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Jetzt auch in Reutlingen: Mobile Schlagzeugschule im Notarztwagen

Ferdinand Mauser hat eine echte Marktlücke entdeckt: Er fährt zu seinen Schülern, um ihnen in seinem umgebauten Transporter Schlagzeugunterricht zu geben.

Ferdinand Mauser mit Schülerin Daniela Magaleas im Innern des umgebauten Rettungswagens.
Ferdinand Mauser mit Schülerin Daniela Magaleas im Innern des umgebauten Rettungswagens. Foto: Frank Pieth
Ferdinand Mauser mit Schülerin Daniela Magaleas im Innern des umgebauten Rettungswagens.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Wenn vor Ihrer Türe aus einem Transporter »Bumm-Ta, Bumm-Bumm-Ta, Bumm-Ta, Bumm-Bumm-Ta« ertönt, dann steht vielleicht Ferdinand Mauser mit seiner »Mobilen Schlagzeugschule« vor Ihrer Tür. Der Rottenburger tourt mit einem besonderen Angebot durch die Region und hat seine Fahrten nun auch bis Reutlingen ausgedehnt. Ein umgebauter Rettungswagen ist sein Unterrichtsraum. Statt mit Patiententrage, Lungenautomat und Defibrillator ist der Sprinter nun mit einem kompletten Standard-Schlagzeug, Lichtorgel und sogar einer Rauchmaschine bestückt. Auch von außen erinnert nichts mehr an die frühere Bestimmung des Wagens: Er ist komplett mit einer Folie beklebt, die für das Angebot im Innern wirbt.

An diesem Morgen parkt die Schule vor einem Betzinger Wohnhaus. Schülerin Daniela Magaleas ist hoch konzentriert. Nach einem Dutzend Stunden hört sich schon ganz passabel an, wie sie Bass Drum, Hi-Hat und Co. bearbeitet. Interesse an Musik hatte sie schon immer: »Eigentlich wollte ich Sängerin werden.«

Die 35-Jährige ist seit gut drei Monaten Mausers Schülerin, auch das fünfjährige Töchterlein kommt gelegentlich mit und haut mit Begeisterung »auf die Pauke«. »Eine megaschöne Idee«, findet Magaleas die Schlagzeugschule auf Rädern.

Zwischendrin fällt kurz der Strom aus. Nicht nur Musik- und Lichtequipment brauchen Saft - auch die Heizung. Gänzlich autark ist die mobile Musikschule nicht. Mauser muss sich am jeweiligen Spielort einstöpseln, meist im Keller. Eine 50-Meter-Kabeltrommel schafft Verbindung.

Ferdinand Mauser brennt für das Schlagzeug. Er spielt, seit er fünf Jahre alt ist. Schon in der Schulzeit gab er Unterricht. Vor zehn Jahren ist der Musiker mit seinem Angebot auf Tour gegangen: »Ich hab's erfunden und den Namen schützen lassen.«

»Die Leute haben keine Zeit «

Am Anfang stand ein Nachbar, den Mausers Schlagzeugspiel nervte. So reifte die Idee, das Instrument im Auto zu spielen. Er erwarb den ersten Rettungswagen, gestaltete ihn bedarfsgerecht um. Zunächst nutzte er den Wagen nur für sich, bis ihm die Geschäftsidee kam. Seit acht, neun Jahren lebe er nun gänzlich davon, berichtet der 35-Jährige. Mal eben zwischendrin an jedem Ort eine halbe Stunde Unterricht bekommen, keine Anfahrtszeit haben: Die Kunden schätzen das Angebot. »Die Leute haben keine Zeit.« Seine mobile Musikschule schaffte es sogar bis ins ZDF, in Johannes B. Kerners TV-Rate-Show »Da kommst Du nie drauf!«.

Die Mobile Schlagzeugschule von außen.
Die Mobile Schlagzeugschule von außen. Foto: Frank Pieth
Die Mobile Schlagzeugschule von außen.
Foto: Frank Pieth

Zu seinen Kunden zählen auch Menschen, die selbst nicht mehr mobil sind. Mausers bisher ältester Schüler war ein 83-jähriger Altersheimbewohner, der sich mit dem Schlagzeugspielen einen Kindheitstraum erfüllte. Musik als Sozialprojekt: Vor Brennpunktschulen macht Mauser ebenfalls Station, und auch vor einem Kinderhospiz hat er den Sprinter schon geparkt - und hatte eine Begegnung, die den Musiker emotional allzu sehr mitnahm: »Das habe ich nur einmal gemacht.«

Unterdessen liegt sein Aktionsradius zwischen Reutlingen und Balingen. 14 Schülerinnen und Schüler hat er an diesem Tag. Es gilt, einen strengen Zeitplan einzuhalten - was je nach Verkehrslage zu Stress führen kann. Die Fahrzeit geht zulasten des Musiklehrers - ist aber preislich einkalkuliert.

»Ich habe Anfragen von überall her«

»Das ist keine Arbeit, ich freu’ mich drauf«: Ferdinand Mauser ist die Begeisterung für sein Tagwerk anzumerken. Weit offen ist sein Repertoire. »Pop, Rock, Jazz. Ich bin nicht an eine Musikrichtung gebunden.« Weil es Anfragen »von überall her« gebe, möchte er sein Musikunternehmen ausbauen und denkt daran, weitere Busse zu erwerben und umzurüsten.

Beschwert habe sich noch keiner. Es sei eher Neugier, die Anwohner zum Nachschauen bewegt. Was aus dem Transporter ertöne, liege unter den erlaubten Dezibelwerten, betont der Musiker. Und: Nach einer halben Stunde ist die Geräuschquelle wieder weggefahren. (GEA)