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Kleinod Reutlinger Markwasen: Attraktiv für Mensch und Tier

Ob Jogger, Biber, Schwalbenschwanz oder Schwarzstorch: Der Sport- und Freizeitpark Markwasen ist ein wahres Kleinod zum Wohlfühlen. Auf Vor-Ort-Termin mit den beiden Landwirten, die einen großen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

Die Landwirte Julian Werner und Andreas Fuhr erzählen gemeinsam David Horle, dem städtischen Projektleiter vom Amt für Tiefbau,
Die Landwirte Julian Werner und Andreas Fuhr erzählen gemeinsam David Horle, dem städtischen Projektleiter vom Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt (von links), vom insektenfreundlichen Pflegekonzept im Markwasen. Im Hintergrund ist ein Altgras-Streifen zu sehen - ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes. Foto: Anja Weiß
Die Landwirte Julian Werner und Andreas Fuhr erzählen gemeinsam David Horle, dem städtischen Projektleiter vom Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt (von links), vom insektenfreundlichen Pflegekonzept im Markwasen. Im Hintergrund ist ein Altgras-Streifen zu sehen - ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes.
Foto: Anja Weiß

REUTLINGEN. Gut 70 Jahre ist es her, da wurde mit den Planungen für das Naherholungsgebiet Markwasen begonnen, der Bebauungsplan wurde dann 1971 rechtskräftig. Wichtig war den Verantwortlichen bereits damals, dass der Park nicht nur dem Sport und der Freizeit dienen soll, sondern dass es auch ein Landschaftspark mit möglichst vielen Biotopstrukturen sein soll, erklärt David Horle, Projektleiter vom Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt.

Neben Wasserflächen mit Uferbereichen, kleinen Waldabschnitten, Hecken und Feldgehölzen nimmt das Dauergrünland den größten Anteil ein. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Typen an Grünland: So sind die Flächen am Monte Kiki, dem Hügel im Markwasen, der durch das Aufschütten des Aushubmaterials von Reutlinger Baustellen für die Landesgartenschau 1984 in Reutlingen entstand, eher Feuchtwiesen. Sie werden von Schafen und Ziegen beweidet und bieten vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Hierum kümmert sich das Naturschutzzentrum Listhof - der Nabu ist auf anderen Hangflächen mit einem Balkenmäher im Einsatz.

Gut für die Artenvielfalt

Auch das Mahdkonzept für den größten Teil der Grünlandflächen im Markwasen orientiert sich an der Artenvielfalt und dem Naturschutz. Landwirt Thomas Fuhr, der im Hauptberuf bei der Gustav-Werner-Stiftung angestellt ist, hat seit 30 Jahren einen Pachtvertrag mit der Stadt, vor zwei Jahren ist Nebenerwerbs-Landwirt Julian Werner mit eingestiegen, der demnächst die Pacht der Flächen übernimmt.

Das Besondere an dem Konzept ist, dass die Rasenflächen in einem wechselnden Turnus abschnittsweise gemäht werden. Zwei Mal pro Jahr mähen die Landwirte die Wiesen - dabei lassen sie immer einen Altgras-Streifen stehen, der für Insekten absolut attraktiv ist. »Wenn man sich diesen Streifen nähert, hört man es richtig laut summen, zirpen und grillen«, gerät Horle ins Schwärmen. Viele Insekten bedeuten zudem eine große Artenvielfalt unter den Vögeln - »wir haben mehr als 30 Vogelarten gezählt,« berichtet Horle. Darunter mehr als 20, die hier auch brüten. Sogar ein Schwarzstorch wurde hier gesichtet, »eine sehr seltene und scheue Art«.

Es summt und brummt im Altgras-Streifen

Die Mahd erfolgt zudem so spät wie möglich, sowohl im Frühjahr als auch im Herbst, um nicht während einer möglichen Amphibienwanderung zu mähen. Pro Fläche bleiben zwei bis fünf Streifen stehen, was für die Landwirte mit Mehraufwand verbunden ist und zudem lässt sich das Gras, das so spät gemäht wurde, nicht mehr als Futter verwenden. Dennoch sind die Landwirte wegen der Vorteile für den Artenreichtum von diesem Konzept überzeugt, betonen sie. Lediglich die automatische Kontrolle der Europäischen Union per Satellit, die von einer Künstlichen Intelligenz ausgewertet wird, sorgt bei den Landwirte für Kopfschütteln. Denn wenn zu lange nicht gemäht wird, gibt es eine Mahnung vom Landwirtschaftsministerium - die Auflage ist, dass dies einmal pro Jahr passiert. Auch Horle kann das nicht nachvollziehen, ist er doch froh, dass die Stadt zwei derart engagierte Landwirte gefunden hat. »Das ist nicht selbstverständlich«, sagt er, eine derartige Kontrolle sei eher übertrieben. Allerdings handelt es sich bei der Auflage inklusive der täglichen Auswertung um EU-Recht. »Für uns Landwirte ist es eine Katastrophe«, verdeutlicht Fuhr, denn die Pflege dieser Flächen ist ohnehin anspruchsvoll.

Aber zurück zum »Kleinod Markwasen«: Dort gibt es am Rande der Wiesen »Saumstreifen« mit Hochstauden oder ökologisch wertvollen Brennnesseln, die ebenfalls Lebensraum für viele Tiere bieten. Und dank des Wasserreichtums fühlt sich hier auch der Biber wohl, des Öfteren werde er sogar tagsüber gesichtet, erzählt Horle. Die zweibeinigen Sportler, die das Markwasengelände ebenfalls schätzen und in großer Zahl bevölkern, kommen den tierischen Bewohnern übrigens nicht in die Quere: Auch sie sind in diesem grünen Paradies willkommen und finden hier Erholung. (GEA)