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Aktuell Gründermesse

Mut tanken und Kontakte knüpfen

REUTLINGEN. Wer wissen will, wie es um das Wirtschaftsleben in der Region bestellt ist, für den ist die Gründermesse in der Stadthalle ein Pflichttermin. Junge Unternehmen, Start-ups aus Hightech und Hochschulen sowie Schülerfirmen präsentierten gestern kreative Innovationen, Produkte und Dienstleistungen aus diversen Themenbereichen.

Gründermesse Reutlingen 2017
Foto: Gerlinde Trinkhaus
Foto: Gerlinde Trinkhaus
Reisen und Gesundheit, Energiesparen und Upcycling, Textil, Handwerk, Bauen und Holz, Kommunikation, Coaching und Sprache, verpackungsfreies Einkaufen, Mode und Stil, Outdoor- und Walderfahrung, Sportangebote, Energie und Ökologie sind Geschäftsfelder der Unternehmen, die bei ihrem Messeauftritt nicht älter als fünf Jahre sind. Aber auch Stände mit Kulinarischem, vom Honig über Wein, Käse und Gewürzen, waren vom Publikum umlagert.
»Wir haben die geballte Kompetenz vor Ort«
Wer sich dafür interessierte, wie sich eine unternehmerische Karriere befeuern lässt, bekam Ratschläge von Experten der Kammern, aus Finanzwesen, Unternehmensberatung und Coaching. Welche Fördermittel stehen zur Verfügung? Welche Vertriebsstrategien sind die richtigen? Welche Partner sind bei der Gründung eines Unternehmens wichtig? – Fragen, die immer wieder gestellt und beantwortet wurden. »Wir haben die geballte Kompetenz vor Ort«, sagte Finanzbürgermeister Alexander Kreher. Auf drei Etagen bot sich den Besuchern »eine unglaubliche Themenvielfalt«, die mit 24 Vorträgen angereichert wurde. »Man kann nicht früh genug damit anfangen, für eine Selbstständigkeit zu werben«, sagte Alexander Kreher und nannte es eine »zentrale Aufgabe« einer Kommune, Veranstaltungen wie die Gründermesse zu unterstützen.

Den Menschen Mut machen auf dem Weg in die Selbstständigkeit sei auch für die Landesregierung ein wichtiges Anliegen, sagte Hubert Wicker, seit Juni des vergangenen Jahres Ministerialdirektor im baden-württembergischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau. Die Messe leiste jedenfalls einen wichtigen Beitrag, um Gründer-Ideen transparent zu machen, sagte Hubert Wicker.

Vielleicht noch wichtiger als geballte Information war das Knüpfen von Kontakten. Weil aber pfiffige Ideen manchmal nicht ausreichen und Erfahrung nicht mit Gold aufzuwiegen ist, können sich potenzielle Firmengründer an die »Senioren der Wirtschaft« wenden, einen Verein, dessen 45 Mitglieder viel unternehmerisches Wissen ehrenamtlich zur Verfügung stellen.

Die ehemaligen Führungskräfte und Unternehmer aus Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleistung und freien Berufen sind im Ruhestand, aber alles andere als ruheständlerisch unterwegs. Sie begleiten Gründer, Start-ups und mittelständische Unternehmen als Berater, Coach und Sparringspartner bei der Unternehmens-Gründung, -Entwicklung und -Sicherung sowie bei der Übergabe und Übernahme von Unternehmen. »Wir stehen dem Nachwuchs mit Rat und Tat zur Seite«, sagte Peter Rall, ehemaliger Unternehmer und Mitglied des seit 1987 existierenden Vereins.
»Wir stehen dem Nachwuchs mit Rat und Tat zur Seite«
Erneut haben sich am Abend zehn Gründungen dem Wettbewerb der Ifex (Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg) gestellt. Sie präsentierten beim »Elevator Pich – Regionalcup Neckar Alb« ihr Konzept in drei Minuten dem Publikum und einer Jury (wer gewonnen hat, lag bis Redaktionsschluss nicht vor).

Auf großes Interesse stieß am Nachmittag ein Auftritt von Dominik Kuhn. Der Reutlinger Produzent, Regisseur, Comedian, Musiker und Übersetzer sprach vor 200 Zuhörern über »Kommunikation 4.0 – Asoziale Medien«. Der Vortrag, den Dominik Kuhn gestern zum ersten Mal hielt, beschäftigte sich mit Facebook, YouTube, WhatsApp & Co und geriet zur Generalabrechnung mit dem zwanghaften Bedürfnis nach dauerhafter Kommunikation. Immer und überall erreichbar zu sein und immer und überall ungefragt seine Meinung in die Welt zu blasen, mache krank und Präsidenten wie Donald Trump erst möglich. »Ohne Social Media hätte der die Wahl nicht gewonnen.« (GEA)