Pro Terrorsperren: Irre Maßnahme in irren Zeiten
VON STEHPAN ZENKE
Der Stadt bleibt nichts anderes übrig, als den Weihnachtsmarkt und andere Veranstaltungen mit Terrorsperren abzusichern. Dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung ist wohl bewusst, dass weder die aufklappbaren Blockaden vom Typ Armis One noch die Betonblöcke eine Zierde fürs Erscheinungsbild sind. Alle Verantwortlichen hätten die vielen Hunderttausend Euro für die Anschaffung der Gegenstände liebend gerne an anderer Stelle ausgegeben, zumal die Kassen nun wirklich klamm sind. Nicht nur Menschen im Rollstuhl ärgern sich über die Barrieren.
Aber Ordnungsamtsleiter Albert Keppler hat schon vor Monaten im Finanzausschuss die Sache auf den Punkt gebracht: »Wenn wir das nicht tun und was passiert, dann ist das ein Politikum erster Klasse.« Es sind zum Bedauern aller Beteiligten irre Maßnahmen in irren Zeiten, wo sich leider immer wieder zeigt, wie verheerend die Taten einzelner politisch radikalisierter oder geistesgestörter Attentäter wirken können. Es gibt deswegen leider keine Alternative zu den Terrorsperren. Es sei denn, man verzichtet auf Veranstaltungen im Freien.
Contra Terrorsperren: Placebo fürs Sicherheitsgefühl
VON ANDREA GLITZ
Dass es wieder kräftig weihnachtet, merkt man auch an den Terrorsperren und Betonblöcken, die den Reutlinger Weihnachtsmarkt sichern sollen. Aus Sicht derjenigen, denen man im Falle eines Anschlags Fehlverhalten vorwerfen würde, ist die Notwendigkeit, solche Blockaden aufzustellen, absolut nachvollziehbar: Das Grauen von Amokfahrten wie in Magdeburg zwingt Kommunen zum Handeln, denn die mediale Begleitung verbreitet die Tragödien in alle Köpfe - und auch Angst davor. Markante Schutzvorrichtungen wie die Terrorsperren ragen nun allerorten gen Himmel, um zu symbolisieren: Wir tun hier was vor Ort.
Wer jedoch besessen ist vom Gedanken, anderen Leid zuzufügen, der findet zweifelsohne immer irgendwelche Wege. Und so vermitteln die Barrieren kein Sicherheitsgefühl. Im Gegenteil. Sie verdichten eher ein Lebensgefühl, das nicht kultiviert werden sollte: den Eindruck allgegenwärtiger Bedrohung.

