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Jährlich 10.000 Euro vom Kreis für Psychosoziale Notfallversorgung Reutlingen

In der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) arbeiten kirchliche Seelsorge und DRK-Nachsorgedienst Hand in Hand. Pro Jahr erhält die PSNV eine Pauschale von 10.000 Euro vom Landkreis.

Zufrieden mit dem Erreichten: Teilnehmer der Online-Konferenz. FOTO: BÖHM
Zufrieden mit dem Erreichten: Teilnehmer der Online-Konferenz. FOTO: BÖHM
Zufrieden mit dem Erreichten: Teilnehmer der Online-Konferenz. FOTO: BÖHM

REUTLINGEN. Als »historisch« bezeichnete DRK-Kreisbereitschaftsleiterin Christiane Voß die Zusammenführung der Notfallseelsorge (NFS) der evangelischen und katholischen Kirchen sowie des Notfallnachsorgedienstes des Deutschen Roten Kreuzes (NND) unter dem Dach der Psychosozialen Notfallversorgung im Landkreis Reutlingen (PSNV). Jetzt wurde im Landratsamt der Vertrag unterzeichnet. Pro Jahr erhält die PSNV eine Pauschale von 10.000 Euro vom Landkreis.

Partnerschaftlich agiert

Bereits seit 20 Jahren hatten beide Organisationen partnerschaftlich agiert. Ab März 2021 gibt es eine PSNV-Geschäftsstelle und ein gemeinsames Leitungsteam, dem die evangelischen Pfarrer Hartmut Bosch und Martin Winter, Dekanatsreferent Clemens Dietz, Koordinatorin Manuela Seynstahl (Haus Matizzo) und Christiane Voß angehören. Kooperationspartner sind Landratsamt, Kreisfeuerwehrverband Reutlingen und Polizeipräsidium.

10.000 Euro stellt der Kreis nach einstimmigem Beschluss des Kreistags jährlich zur Verfügung. Nachdem zuvor nur Sachleistungen gefördert wurden, wird damit jetzt eine unterstützende Hilfe für Einsatzkräfte und Geschäftsstelle geboten. Manuela Seynstahl leitet im Haus Matizzo in Metzingen wie bisher die Geschäftsstelle mit 30 Prozent, die bisher über die Kirchen finanziert wurde und jetzt durch die Förderung vom Landkreis mitfinanziert wird.

»In den vergangenen zehn Jahren gab es bereits eine sehr gut Zusammenarbeit, weil wir uns alle dafür einsetzen, Menschen in Not beizustehen«, sagte Manuela Seynstahl. Bei einer Klausurtagung und mehreren runden Tischen wurde die bestehende Kooperationsvereinbarung wesentlich erweitert. Das bedeute, dass ab März 2021 jede Organisation zwar ihr eigenes Profil behalte, jetzt jedoch gemeinschaftlich Aus- und Fortbildungen angeboten oder Ehrenamtliche geworben werden könnten. Auch die Einsatzstruktur soll aufgearbeitet werden. Aktuell sind 43 Mitarbeitende in der PSNV tätig, davon ein Drittel ehrenamtlich.

»Wir haben einen Riesenschatz in unseren Rettungskräften«, lobte Landrat Thomas Reumann. »Hochprofessionell wird Hand in Hand gearbeitet.« Auch beim Brand am vergangenen Dienstag in Wittlingen habe man dies gesehen. Die Anforderungen, Traumatisierten Hilfe zu leisten, hätten eine große Bandbreite. »Die Hilfe betrifft Unfälle, Brände, Verbrechen, aber überwiegend den häuslichen Bereich mit Todesfällen oder Suizid.«

Auch die beiden Unglücksfälle 2018 auf dem Rossfeld hätten gezeigt, wie unverzichtbar geschulte Ansprechpartner seien. Deshalb habe man sich zusammengesetzt, um diese Hilfe dauerhaft zu sichern. Betroffene und Angehörige hätten sie genauso nötig wie Helferinnen und Helfer, die in ihren Einsätzen oft bis an die Belastungsgrenzen gingen.

»Es waren spannende Jahre«, sagte Christiane Voß. »Wir haben unheimlich viel erreicht.« Sie sei stolz auf die gelungene Zusammenführung unter dem Dach der PSNV. Die Vertragsunterzeichnung aller Beteiligten sei »ein historischer Moment«.

»Schön, dass so viele an einem Strang ziehen. Ich bin froh, dass auch die Evangelische Landeskirche die Notfallseelsorge mehr in den Fokus genommen hat«, so Dekan Michael Karwounopoulus (Evangelischer Kirchenbezirk Bad Urach). Dekan Hermann Friedl (katholische Seelsorgeeinheit Echaztal) verwies auf viele schwere Fälle im seelsorgerlichen Bereich. »Es ist wunderbar, dass wir uns zusammengeschlossen haben.« Siegfried Mahler, Präsident des DRK-Kreisverbands, bezeichnete den Dienst am Nächsten als »Herzensangelegenheit« und sieht in der finanziellen Unterstützung des Kreises auch eine Wertschätzung. (GEA)