Logo
Aktuell Corona

Ohne Test in Museum, Bücherei und Geschäft: So liefen die Öffnungen in Reutlingen

Der Öffnungs-Stufenplan sorgt für Verwirrung bei potentiellen Besuchern von Museen und für teilweise leere Häuser. Nun atmen die Museums-Leiter und Einzelhändler auf: Die Testpflicht entfällt für sie.

Die Lockerungsstufe 1 sorgte für Verwirrung und noch weniger Besucher in der Stadtbibliothek Reutlingen
Die Lockerungsstufe 1 sorgte für Verwirrung und noch weniger Besucher in der Stadtbibliothek. Foto: GEA-Archiv
Die Lockerungsstufe 1 sorgte für Verwirrung und noch weniger Besucher in der Stadtbibliothek.
Foto: GEA-Archiv

REUTLINGEN. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Reutlingen seit dem 26. Mai unter 50 liegt, sind gestern weitere Lockerungen der Coronaverordnung in Kraft getreten. Sie betreffen neben privaten Treffen (jetzt mit bis zu zehn Personen aus bis zu drei Haushalten) und dem Einzelhandel vor allem die Museen und Bibliotheken. In den Reutlinger Einrichtungen atmen die Leiterinnen auf. Zwar lief der Betrieb hinter den Kulissen ungebremst weiter, doch war zuletzt das Besucheraufkommen vor allem durch die Testpflicht, die ja jetzt wegfällt, stark eingebrochen.

»Nach einer fürchterlichen Woche sehnen wir die Lockerungen herbei«, freut sich Beate Meinck, Leiterin der Reutlinger Stadtbibliothek, über die Annäherung an den Normalbetrieb. Zählte sie vor Corona bis zu 1 600 Menschen in ihrer Einrichtung, so waren es 2020 im Schnitt 600 bis 800 und zuletzt nur noch maximal 200. Auch die Museen sind von den regulären Besucherzahlen derzeit weit entfernt.

Beate Meinck.
Beate Meinck. Foto: Frank Pieth
Beate Meinck.
Foto: Frank Pieth

Im Prinzip funktioniert der Kulturkonsum jetzt fast so wie ein Einkauf im Supermarkt: Tests sind nicht mehr notwendig, und es gibt auch keine konkreten Besucherbeschränkungen mehr in Relation zur Fläche. Nur die Kontaktdaten der Besucher müssen weiter erfasst – und die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. »Wir schauen, dass keine Engpässe und Nadelöhre entstehen«, versicherte Beate Meinck. Die Besucher sollten jedoch auch selbst darauf achten, anderen Menschen nicht ins Gehege zu kommen.

Frühestens ab Samstag, 5. Juni, können wieder Veranstaltungen innen stattfinden (Öffnungsschritt 2 des Stufenplans des Landes bei einer mindestens 14-tägigen Inzidenz unter 100). »Eine Vermischung der Bereiche wird es auf absehbare Zeit nicht geben«, erklärt Beate Meinck. In der Stadtbibliothek betrifft das zum Beispiel die Blaue Stunde und die Vorlesestunde. Statt im normalen Betrieb müssten sie in abgeschlossenen Räumen über die Bühne gehen. Das Große Studio fasst normalerweise bis zu 25 Menschen, unter Einhaltung der Abstandsregeln sind Veranstaltungen aber auch hier »weiter schwierig«.

Meinck blickt auf eine Woche zurück, in der sie böse E-Mails und Kommentare erhalten hat: »Die Leute waren stinksauer«, sagt sie zu den Reaktionen auf die Einführung der Lockerungsstufe 1. Sie entpuppte sich zumindest teilweise als Reinfall. Seit Anfang März standen die Stadtbibliothek in Reutlingen und die Außenstellen in den Stadtteilen Besuchern mit Termin, aber ohne Testpflicht offen. Vergangene Woche sollten sie dann einen negativen Test vorlegen. Dadurch sei die Besucherzahl extrem zurückgegangen. Die Zweigstellen waren praktisch leer, weil es in den Stadtteilen auch weniger Gelegenheit zum Testen gibt.

Ina Dinter.
Ina Dinter. Foto: Armin Knauer
Ina Dinter.
Foto: Armin Knauer

In manchen Museen herrschte noch am vergangenen Freitag Unsicherheit, was denn nun ab wann erlaubt ist. Dr. Ina Dinter, Leiterin des Kunstmuseums Reutlingen, dachte da zum Beispiel an Führungen und Workshops. Das Gesundheitsministerium in Stuttgart hatte die Antwort parat: Auch Führungen sind erst wieder ab dem Öffnungsschritt 2 – also frühestens ab kommenden Samstag – möglich.

Platz, um Abstand zu halten, ist in den Ausstellungsflächen in den Wandel-Hallen nicht das Problem. Trotzdem hielt sich der Zulauf der Kunstliebhaber in den vergangenen Wochen in Grenzen. »Viele Menschen sind noch zurückhaltend«, beschreibt Ina Dinter, Leiterin des Kunstmuseums. Hinzu kommt, dass das Kunstpublikum oft überregional unterwegs ist: Da den Überblick zu behalten, ist fast unmöglich. »Manche warten, bis alles wieder normal ist«, mutmaßt sie.

»Die Leute waren stinksauer«

Ganz anders als im Kunstmuseum ist die räumliche Lage im verwinkelten Heimatmuseum. Alle Räume permanent im Blick zu behalten, ist dort nicht möglich. »Im vergangenen Sommer hat sich gezeigt, dass sich die Menschen selbst automatisch an die Abstandsregeln halten«, berichtet die stellvertretende Leiterin Eva Bissinger.

Eva Bissinger.
Eva Bissinger. Foto: GEA-Archiv
Eva Bissinger.
Foto: GEA-Archiv

Kontrolliert werde die Zahl der Besucher am Ein- und Ausgang. Noch unklar war vergangene Woche, wie das Thema Veranstaltungen in den kommenden Wochen gehandhabt wird: Bislang sind dort weder Führungen noch Kindergeburtstage oder die Reihe Kultur und Café für Senioren geplant.

Genauso wie das Heimatmuseum hat das Naturkundemuseum die Zeit der Pandemie genutzt, um mit Volldampf hinter den Kulissen zu arbeiten: Karteikarten mussten digitalisiert, Datenbanken aktualisiert und ergänzt werden. »Wir hatten Zeit für Dinge, zu denen wir sonst nicht gekommen wären«, sagt Eva Bissinger. Im Naturkundemuseum stand mehr Personal als sonst für die Inventarisierung zur Verfügung – »eine wichtige Voraussetzung, um Lücken in der Sammlung ausfindig zu machen und um zu erfassen, was man hat und was man zeigen will«, sagt Museumsleiterin Dr. Barbara Karwatzki. 

Barbara Karwatzki.
Barbara Karwatzki. Foto: GEA-Archiv
Barbara Karwatzki.
Foto: GEA-Archiv

Für den Einzelhandel im Kreis Reutlingen gilt seit gestern: Tests sind nicht mehr notwendig, in den Verkaufsräumen ist nicht mehr als eine Person pro zehn Quadratmeter Fläche zugelassen (bei mehr als 800 Quadratmetern für die darüber hinausgehende Fläche ein Kunde auf 20 Quadratmeter). »Der Schritt stellt eine Verbesserung für den Handel dar. Wir sind aber noch weit entfernt von einem Normalbetrieb«, kommentiert Christian Wittel, Vorsitzender der Interessengemeinschaft »RT aktiv« die Lockerungen. Nicht nur in den Museen, auch im Handel habe die Öffnungsstufe 1 »für ziemliche Verwirrung gesorgt«. Die dürfte nun vorbei sein. Neben den Hygienemaßnahmen bleibt das Verbot von frequenzsteigernden Verkaufsaktionen: »Letzteres macht Restart-Aktionen quasi unmöglich, weshalb wir bis auf Weiteres von jeglichen Aktionen absehen.« (GEA)