Die Palette reichte mit 88 Unternehmen vom Kreativ- über den IT- und Gesundheits- bis hin zum Gastronomiebereich. Junge Handwerksbetriebe präsentierten sich und ihr Leistungsspektrum genauso wie der Kleinstunternehmer, der mit speziell veredelter Erde ein besseres Pflanzenwachstum erreicht. Darüber hinaus gab es Tipps von Institutionen und Beratern in Sachen Existenzgründung, Vorträge zur Selbstständigkeit sowie den Gründerwettbewerb »Elevator Pitch«, bei dem sich vorab ausgewählte Jungunternehmen wie beim Speed-Dating vorstellten und um die Gunst der Jury warben.
Auch für Verbraucher attraktiv
»Wer für sich nichts mitnehmen kann, ist selber schuld«, meinte die Oberbürgermeisterin angesichts des Angebots. Wobei die Messe nicht nur eine Plattform für Gründer, sondern zwischenzeitlich auch eine kleine Verbrauchermesse sei, die fast einen Querschnitt durch die Wirtschaft zeige.Große Unternehmen fangen oft klein an. Aussteller Andreas Ratzke hat sich vor drei Jahren selbstständig gemacht. Der Chemotechniker aus Bisingen hat sich auf die Wasseranalyse von Dampfkesselanlagen, Fernheizungsnetzen oder Kraftwerken spezialisiert. Trotzdem ist das nicht der einzige Geschäftszweig. Weil sich als Selbstständiger Hobby und Beruf oftmals noch besser verbinden lassen, ist er zudem ausgebildeter Pyrotechniker und sorgt bei rund 20 Veranstaltungen im Jahr für den Farbenzauber am Nachthimmel.
»Mit der Chemie lässt sich sicherer Geld verdienen«, erklärt der 38-jährige Bisinger den vermeintlichen Widerspruch in seinem Firmenkonzept, der für ihn keiner ist. Vielmehr kann er sich jetzt beruflich so verwirklichen wie er möchte, weshalb er den Schritt in die Selbstständigkeit jederzeit wieder machen würde.
Trotzdem: »Es war unglücklich und ärgerlich«, meinte Ratzke mit Blick auf den Start. Denn obwohl er alle Unterlagen beisammen hatte, wurde der Existenzgründerzuschuss ausgerechnet da gestrichen, als er mit seiner Selbstständigkeit loslegen wollte. Nur habe ihm niemand zu irgendeinem Zeitpunkt gesagt, dass der Zuschuss zur Disposition gestanden habe. Ohne zusätzliche Mittel sei der Beginn entsprechend schwieriger gewesen. Glücklicherweise sei er aber nicht auf ein Darlehen angewiesen gewesen, sodass ihm der Gang zur Bank erspart geblieben sei, so Ratzke.
Allzu große Mittel benötigte auch die Schülerfirma »Mit’m Daeschle« des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) nicht. Wobei die gut 140 gekauften T-Shirts trotzdem erst mal finanziert werden mussten, was mit Anteilsscheinen zu je zehn Euro bewältigt wurde, wie die Elftklässlerinnen Elisabeth Dannenmann und Lena Grommes erklärten.
Herausforderung Schülerfirma
Dass die Schülerfirma ein echtes Unternehmen werden sollte und richtig organisiert werden musste, stand für die AEG’ler trotzdem von vornherein fest. Neben dem Einkauf der T-Shirts mussten deshalb die Produktion sowie das Marketing angekurbelt werden. Sollten die Shirts doch dem Firmennamen entsprechend das Markenzeichen und somit das individuelle Täschle auf der Brust bekommen.»Schwäbisch, witzig«, meinte Elisabeth Dannenmann, sollte hingegen der Firmenname sein. Englische Begriffe habe es aber schon viel zu viele gegeben. Mit der im Herbst gegründeten Schülerfirma würden sie nicht nur einen Einblick ins Wirtschaftsleben bekommen. Das Projekt würde ihnen gleichzeitig als Seminarkurs angerechnet, mit dem sie hoffentlich einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Zumal mit jedem T-Shirt, dem Aufnähen der Brusttaschen sowie der leichten Überarbeitung der Ärmel ein Zeitaufwand von 20 Minuten verbunden sei. (GEA)

