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Kreisklinik Reutlingen jetzt mit größerer Apotheke

Im neuen Modulbau der Zentralapotheke des Klinikums am Steinenberg werden Krebsmedikamente und Nährlösungen für Neugeborene hergestellt. Worauf es dabei besonders ankommt.

Die Herstellung von Infusionen für Krebskranke erfordert sterile Bedingungen und einen hohen Schutz des Personals.
Die Herstellung von Infusionen für Krebskranke erfordert sterile Bedingungen und einen hohen Schutz des Personals. Foto: Stephan Zenke
Die Herstellung von Infusionen für Krebskranke erfordert sterile Bedingungen und einen hohen Schutz des Personals.
Foto: Stephan Zenke

REUTLINGEN. Was in diesem langweilig aussehenden Gebäude hergestellt wird, kann Leben retten. Direkt vor dem Haupteingang des Klinikums am Steinenberg ist der 7,1 Millionen Euro teure neue Modulbau zur Erweiterung der Zentralapotheke jetzt fertig. Unter sterilen Bedingungen werden dort Infusionen für Krebskranke gemischt sowie Ernährungslösungen für Neugeborene produziert. Bevor nur noch reinkommt, wer dort arbeitet, konnte am Donnerstag ein Blick in das Gebäude geworfen werden.

Genau gegenüber von den bisherigen Räumen der Zentralapotheke ist der Neubau ein aus fertigen Modulen zusammengesetztes Ganzes. Sieben Elemente ergeben insgesamt eine Nutzfläche von 125 Quadratmetern, die zu den bereits vorhandenen 700 Quadratmetern der Apotheke dazukommen. Die Räume sind klein, aber höchst rein. »Das ist eine sterile Abteilung mit zwei Bereichen«, erklärt Chefapothekerin Josefine Restle. Alles ist auf maximale Sauberkeit ausgerichtet. Zu den Produktionsräumen führen teils dreifache Schleusen. »Glatt und leicht desinfizierbar« ist nach Restles Worten alles hier – von den weißen Wänden bis zum grauen Kunststoffboden. Fenster lassen sich nur als Notausgang öffnen.

»Tagesaktuell hergestellte individuelle Infusionen«

Das Personal muss sich vor der Arbeit teilweise entkleiden. »Man trägt sterile Kleidung sowie einen Übermantel. Dazu Haube, Mundschutz und Handschuhe«, beschreibt die Leiterin der Zentralapotheke einen Teil der Bemühungen um Keimfreiheit. Das gilt für beide Bereiche des Modulbaus.

In der ersten Sektion werden Infusionen und Injektionen für Krebskranke hergestellt. Die Inhaltsstoffe müssen nicht nur steril gemischt werden, sondern dürfen unter keinen Umständen die hier tätigen Menschen gefährden. Deswegen sind die Arbeitsplätze gleichermaßen so supersauber wie hochsicher. Mit zwei Lagen Handschuhen greifen die Fachangestellten hier Infusionsbeutel oder Spritzen, Luftabzüge vermeiden jeden Austritt von giftigen Dämpfen. Aus Patientensicht wichtig sind »tagesaktuell hergestellte individuelle Infusionen für Krebskranke«. Das bedeutet konkret, dass die Ärzte etwa am Morgen nach der Untersuchung eine Bestellung digital an die Apotheke senden, die passgenau den Krebs dieses einen Patienten bekämpfen soll.

Äußerlich macht der Modulbau wenig Eindruck. Innen gibt es beeindruckend modernste Technik in Reinräumen.
Äußerlich macht der Modulbau wenig Eindruck. Innen gibt es beeindruckend modernste Technik in Reinräumen. Foto: Stephan Zenke
Äußerlich macht der Modulbau wenig Eindruck. Innen gibt es beeindruckend modernste Technik in Reinräumen.
Foto: Stephan Zenke

Ebenfalls genau zu den Bedürfnissen der kleinsten Patienten passen soll das, was im zweiten Bereich des Erweiterungsbaus produziert werden soll. »Komplexe Infusionen zur Ernährung von Schwerkranken, hauptsächlich von Früh- und Neugeborenen«, beschreibt Josefine Restle die Herausforderung. Diese Lösungen enthalten Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate und Vitamine, »und sind entscheidend für das Überleben der kleinen Patienten«. Die Reutlingen wollen mehrere Standardlösungen bereitstellen, die steril eingefroren bei Bedarf sofort verfügbar sind. Auch hier gilt es, extrem sauber und keimfrei zu arbeiten, weil für die zerbrechlichen winzigen Menschlein jede Infektion lebensbedrohlich sein könnte. Wer von den Leistungen der Zentralapotheke profitieren darf, ist genau festgelegt.

»Wir dürfen hier alles nur für unseren Versorgungsbereich herstellen«, sagt Restle. Also für die Kreiskliniken und ihre Patientinnen und Patienten. Mit zwei Apotheken in Reutlingen haben die Spezialisten vom Steinenberg einen Vertrag geschlossen, der es ihnen gestatten »im Auftrag« Medikamente herzustellen. Das ist ein beiderseits sinnvolle Vereinbarung, denn den technischen Aufwand am Steinenberg können oder wollen sich kleinere Apotheken selten leisten. Finanziell betrachtet ist die Zentralapotheke eine Abteilung, die dem Management der Kreiskliniken Freude bereitet.

»Wir verdienen hier Geld. Es ist einer der wenigen Bereiche, die kostendeckend arbeiten«, sagt Geschäftsführer Dominik Nusser. Er freue sich sehr über den neuen Anbau, »der die Versorgung unserer Patienten verbessert«. Denn schon heute erfüllt das neue Gebäude zukünftige Anforderungen an Sterilräume, während mit einer zunehmend alternden Gesellschaft auch der Bedarf an individuellen Krebstherapien steigt. Neben der Lieferung handelsüblicher Arzneimittel werden in diesem Jahr nach Angaben des Klinikums über 17.000 Infusionen zur Bekämpfung von Krebs zubereitet. (GEA)