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Mehr Mitarbeiter als Impflinge im Reutlinger Kreisimpfzentrum

Seit einer Woche wird im Kreuzeiche-Stadion geimpft. Noch sind täglich mehr Mitarbeiter als Impflinge vor Ort.

Kreisimpfzentrum Reutlingen im Kreuzeichestadion
Der Eingang zum Kreisimpfentrum Reutlingen im Kreuzeiche-Stadion. Foto: Frank Pieth
Der Eingang zum Kreisimpfentrum Reutlingen im Kreuzeiche-Stadion.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Seit Freitag vergangener Woche ist das Kreisimpfzentrum (KIZ) im Reutlinger Kreuzeichestadion in Betrieb. Doch noch immer kommt bei den Ländern und damit auch im Reutlinger KIZ zu wenig Impfstoff an. Baden-Württemberg verfolgte zudem bisher die Strategie, Impfdosen zurückzuhalten, um jedem Geimpften auch die spätere zweite Dosis garantieren zu können. Gestern vermeldete das Land allerdings, künftig doch teilweise auf die Reserven zurückgreifen zu wollen. Bisher wurde aber auch in Reutlingen noch mit stark angezogener Handbremse geimpft. Nur 30 statt den eigentlich erhofften 750 Impfungen pro Tag, wurden bisher im KIZ vorgenommen. Ein Kreisimpfzentrum mit 30 Impflingen pro Tag – einige Hintergründe zum laufenden Betrieb.

Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg 50 Kreisimpfzentren. Offizieller Betreiber der Impfzentren ist das Land. Die Landkreise sind als Vor-Ort-Partner für die Organisation und Umsetzung der Impfungen zuständig. Bis zu 150 000 Euro können Kreisimpfzentren laut Sozialministerium für den Auf- und Abbau beim Land geltend machen, teilt das Landratsamt mit. Ebenso monatliche Sachkosten in Höhe von bis zu 91 400 Euro.

35 Mitarbeiter pro Tag im Einsatz

Die Ultratiefkühlschränke zur Lagerung des Impfstoffes werden vom Sozialministerium bereitgestellt. Im Reutlinger KIZ sind aktuell ein Ultratiefkühlschrank mit einer Kühltemperatur von minus 75 Grad und zwei medizinische Kühlschränke mit einer Kühltemperatur von zwei bis acht Grad im Einsatz. Insgesamt 585 Impfdosen bekam der Kreis Reutlingen, wie berichtet, pro Woche vom Land geliefert. 385 davon gehen bisher an stationäre Einrichtungen der Altenpflege, 150 ans KIZ und weitere 50 an die Mitarbeiter der Reutlinger Kliniken.

Derzeit seien insgesamt 35 Mitarbeiter pro Tag im Reutlinger Kreisimpfzentrum im Einsatz, teilt das Landratsamt auf GEA-Anfrage mit. Darunter Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Verwaltungsmitarbeiter, die die Registrierung und Dokumentation übernehmen. Außerdem weitere Mitarbeiter, die als Ansprechpartner für Verständnisfragen bereitstünden, sowie Reinigungskräfte und Sicherheits-Personal. Das sind mehr Mitarbeiter, als derzeit Menschen geimpft werden.

Sollte das Impfzentrum irgendwann bei 750 täglichen Impfterminen unter Volllast laufen, geht das Landratsamt von 82 Mitarbeitern aus, die jeden Tag im KIZ vor Ort sein werden.

Bisher 660 Menschen geimpft

Das Sozialministerium schreibt vor, dass der Impfbetrieb in der Regel von 7 bis 21 Uhr in zwei Schichten an sieben Tagen pro Woche durchgeführt werden soll. Aktuell wird im Reutlinger Kreisimpfzentrum montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr ein Einschichtbetrieb mit vier Ärzten gefahren. Ein weiterer Arzt ist mit zwei medizinischen Fachkräften und einem Fahrer als mobiles Impfteam in stationären Einrichtungen der Altenhilfe unterwegs.

»Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aus den verschiedensten Tätigkeitsbereichen kommen, wachsen als Team zusammen«, so das Fazit von Landrat Thomas Reumann nach einer Woche Impfbetrieb. Bis gestern seien im Kreis Reutlingen insgesamt 660 Menschen geimpft worden.

Die Mitarbeiter, die im KIZ tätig sind, konnten sich freiwillig für einen bezahlten Einsatz in einem der 50 Kreisimpfzentren im Land melden. Unter anderem bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Auch Ärzten, die sich bereits im Ruhestand befinden, steht der Dienst in einem der KIZs offen. Insgesamt rund 6 300 Ärzte und über 10 000 medizinische Fachangestellte hätten sich allein bei der KVBW gemeldet, sagt Kai Sonntag, Sprecher der KVBW. Anschließend wurden die Freiwilligen an das jeweilige Kreisimpfzentrum weitervermittelt.

Für den Einsatz im Reutlinger KIZ haben sich laut Landratsamt insgesamt 213 Ärzte und Ärztinnen gemeldet. Diese kämen hauptsächlich aus dem Kreis Reutlingen, vereinzelt auch aus den Kreisen Tübingen, Zollernalb, Esslingen und Stuttgart. Die Einsatzplanung und das Stundenhonorar von 130 Euro für die KIZ-Ärzte hat GEA-Informationen zufolge vorab innerhalb der Ärzteschaft zu Unmut geführt. Die Hauptaufgabe der Ärzte im KIZ ist das Führen von Aufklärungsgesprächen. Eine im Kreis niedergelassene Ärztin empfindet den Stundenlohn und den Einsatz von vier Ärzten für 30 Impflinge als »ungerechtfertigt«. Im Vergleich: Ein »normaler Notfalldienst« werde mit rund 50 Euro vergütet.

Die Höhe des Ärzte-Honorars wird vom Land festgelegt. Das Sozialministerium beruft sich angesichts der Kritik auf die KVBW. Die Vereinigung habe zu Beginn der Pandemie mit diesem Stundensatz Ärzte für die Abstrichstellen und Fieberambulanzen gewinnen wollen. »An diesen Zahlen haben wir uns auch in den Impfzentren orientiert«, so Claudia Krüger, Pressesprecherin des Sozialministeriums.

Medizinische Fachangestellte in Kreisimpfzentren bekommen bis zu 50 Euro pro Stunde, alle anderen Mitarbeiter, etwa in der Verwaltung, bis zu 27,60 Euro pro Stunde. (GEA)