitglied der Initiative »Eltern für radelnde Schüler« würdigte auch er die Werkstatt. Weitere Unterstützer des Projekts sind die Taskforce Radverkehr der Stadt Reutlingen, Teachers for future und die Kepi-Holzwerkstatt. Andrea Walter betonte, dass man Werkstätten keine Konkurrenz machen wolle. »Es geht wesentlich auch um den pädagogischen Aspekt.« Obwohl sich alle der Klimaveränderung bewusst seien, reiße die Kolonne der Elternfahrzeuge nicht ab. Regne es, riefen die Schüler zu Hause an und würden mit dem Auto abgeholt, obwohl sie in der Nähe wohnten. »Wir möchten einen Beitrag leisten, dass sich das Bewusstsein ändert. Und dass Rad fahren auch Spaß machen kann.« Die Werkstatt sei eine Idee von Ulrike Blanke, Lehrerin und selbst passionierte Radfahrerin und Jörg Sindlinger gewesen.

»Ich habe öfter festgestellt, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Räder nicht mehr benutzen, wenn sie einen Platten oder Ähnliches haben«, sagte Ulrike Blanke. Hier habe man helfen wollen. »Radfahren ist auch ein Stück Selbstständigkeit. Man kann selbst entscheiden, wann man nach der Schule nach Hause fährt. Oft ist so noch Zeit für ein Gespräch und eine Verabredung mit den Klassenkameraden, während sonst einfach die Auto- oder Bustür zufällt.«

Geplant ist, an der Schule einen Fahrradtreff einzurichten und die Werkstatt, zurzeit angeboten für die Klassen 5 und 6, zu erweitern und außerdem für die Klassen 8 in den Unterricht für Naturwissenschaft und Technik einzubinden. Auch die Zertifizierung »Fahrradfreundliche Schule« werde angestrebt. (gb)