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Ortscheck Rommelsbach: Viel Zufriedenheit mit wenig Aber

Rommelsbach ist eine Wohlfühlgemeinde mit zwei Schönheitsfehlern: Verkehrsbelastung und Laden-Leerstände in der »Neuen Mitte«

Anregende Dialoge und konstruktive Kritik: Beim Ortscheck sprachen Redakteurin Heike Krüger (vorne, rechts) und Lokal-Chef Rolan
Anregende Dialoge und konstruktive Kritik: Beim Ortscheck sprachen Redakteurin Heike Krüger (vorne, rechts) und Lokal-Chef Roland Hause (hinten, links) unter anderem mit Renate Sturm und Manfred Kässner. FOTOS: NIETHAMMER
Anregende Dialoge und konstruktive Kritik: Beim Ortscheck sprachen Redakteurin Heike Krüger (vorne, rechts) und Lokal-Chef Roland Hause (hinten, links) unter anderem mit Renate Sturm und Manfred Kässner. FOTOS: NIETHAMMER

REUTLINGEN-ROMMELSBACH. In Rommelsbach, so scheint es, ist die Welt noch in Ordnung. Die Einwohner mögen ihren Flecken, identifizieren sich mit ihm und verleihen diesem Wohlgefühl durch reichlich Lob auch Ausdruck. Zum Beispiel beim Besuch des GEA-Mobils auf dem Platz am Laufbrunnen, wo die Lokalredaktion jetzt im Rahmen der Ortscheck-Kampagne Stimmen und Stimmungen einfing. Gleich vorab: Geschimpft wurde beim Vor-Ort-Termin nicht, dafür umso mehr gewürdigt. Und Klagen kreisten, wenn sie denn formuliert wurden, vor allem um zwei Themenbereiche, die die Nordraumgemeinde schon seit mindestens zwei Dekaden umtreiben: das hohe Verkehrsaufkommen und die Ödnis der sogenannten »Neuen Mitte«.

Letztere wird durch die Bank weg von allen Gesprächspartnern als »mausetot« beschrieben. Etwa von Martina Mollenkopf,

 

Anke und Renate Sturm, die es zutiefst bedauern, dass das Herz von Rommelsbach nicht schlägt. Schuld daran sind durch Parkraummangel verursachte Laden-Leerstände, die den Platz am Laufbrunnen seit langen Jahren prägen. Und »nachdem auch noch der Bäcker die Segel gestrichen hat, geht hier praktisch gar nichts mehr«.

 

Dabei, findet Renate Sturm, ist die »Mitte« doch geradezu prädestiniert dafür, ein Treffpunkt der Bürgerschaft zu sein. »Ein Café, eine Eisdiele oder ein Restaurant«, ist sie überzeugt, würde belebend wirken. Zumal, wenn es im Sommer Gelegenheit zum Draußensitzen gäbe. Dabei schweift ihr Blick in Richtung Laufbrunnen. »Der«, hat sie beobachtet, »war dieses Jahr komplett außer Betrieb.« Niemand wisse wirklich warum.

Gerüchtehalber soll es ein Leck im Wasserkreislauf sein, das zur Stilllegung des insbesondere bei Kindern beliebten »Planschbeckens« geführt hat. Schade sei das, denn »für die Kids ist der Brunnen eine Attraktion gewesen«, wie Anke erklärt. Allerdings eine Attraktion mit Gefahrenpotenzial: Der zerdepperten Flaschen wegen, deren Scherben in unschöner Regelmäßigkeit im Laufbrunnen zum Liegen kamen.

Vor dem GEA-Mobil wurden Stimmen und Stimmungen eingefangen.
Vor dem GEA-Mobil wurden Stimmen und Stimmungen eingefangen. Foto: Markus Niethammer
Vor dem GEA-Mobil wurden Stimmen und Stimmungen eingefangen.
Foto: Markus Niethammer

Was die drei Frauen außerdem in der »Neuen Mitte« vermissen? Antwort: Begrünung und eine ansprechende Außenmöblierung. Warum die »Steinwüste« nicht mit Blumenbottichen aufwerten oder mit Beeten? Tja, und dann sind da noch die maroden Sitzgelegenheiten. »Schauen Sie sich doch mal die Bänke an. Total hinüber sind die und gehören ausgetauscht«, sagt Martina Mollenkopf.

Blumen und Begrünung wünscht sich auch Andrea Schwarzbach, die demnächst ins betreute Seniorenwohnen beim Platz am Laufbrunnen einziehen wird. Darauf freut sie sich schon. Derweil ihr die Tauben, die in den Dachrinnen nisten und auf den Fensterbrettern turteln, keine Freude bereiten. »Die Vögel sind ein Problem. Sie verkoten alles und übertragen ja auch Krankheiten«, begründet sie ihr Missfallen und regt ein Taubenhaus nach Orschel-Hagener Vorbild an.

Und Martin Held? Der wünscht sich einen Starenkasten. Installiert werden sollte der Blitzer in der Mähderstraße, wo Autofahrer, die in Richtung Rappertshofen unterwegs sind, offenbar gerne aufs Gaspedal drücken. Diese Raser zu disziplinieren, ist dem Rommelsbacher, der ansonsten nichts am Flecken auszusetzen hat, ein Anliegen. Denn: »Es lebt sich sehr gut in Rommelsbach. Wir haben alles, was man braucht, SB-Märkte, Apotheke, sogar eine gut sortierte Bibliothek …«

Dem kann Kurt Müller nur beipflichten. Gleichwohl sieht er Optimierungsbedarf und bemängelt fehlende öffentliche Parkplätze. Davon gibt’s vor allem im Zentrum zu wenige. »Notgedrungen weichen die Leute aufs Netto-Gelände aus. Aber das kann kaum im Sinne des Erfinders sein. Ich fürchte, dass der Discounter demnächst abschleppen lässt.« Notgedrungen weichen die Leute außerdem in die Büsche aus, beziehungsweise in eine »Nische hinterm Netto am Scheidweg«. Hier hat Andreas Karlitschek schon mehrfach Wildpinkler bemerkt – Männlein wie Weiblein. Sein Vorschlag: In Rommelsbach sollte beim alten Ortskern eine öffentliche Toilette eingerichtet werden.

Ernst Ponath ist vor 35 Jahren extra nach Rommelsbach gezogen, weil er es als ruhige, schöne Ortschaft empfand, in der es alles gab, was eine Familie mit drei Kindern braucht. Damals sei die Ortsmitte noch ein »grünes Biotop« gewesen, jetzt gleiche sie einer Steinwüste mit vielen Leerständen. Auch der Verkehr habe sich über die Jahrzehnte zum Nachteil verändert, sei jetzt »mordsmäßig«. Insbesondere die vielen Lastwagen stören Ponath, weshalb er für die sogenannte Dietwegtrasse ist, die Entspannung bringen würde. Was er nicht versteht: Überall beklagen sich die Menschen, dass es zu viel Verkehr und Verkehrslärm gebe, die Autos zu schnell führen – wenn nur die Hälfte aufs Fahrrad oder den Bus umstiege, wäre schon viel geholfen. Allerdings: Die Einzelfahrt mit dem Bus zum Beispiel nach Reutlingen müsste noch günstiger werden, um wirklich attraktiv zu sein. Unter dem Strich wohnt Ernst Ponath aber weiterhin gerne in Rommelsbach.

Immerhin auch schon seit 20 Jahren wohnt Johanna Adametz im Mähder und wäre dort rundum glücklich – »wenn das mit der Luft nicht wäre«. Denn sie fühlt sich in dem Quartier, das an die Fernwärme angeschlossen ist und in dem Kamine »nur abends angezündet werden dürfen«, eingequalmt. Insbesondere von einem Nachbarn in der Egertstraße, der seinen Kamin schon morgens anfeuere – aber auch von Grillern ringsum im Sommer. Ihr Wunsch: dass sich die Bezirksbürgermeisterin die Misere mal anschaut.

Aus dem Bayerischen kam Maria Kleinbeck vor 40 Jahren in die Nordraumgemeinde und fühlt sich längst »den Schwaben zugehörig. Mir gefällt’s, ich bin zufrieden«, sagt sie. Es gebe in Rommelsbach praktisch alles, was man fürs tägliche Leben braucht, und die Busverbindung nach Reutlingen sei sehr gut. Sie sei im Ort viel zu Fuß unterwegs, und »wenn ich mal etwas Größeres brauche, fährt mich meine Tochter«.

Maria Kleinbecks Freundin Marianne Töpfer ist nicht minder zufrieden mit dem Nahversorgungsangebot in Rommelsbach, findet allerdings, dass für ältere Leute mehr getan werden sollte. Angesichts der vielen Häuser, in denen nur noch eine Person wohnt, wünscht sie sich altengerechte Wohnungen, gegebenenfalls mit Betreuung, »die man kaufen oder mieten kann«. Dann würden Häuser frei für die nachfolgende Generation. Außerdem beklagt sie die Parksituation in der schmalen Hanfgartenstraße – dort würden die Abstände zu Garagenausfahrten oft nicht eingehalten – was man durch entsprechende Markierungen ihrer Meinung aber nach beheben könnte.

Dass es in der Wittumstraße beim BZN mitunter zu eng hergehe, wenn Schulbusse, radelnde Schüler und autofahrende, ihre Kinder abholende Mütter gleichzeitig unterwegs seien, beobachtet Manfred Kässner und sorgt sich um die Sicherheit insbesondere der Radler. Es seien schon Mädchen gestürzt, die sich von den Bussen bedrängt fühlten. Von der Stadt habe sich das »noch niemand angeschaut«.

Gisela Ihle freut sich, dass es »vom Kindergarten bis zum Altenheim alles gibt«. Was sie stört, sind jedoch »die Raser« in der Kniebisstraße, wo sie wohnt, die insbesondere abends um 22 oder 23 Uhr aufs Gaspedal drücken. »Im Sommer bei offenem Fenster zu schlafen, geht nicht«, berichtet sie. Und wünscht sich, dass nicht immer nur »vor dem Ortsschild« geblitzt wird. Sie ist in Rommelsbach geboren, wohnt immer noch im Elternhaus und hat »noch nie den Gedanken gehabt, woanders hinzuziehen«. Sie dürfte sich sehr freuen, dass jetzt in der Kniebisstraße Tempo-30-Schilder montiert wurden (siehe Seite 12) – einen Tag nach dem GEA-Besuch in Rommelsbach.

»Die Infrastruktur ist toll, die Busanschlüsse prima«, findet Bärbel Kaiser: »Eigentlich müsste man gar nicht mit dem Auto fahren.« Besonders lobt sie, dass in Rommelsbach viel für Kinder und Jugendliche getan wird. Es gebe wunderschöne Spielplätze, die auch instand gehalten würden, und »tolle Bolzplätze« – ein guter Beitrag zur Integration, wie sie findet. Leider gebe es an diesen Orten aber auch immer mehr Müll.

Dieser Abfall könnte, so die Idee von Familie Hartmann, von ehrenamtlichen Paten beseitigt werden. Gebe es einen Helferpool, würde niemand über Gebühr strapaziert und Spielplätze, Laufbrunnen und Co. wären aufgeräumter denn je. Nicht teilen können die dreifachen Eltern Martin und Damaris Hartmann die Einschätzung ihrer Vorrednerin, dass Rommelsbachs Spielplätze tipptopp in Schuss seien. Einige »sind in die Jahre gekommen und Sanierungsfälle«. Spielgerät müsse dort ausgetauscht und zumindest einer der Plätze mit einer Babyschaukel bestückt werden. Eine solche suche man im Flecken nämlich vergebens. Was sonst noch fehlt? Gastronomische Angebote und wenigstens eine Kindertageseinrichtung, die kein offenes Konzept fährt, sondern wenigstens die ganz Kleinen in einem festen Gruppenverband mit festen Bezugspersonen pädagogisch betreut. »Es wäre schön, wenn Eltern da die Wahl hätten.« (GEA)

MEHR ORTSCHECK ONLINE

Ein Video zum Ortscheck in Rommelsbach und eine Umfrage zum Mitmachen finden Sie online:

www.gea.de/themen/

ortscheck+2020 www.gea.de/umfragen