Die 22-jährige Studentin (Theologie-, Politik- und Germanistik auf Lehramt) kann bereits auf ein vielfältiges politisches Engagement zurückblicken, nachdem sie sich die ersten Sporen im Reutlinger Jugendgemeinderat verdient hatte. Im Zuge der Verjüngungsbemühungen der SPD-Fraktion wurde sie bei der Wahl im Juni auf einen vorderen Listenplatz gesetzt und prompt in den Gemeinderat gewählt.
1 Mit welchen Zielen sind Sie angetreten und wie lautet Ihre erste Bilanz?
Silke Bayer: Bei Antritt des Mandates wusste ich ja schon, welche finanzielle Katastrophe auf uns zurollt. Deshalb habe ich mir gut überlegt, ob ich mich dieser Riesenverantwortung stellen kann und möchte. Vor allem habe ich mir versucht vorzustellen, wie es sein wird, Schadensbegrenzung zu betreiben, anstatt gleich meine neuen Ideen umsetzen zu können. Insofern bin ich jetzt nicht überrascht. Ich möchte eine gerechtere Lastenverteilung und an diesem Punkt wird gerade zu Zeiten knapper Kasse viel und intensiv gerungen. Davon abgesehen merke ich, wie schwierig es ist, Sprachrohr für all diejenigen zu sein, die in keiner Lobby vertreten sind. Ich möchte nach wie vor eine Politikerin sein, die man offen und direkt ansprechen kann. Ich antworte dann direkt und transparent.
2 Mit welcher Person im Gremium können Sie am besten streiten und warum?
Bayer: Am besten gestritten habe ich seit Amtsantritt zweifelsfrei mit Peter Voss (Anm. der Redaktion: Vorsitzender der Interessengemeinschaft für ein attraktives Reutlingen, RT-Aktiv). Aber der sitzt ja nicht im Gemeinderat. Ansonsten habe ich noch mit keinem aus dem Gremium heiße Debatten geführt. Dafür freue ich mich, dass wir innerhalb der Fraktion konstruktiv streiten können. Besondere Früchte tragen dabei die Diskussionen mit meinem Genossen Johannes Schempp. Er hat immer eine klare Linie und arbeitet sehr zielführend. Wirklich sehr angenehm.
3 Nehmen die »Platzhirsche« im Gemeinderat eine junge Frau ernst oder müssen Sie um Ihre Akzeptanz kämpfen?
Bayer: Die Frage habe ich mir nie gestellt. Was bestimmt auch bedeutet, dass ich keinen Grund habe, sie mir zu stellen. Bisher sind mir alle freundlich und respektvoll begegnet. Ich denke, es kommt auch immer darauf an, in welcher Rolle man sich selber sieht. Hinter jedem »Platzhirsch« steckt auch nur ein Mensch mit seinen Stärken und Schwächen. Durch meine Aktivität im Jugendgemeinderat habe ich eine gewisse kommunalpolitische Kompetenz erlangt, die mir den Start sicher erleichtert hat. (igl)

