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Aktuell Brauchtum

Narren in der Region gerüstet: S‘ goht dagege!

Fastnachtvereine in der Region haben ihre Utensilien abgestaubt und den Nachwuchs getauft. Was es mit dem Brauchtum auf sich hat und wie das Abstauben in Betzingen, Reicheneck und Gomaringen ablief.

Origineller Fasnetsauftakt in Gomaringen: Der Breiabender verschafft sich mit seiner Kuh Respekte bei den Käsperle im Schlosshof
Origineller Fasnetsauftakt in Gomaringen: Der Breiabender verschafft sich mit seiner Kuh Respekte bei den Käsperle im Schlosshof Foto: Jürgen Meyer
Origineller Fasnetsauftakt in Gomaringen: Der Breiabender verschafft sich mit seiner Kuh Respekte bei den Käsperle im Schlosshof
Foto: Jürgen Meyer

REUTLINGEN/GOMARINGEN. Schon wieder Fasnet?! Endlich, sagen zumindest 26 Prozent der vom Baden-Württemberg-Report repräsentativ befragten Menschen im Südwesten. Und da sind dann noch die 66 Prozent, die mit der Fünften Jahreszeit nichts am Hut, respektive Häs, haben. Nun ja, die Weihnachtsbäume sind noch nicht mal alle abgeräumt, die Silvesterraketen-Reste liegen noch rum, da stand also schon das nächste »Event« an – das Dreikönigsfest.

Auch für die Narrenzünfte in der Region ist das der Beginn der schönsten Wochen des Jahres. Dass Epiphanias, so der eigentliche Name des 6. Januars, »der Tag der Erscheinung Gottes durch seinen Sohn in der Welt«, das zweitälteste Hochfest der Christenheit ist, gerät dabei immer mehr in den Hintergrund.

Upps, da ging der Brei am Täufling vorbei: Aufnahmeritual für den Narrensamen bei den Gomaringer Käsperle.
Upps, da ging der Brei am Täufling vorbei: Aufnahmeritual für den Narrensamen bei den Gomaringer Käsperle. Foto: Jürgen Meyer
Upps, da ging der Brei am Täufling vorbei: Aufnahmeritual für den Narrensamen bei den Gomaringer Käsperle.
Foto: Jürgen Meyer

Geehrt wird seit dem 3. Jahrhundert der Tag, an dem »drei Weise aus dem Morgenland« Jesus Christus als »wahren König der Welt« huldigten. Am Dreikönigstag endet damit auch die besinnliche Advents- und Weihnachtszeit – der ursprünglich die erste von zwei 40-tägigen Fastenzeiten vorausging, die am 11.11. begonnen hat. Es enden auch die zwölf Raunächte - die »Zeit zwischen den Jahren«. Denn sowohl der erste Weihnachtstag wie der 6. Januar variierten im Mittelalter als Jahresanfänge. Erst seit 1691 ist der 1. Januar offizieller Jahresbeginn.

Käsperle erwecken

Und so hat sich nach dem liturgischen Angelusläuten um zwölf Uhr ein neues Brauchtum verfestigt: Der Auftakt zur Vorfastenzeit, die in diesem Jahr 40 Tage dauert, ehe zwischen Fastnachtsmontag und Aschermittwoch ihr absoluter Höhepunkt erreicht wird. Bevor dann die zweite, österliche Fastenzeit beginnt.

Mit Guggenmusik wurden die Narren in Reicheneck aus dem Schlaf gerissen
Mit Guggenmusik wurden die Narren in Reicheneck aus dem Schlaf gerissen Foto: Jürgen Meyer
Mit Guggenmusik wurden die Narren in Reicheneck aus dem Schlaf gerissen
Foto: Jürgen Meyer

Am Dreikönigstag wurden im schwäbisch-alemannischen Kulturraum, mittendrin die Region Neckar-Alb, in allen möglichen Variationen die Masken symbolisch abgestaubt. Es galt, die übers Jahr weggeschlossenen Utensilien aus den Schränken zu holen und zu säubern. Mit viel Musik, wie bei den Brass Bandits in Reicheneck - aber allerorts auch mit allerlei lustigen Einlagen.

Feuriger Auftakt zur schönsten Zeit des Jahres in Reicheneck.
Feuriger Auftakt zur schönsten Zeit des Jahres in Reicheneck. Foto: Jürgen Meyer
Feuriger Auftakt zur schönsten Zeit des Jahres in Reicheneck.
Foto: Jürgen Meyer

So war bei den Gomaringer Käsperle der Zunftname wieder Programm. Die rund 40-köpfige Hästräger-Gruppe musste zunächst ihre Hauptfigur wecken. Der Kobold wurde in einer Schattentheater-Aufführung im bitterkalten Schlosshof mit Glockenlärm aus dem Schlaf gerissen. Kaum erwacht, säuberte er sein blau-weiß-rotes Kleid und zog es an. Dann fiel der Vorhang und eine Vielzahl an Kobolden tanzte zum Käsperle-Lied. Und es wurden noch mehr. Angeführt von Büttel Philipp Becker, der ausrief:»Bis Aschermittwoch gilt jetzt: Käsperle, sei still!«

Denn hier im Schloss, so klingt die Sage, spukt er herum, seit man ihn, einen ehemaligen Vogt, wegen Betrugs zum Herumgeistern verdammt hatte. Aber auch der Breiabender – der zur Figur gewordene Ortsneckname – darf jetzt wieder eine Pfanne mit Habermus hinter sich herziehen. Sofern von der Taufe der Zunft-Neulinge noch etwas Brei übriggeblieben ist. Denn den Jungnarren wurden in einem Schaukelstuhl die Köstlichkeit verabreicht. Sehr zur Freude der reichlich versammelten Zaungäste um Zunftmeister Christoph Alznauer.

Betzinger stauben ab

Schauplatz der ältesten Reutlinger Vorstadt-Fasnet ist die Betzinger Mühle. Hier ließen der neue Zunftmeister Matthias Märzweiler nach einer launigen Erzählung über die Entstehungsgeschichte, und die zwei Einzelfiguren Müller samt Müllerin, nicht die Katzen aus dem Sack, sondern aus der Truhe. Gottlob nicht alle rund achtzig Aktiven der Betzinger Krautskräga. Sonst wären Kerstin Schmid und Friedmann Rupp mit dem Abstauben gar nicht fertig geworden.

Aus der Truhe in die neue Fasnet-Saison entlassen: die Betzinger Mühla-Katza.
Aus der Truhe in die neue Fasnet-Saison entlassen: die Betzinger Mühla-Katza. Foto: Jürgen Meyer
Aus der Truhe in die neue Fasnet-Saison entlassen: die Betzinger Mühla-Katza.
Foto: Jürgen Meyer

Kaum herausgeputzt, sorgten sie für beste Stimmung. Äußerst akrobatisch sind die Mühla-Katza, von den Leistungen der Kinder-Pyramiden ganz zu schweigen. Dass da eigentlich jeder mitmachen will, zeigte sich bei der Taufe von 14 Neulingen. Während die kleinsten Katzen ein Fischstäbchen verabreicht bekamen, mussten die älteren eine an einer Schnur angebundene Wurst schnappen. (GEA)

Aufnahmeprüfung zur Mühla-Katz: das Wurstschnappen
Aufnahmeprüfung zur Mühla-Katz: das Wurstschnappen Foto: Jürgen Meyer
Aufnahmeprüfung zur Mühla-Katz: das Wurstschnappen
Foto: Jürgen Meyer