REUTLINGEN. Wenn das Landratsamt in die Stuttgarter Straße umzieht, wird es erstmal ruhiger in der Oststadt. Ob Jugendamt, Sozialdezernat, Schul- oder Gesundheitsamt: Alles kommt im Neubau unter, die bisher vom Landkreis belegten Gebäude samt denkmalgeschütztem Verwaltungssitz in der Bismarckstraße werden frei für Neues. »Das ist eine Riesen-Chance«, sagt Stefan Dvorak, Chef des Reutlinger Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung. Nicht nur, was die Kreisliegenschaften betrifft, sondern auch die vielen Parkplätze oder andere versiegelte Flächen, für die effizientere und nachhaltigere Nutzungen möglich sind. Eine Machbarkeitsstudie soll aufzeigen, wohin die Reise gehen könnte. Das Land unterstützt das Vorhaben: Es fördert das Projekt »Quartier B« über sein Programm »Flächen gewinnen durch Innenentwicklung«.

Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen bezuschusst 23 Maßnahmen mit insgesamt 978.000 Euro, Reutlingen ist mit 72.500 Euro für sein »Quartier B« dabei. Mit »Entsiegeln, entwickeln, entfalten. Klimafreundliche Nachverdichtung und freiräumliche Aufwertung eines Gründerzeitquartiers in der Reutlinger Oststadt« ist die Zielsetzung im Förderantrag beschrieben. Das passt ins Programm des Landes, das die Aktivierung und attraktivere Gestaltung von Innenflächen fördern will. »Es geht darum, wie das Quartier künftig gut entwickelt werden kann«, nennt Stefan Dvorak die Marschrichtung der Machbarkeitsstudie, die Grundlage des weiteren Verfahrens sein soll.
Markante Immobilien
Das läuft bereits, im April 2024 hat der Gemeinderat die Aufstellung des Bebauungsplans »Zwischen Karl-, Kaiser-, St. Wolfgang- und Bismarckstraße« beschlossen. Mit dem Umzug des Landratsamtes werden viele große, teils auch sehr markante Immobilien der Kreisverwaltung »entmietet oder verkauft«, wie es in der Vorlage heißt. Die Stadt will nicht nur deren Nachnutzung steuern können, sondern das Areal im Ganzen aufwerten und auch klimafreundlicher gestalten.
Laut Bebauungsplan soll das Areal zwischen Karl-, Kaiser-, St. Wolfgang- und Bismarckstraße das bleiben, was es seit der Gründerzeit ist: ein Viertel, das geprägt ist von wichtigen Ämtern, von Verwaltungs- und Büronutzungen, aber auch von Einzelhandel und Gewerbe. Die Stadtverwaltung will es deshalb als gemischtes Gebiet und damit als »zentralen Standort für Arbeitsplätze«weiter entwickeln. Wohnen soll wie bisher nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Ausloten, was möglich ist
Dem Stadtplanungsamt geht es aber nicht nur um die Nachnutzung der Kreis-Liegenschaften, sondern auch um die Entwicklung der vor allem im Innenbereich ausgemachten Freiflächen sowie der versiegelten, »untergenutzten« Grundstücke, wie etwa Stellplätze, Garagen oder Nebenanlagen. Neu bebauen, entsiegeln und begrünen, Regenwassermanagement - in der Machbarkeitsstudie soll ausgelotet werden, was möglich und städtebaulich sinnvoll ist. Eine Bebauung und Verdichtung untergenutzter Grundstücke sei erwünscht, heißt es zur Zielsetzung, gleichzeitig gelte es, »in stark versiegelten Bereichen die Anforderungen an die dringend notwendige Klimaanpassung zu berücksichtigen«. (GEA)

