Logo
Aktuell Mobilität

Ja zum Stadtbahn-Betriebshof in Reutlingen

Die Mehrheit im Reutlinger Gemeinderat hat für einen Betriebshof auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände entschieden. Was das bedeutet.

Simulation des Stadtbahn-Betriebshof auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs: Für ZELT ist nach Stadtaussage dann kein Plat
Simulation des Stadtbahn-Betriebshof auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs: Für ZELT ist nach Stadtaussage dann kein Platz mehr. Foto: Simulation Zweckverband
Simulation des Stadtbahn-Betriebshof auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs: Für ZELT ist nach Stadtaussage dann kein Platz mehr.
Foto: Simulation Zweckverband

REUTLINGEN. Der Betriebshof der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb soll zentral ins Herz des neuen Mobilitätsangebots auf das ehemalige Güterbahnhof-Areal an der Sondelfinger Straße in Reutlingen. Mit den Stimmen von Grünen, SPD, FWV und FDP fand sich am Dienstag eine Mehrheit im Gemeinderat für den Beschlussvorschlag der Verwaltung. Er sieht auch vor, dass die auf dem Areal bereits angesiedelte Rohstoffverwertung Reutlingen (RVR) Entwicklungsmöglichkeiten erhält inklusive eines Gleisanschlusses.

Lange war das Gelände als idealer Standort für einen modernen Güterumschlagplatz (»Zero Emission Logistics Terminal«, kurz ZELT) gehandelt worden. Alle drei Vorhaben finden jedoch keinen Raum. Daher soll ZELT laut Vorlage »zurückgestellt« werden. Bereits Ende 2029 sollen die ersten Waggons in den Hallen gewartet, gepflegt und instand gesetzt werden. Oberbürgermeister Thomas Keck machte noch einmal die Vorteile deutlich, wenn die Stadt das vor gut zehn Jahren erworbene Areal entwickeln kann: 150 Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Einnahmen aus Verpachtung oder Verkauf des Grundstückes, Stärkung des Wirtschaftsstandortes.

""Wer A sagt, muss auch B sagen"

Für die Grünen und Unabhängigen formulierte Andres Lächele ein eindeutiges Ja zum städtischen Vorschlag. Das Vorhaben setzte »ein starkes Zeichen«, sei ein »wichtiger Schritt für die Innenentwicklung«. Die Freie Wählervereinigung sieht die Stadtbahn als »ein Zukunftsprojekt, das wichtig und gut für die Region ist«, wie Georg Leitenberger betonte. »Wer A sagt, muss auch B sagen«, läutet der Fraktionschef das FWV-Plazet ein.

»Einen Glücksfall für Reutlingen«, sieht Regine Vohrer (FDP). Der Betriebshof kommt »an die richtige Stelle«, findet auch Rüdiger Weckmann (Die Linke/Partei). Er regte an, erneut zu prüfen, ob nicht doch alle drei Projekte auf dem Areal realisiert werden können. »Alle drei sind wichtig.«

"Reutlingen wird das Zentrum der Stadtbahn", freute sich Ramazan Selcuk. Der SPD-Rat lobte auch "die hervorragend vorbereiteten Infospaziergänge" auf dem Areal vergangene Woche. Nach dem öffentlichen Bekanntmachen des Standorts hatte der Zweckverband der Regional-Stadtbahn die Bürger zeitnah zu Rundgängen auf dem Areal eingeladen, um insbesondere auch den Anwohnern Ängste zu nehmen.

»Mit dem Beschluss ist ZELT mausetot «

Neben steigendem Parkdruck sei Lärm dabei ein zentrales Thema gewesen, und zwar insbesondere auch durch steigenden Personenverkehr auf der Sondelfinger Straße. »Schade, dass Sie nicht da waren, Frau Gaiser«, rief Selcuk sodann der gegenübersitzenden CDU-Chefin zu und versuchte, die Brücke zum von der CDU-Fraktion abgelehnten Lärmaktionsplan zu schlagen: Darin ist bekanntlich auch die Verkehrsberuhigung der Sondelfinger Straße Thema.

Gabriele Gaiser forderte den Sozialdemokraten auf, »zum normalen Ton zurückzukehren«. Von CDU-Stadtverband seien sehr wohl Mitglieder bei den Inforundgängen dabei gewesen, verteidigte sich die Christdemokratin. Außerdem habe die Fraktion habe zuvor bereits an anderer Stelle »intensiv« mit Anwohnern gesprochen. Laut Gaiser sieht man die »großen Vorteile« des Projekts vor allem auch wegen der Arbeitsplätze. Auch der RVR-Entwicklung wolle man nicht im Wege stehen. Gaiser gab aber an, man habe »kurzfristig Erkenntnisse« gewonnen, die man nun prüfen lassen wolle (auf GEA-Nachfrage wollte sie diese nicht präzisieren. Es gehe aber im Groben darum alle drei Themen für das Areal nochmal »zu betrachten«). Resultat jedenfalls: Die CDU enthielt sich bei der Abstimmung.

»Das Ding hängt völlig in der Luft«

Mit dem Beschlussvorschlag ist ZELT für Professor Dr. Jürgen Straub (WiR) »mausetot«. Er gab sich skeptisch, was die Entwicklungswünsche der RVR betrifft und beklagte den gigantischer Aufwand, der bereits für das ZELT -Vorhaben betrieben worden sei: Geld für Studien, unzählige Stunden im Rathaus seien investiert worden. Das Projekt wäre der Einstieg in den emissionsfreien Güterverkehr in Reutlingen gewesen und der Schlüssel, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen, resümierte er lange von der Verwaltung und anderen Befürwortern ins Feld geführte Pluspunkte. »Lupenreine Salamitechnik« sieht der WiR-Chef nun und führte in einem Nebensatz noch die Informations-Panne des Stadtbahn-Zweckverbands in Sachen Metzinger Bahnhofssperrung an: »Das Vertrauen in den Zweckverband hat gelitten.«

Auch die AfD verweigerte die Zustimmung. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion Hansjörg Schrade verwies auf die kritische Finanzlage nicht nur der Stadt Reutlingen, die die Realisierung des Gesamtprojekts Stadtbahn infrage stelle. »Wo soll das Geld herkommen. Das Ding hängt völlig in der Luft.« Schrade führte einmal mehr als Gewährsmann den Tübinger Regierungspräsidenten Klaus Tappeser an, der vor einem guten Jahr vor »erheblichen finanziellen Belastungen« des Großprojekts gewarnt und dessen Realisierung als »nachgeordnete Aufgabe der Landkreise« kategorisiert hatte. (GEA)