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Aktuell Wohnen

Preiswert an der Römerschanze wohnen

REUTLINGEN. Um die »Wohnbauoffensive 2025« umzusetzen, hat die Stadt derzeit 60 Bebauungsplanverfahren in Arbeit, eines davon an der Römerschanze. Dort sollen möglichst schnell 300 neue Wohneinheiten entstehen – 160 Eigentumswohnungen, 40 Mietwohnungen mit Sozialbindung, 62 Mietwohnungen für Reutlinger Unternehmen und 31 private Reihenhäuser. Bisher gehört das zwei Hektar große Gelände der Betz Holding und ist Gewerbegebiet.

Neues Baugebiet an der Römerschanze südlich der Gellertstraße: Hier sollen 300 kostengünstige Wohneinheiten in Baugemeinschaften
Neues Baugebiet an der Römerschanze südlich der Gellertstraße: Hier sollen 300 kostengünstige Wohneinheiten in Baugemeinschaften entstehen. Foto: Hans-Jörg Conzelmann
Neues Baugebiet an der Römerschanze südlich der Gellertstraße: Hier sollen 300 kostengünstige Wohneinheiten in Baugemeinschaften entstehen.
Foto: Hans-Jörg Conzelmann

Ausschließlich mit Baugruppen

Die Firma GfB (»Gesellschaft für Betreuung privater Bauherren«) will das Gelände über Bauherrengemeinschaften entwickeln, um es kostengünstig anzubieten. Geschäftsführer Wolfgang Konz stellte das Projekt gestern gemeinsam mit Baubürgermeisterin Ulrike Hotz der Presse vor. Am Donnerstag soll der Gemeinderat die Aufstellung eines Bebauungsplans beschließen (17.30 Uhr, Großer Sitzungssaal, Rathaus).

Unter GfB-Flagge entstand mit neun Baugruppen das Seidenviertel in Reutlingen und Teile der Tübinger Südstadt. Das erklärte Ziel: runter mit dem Quadratmeterpreis. Basis ist der kostengünstige Erwerb des Baugrundstücks. Konz spricht von Glück, wenn er vom bisherigen Eigentümer redet. Betz nämlich verkaufe die Fläche nicht auf dem freien Markt an einen Bauträger, sondern an Baugruppen, die noch gebildet werden müssen. Die doppelt fällige Grunderwerbssteuer sei damit hinfällig. »Wir wollen ein Quartier mit kostengünstigem Wohnungsbau«, sagt Hotz.

Ein sinnvoller Plan: Die Stadt wuchs in den vergangenen vier Jahren um 4 000 Einwohner, die dringend Wohnraum brauchen – Flüchtlinge noch nicht mitgerechnet. Derzeit leben 113 000 Einwohner in Reutlingen, Tendenz steigend. Die Zielvorgabe der »Wohnbauoffensive« aus dem 2012 sieht 290 neuen Wohneinheiten pro Jahr vor. Seither übertrifft die Stadt ihr Soll regelmäßig: Pro Jahr gehen 400 neue Einheiten ans Netz, im kommenden Jahr sollen es laut Hotz sogar 600 sein – mindestens.

»Wir stehen vor der Herausforderung, kostengünstigen Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen in allen Lebenslagen bereitzustellen«, ist sich Hotz der Problematik bewusst. Weil der Baugrund rar ist, sei Höhe, Dichte und Außenentwicklung ein vorrangiges Thema. »Wir werden in die Höhe bauen, werden dichter bauen und neue Siedlungsflächen arrondieren.« Nach der Innenentwicklung sei nun ein Paradigmenwechsel zu den Außenbereichen notwendig. Man sei deshalb in intensiven Gesprächen mit den Bezirksbürgermeistern. Verstärkt soll auch Wohnen und Arbeiten »durchmischt« werden – auch in dem neuen Wohngebiet an der Römerschanze.

»Das Problem« am Immobilienmarkt beschrieb Konz mit der Diskrepanz zwischen Immobilienpreis und den eigentlichen Herstellungskosten. Die Herstellungskosten nämlich seien sogar rückläufig: »Wir haben seit mehreren Monaten günstigere Vergabepreise erzielt als erhofft.« Das Kostenproblem hätten deshalb nicht die Bauherren, sondern die, die am freien Markt eine Wohnung kaufen möchten. Der Immobilienmarkt sei heiß gelaufen, weil die Nachfrage extrem groß sei, das Angebot aber knapp und der Preis entsprechend hoch. Bei einem aktuellen GfB-Projekt in Stuttgart liege der Quadratmeterpreis, den Bauträger verlangten, um 2 000 Euro höher als bei Baugemeinschaften in unmittelbarer Nachbarschaft.

Einpendler anlocken

Das Bauvolumen des neuen Projekts beziffert Konz auf 50 Millionen Euro. Getauft wurde es auf den Namen »Blue Village«, denn die Wohnungen sollen energetisch wertvoll und an das Reutlinger Fernwärmenetz angeschlossen sein. Verglaste Schallschutzelemente sollen den Lärm der B 28 abhalten, die in unmittelbarer Nähe verläuft.

Stefan Dvorak, Chef des Amts für Stadtentwicklung, nennt als weiteren Vorteil die Nähe zur Stadt und zu großen Arbeitgebern (von denen es bereits Investoren für Mietwohnungen in Blue Village gibt). »60 Prozent unserer Arbeitsplätze haben Einpendler. Wenn diejenigen, die in Reutlingen arbeiten, auch hier wohnen, dann haben wir weniger Verkehr.« Und: Reutlingen profitiert von der Gewerbesteuer, die von den 60 Prozent Einpendlern andernorts bezahlt werden. Konz: »Das Projekt hat einen enormen Standortsvorteil, das man auf den ersten Blick gar nicht vermutet.« (GEA)