REUTLINGEN. Für Schwangere bietet das Klinikum am Steinenberg jetzt auch die Möglichkeit, ihr Kind in einem hebammengeleiteten Kreißsaal zur Welt zu bringen. Das Angebot richtet sich an Frauen, die eine natürliche Geburt erwarten und möglichst wenig Medizin wünschen. Für Sicherheit sorgen im Fall von Schwierigkeiten bei der Entbindung im Hintergrund die Frauenklinik und Kinderklinik mit ihren umfassenden Kompetenzen.
»Es ist ein Angebot für gesunde Schwangere, die sich eine natürliche Geburt wünschen«, erklärt die leitende Hebamme Monika Stier. Ein hebammengeleiteter Kreißsaal bedeute, dass im Gegensatz zu einer klassischen Entbindung kein Arzt, sondern eben eine hochqualifizierte Hebamme das Sagen im Raum hat. Gemeint sind damit ausschließlich bei den Kreiskliniken angestellte Hebammen, es handelt sich nicht um eine Offerte an freie Hebammen. Im Kreißsaal des Klinikums wird eine 1:1 Betreuung gewährleistet. Ansonsten entfällt, was manche Frauen stören könnte. »Medizinische Maßnahmen werden heruntergefahren, wenn die Frau das möchte« ergänzt die akademisierte Hebamme Rhoda Hövemeyer: kein venöser Zugang am Arm, kein Ultraschall, keine Periduralanästhesie oder starke Schmerzmittel.
Komplette medizinische Kompetenz verfügbar
»Wir wollen auch Frauen ansprechen, die sich eine Hausgeburt oder Entbindung im Geburtshaus vorstellen«, erklären die Hebammen. Es gebe jedoch für Mutter und Kind einen wesentlichen Unterschied, falls es Veränderungen im Geburtsverlauf gibt. Weil sich die werdende Mutter bereits im Krankenhaus befindet, sind Ärztinnen oder Ärzte sowie das komplette, unter Umständen lebensrettende Programm bis hin zur Intensivmedizin ganz schnell verfügbar, während ansonsten erst noch der Rettungswagen gerufen werden muss.
Hebammengeleiteter Kreißsaal stellt sich vor
Am Samstag, 15. November, lädt das Klinikum am Steinenberg ein, den neuen hebammengeführten Kreißsaal kennenzulernen. Zwischen 11 und 15 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich zu informieren, den Kreißsaal und die Geburtsstation zu besichtigen und sich ein eigenes Bild von den Räumlichkeiten zu machen. Hebammen stehen am Infotag für Gespräche und Fragen zur Verfügung und geben Einblicke in die Arbeitsweise und Philosophie des hebammengeführten Kreißsaals. Auch Chefarzt Dr. Lars Norrenberg, Leiter der Frauenklinik, wird vor Ort sein. (pr)
Zwei Jahre lang haben die Hebammen im Klinikum an dem Konzept gearbeitet. Es beinhaltet einen Katalog von Kriterien, nach denen gemeinsam mit der Schwangeren entschieden wird, ob eine hebammengeleitete Geburt passend ist. Mindestens zwei Sprechstunden sollten Frauen besuchen, die sich für diese natürliche Geburtsform interessieren. Weitere Gelegenheit, alle Fakten zu erfahren, sowie Fragen zu stellen, bietet ein Informationstag im Klinikum am Samstag, 15. November, von 11 bis 15 Uhr. Wegweiser am Eingang und im Haus führen zum Veranstaltungsort.
Besichtigt wird am Infotag auch einer der Kreißsäle am Steinenberg. Frauen und ihre Partner können sich selbst davon überzeugen, wie individuell dort eine Geburt gestaltbar ist. Keinerlei furchteinflößende Möbel oder Gerätschaften, stattdessen beispielsweise eine Badewanne für die Wassergeburt oder alternative Gebärpositionen und vieles mehr. Möglich sind auch der Einsatz von Aromatherapien oder von homöopathischen Mitteln. Es gibt vieles, was gut tut.
Die Verantwortlichen der Kreiskliniken sehen im hebammengeleiteten Kreißsaal Vorteile für alle Seiten. Werdende Mütter haben mehr Wahlmöglichkeiten. Das Klinikum am Steinenberg solle dadurch noch attraktiver für Schwangere werden, was sich auch in den Bilanzen niederschlagen könnte. Schließlich sorgt das Geburtskonzept für mehr Attraktivität plus einer Aufwertung des Hebammenberufes. »Wir hatten viele Fortbildungen«, sagt die leitende Hebamme Monika Stier. Durch die eigene Ausbildung im Haus sei es auch gelungen, junge Kolleginnen zu gewinnen. (GEA)

