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Aktuell Kreativität

Mosaik-Stühle für die Reutlinger Innenstadt

Ferda-International vom Reutlinger Familienforum bestückt mit zehn Frauen und zwei Männern Stühle für die Reutlinger Innenstadt mit Mosaiken.

Angehende Künstlerinnen aus vielen unterschiedlichen Ländern haben 14 Mosaik-Stühle hergestellt.
Angehende Künstlerinnen aus vielen unterschiedlichen Ländern haben 14 Mosaik-Stühle hergestellt. Foto: Norbert Leister
Angehende Künstlerinnen aus vielen unterschiedlichen Ländern haben 14 Mosaik-Stühle hergestellt.
Foto: Norbert Leister

REUTLINGEN. Sie sind bunt, sie setzen sich aus sehr unterschiedlichen Mustern zusammen und fordern bei der Herstellung höchste Konzentration: 14 Stühle aus dem Fundus der Christuskirche sind durch insgesamt zehn Frauen und zwei Männer ein zweites Leben eingehaucht worden. Die Mosaik-Gestalter trafen sich unter der Anleitung der Reutlinger Künstlerin Susanne Immer und Susanne Stutzmann von Ferda International in viermal zwei Einheiten jeweils donnerstags und samstags, um dieses Projekt gemeinsam anzugehen.

Entstanden sind dabei streng geometrische Formen, aber auch Bilder, die an abstrakte Kunst erinnern. Ein einstmals unscheinbarer Stuhl verwandelte sich so in einen Thron. Auf einer Sitzfläche ist ein Keltenkreuz deutlich zu erkennen. Kann es sein, dass eine Irin das hergestellt hat? Na klar, das müsse schon sein, sagt die Frau, die schon seit vielen Jahren in Reutlingen wohnt. »Hier haben sich ganz viele Nationalitäten eingebracht – Menschen aus Eritrea, Italien, Japan, Türkei, Ukraine und anderen Ländern«, berichtet Susanne Stutzmann, die Gelder für das Projekt bei ZIZ (Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren) beantragt hatte. »Die Stadt hat noch ein bisschen was draufgelegt«, so Stutzmann.

Bezahlt werden damit die Dozentin Immer sowie Materialkosten. Der Kurs war im Übrigen kostenfrei. Die Idee der Mosaike sei nicht ganz neu, erklärt Stutzmann. Schon vor sieben Jahren waren Sitzsteine für die VHS und das Haus der Familie in der Pestalozzistraße von Interessierten unter der Leitung von Ferda hergestellt worden. Auch damals war Susanne Immer dabei. In der Folgezeit wurden immer wieder kreative Dinge gestaltet, kleinere, Töpfe, Gefäße.

»Das ist eine sehr gemeinschaftsstiftende Idee«

»Einmal Mosaik, immer Mosaik« schmunzelt die Künstlerin. Sie sei sogar nach Ravenna gereist, um sich berühmte Mosaike vor Ort anzusehen. Manche der heimlichen Reutlinger Künstler haben in der Volkshochschule nicht nur die Sitzfläche eines Stuhls mit einem Mosaik versehen, sondern auch die Lehne. »Das ist aber wegen der Wölbung etwas tricky«, so Immer.

Vorstellbar ist nach den Worten von Thomas Becker von der VHS durchaus, dass so eine Aktion mit Stühlen wiederholt werden könne. »Das ist eine sehr gemeinschaftsstiftende Idee und braucht keine künstlerische Vorbildung«, so Becker. Die Faszination von Mosaiken sei überall vorhanden, in jeder Kultur, in so gut wie jedem Land auf dieser Erde. »Solange Susanne Immer sich das antut, kann es weitergehen.«

»Die Aktion schreit förmlich nach einer Fortsetzung«

Auch Susanne Stutzmann würde gerne weitermachen. Aber erstmal müssten die 14 Stühle unter die Leute in der Innenstadt gebracht werden. Ein paar Einzelhändler hätten schon Interesse angemeldet, die anderen Stühle gehen an öffentlichen Einrichtungen. Am 26. Juli soll eine öffentliche Stuhl-Mosaik-Präsentation zusammen mit StaRT, dem Reutlinger Stadtmarketing, über die Bühne gehen. »Wie das geschehen soll, das muss noch festgelegt werden«, sagt Stutzmann.

"Die Mosaik-Stühle stehen für Vielfalt, Kreativität und Gemeinschaft – und somit für Werte, die Reutlingen auszeichnen", betont Stutzmann. Bei verschiedenen Veranstaltungen in der Stadt sollen die Stühle künftig sichtbar werden, bei der Interkulturellen Woche etwa, beim Toskanischen Markt. »Die Aktion schreit förmlich nach einer Fortsetzung«, sagt die Initiatorin von so zahlreichen Projekten.

Weitere Stühle könnten mit Mosaiken versehen werden. Aber auch Wände. Große Wände. Wenn man mit diesem Gedanken durch Reutlingen laufe, dann würden zahlreiche Objekte ins Auge stechen, sagt Stutzmann. Es gebe jede Menge Wände, die eine Aufwertung vertragen könnten. (GEA)