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Aktuell Randnotiz

Jäger auf Pirsch im Reutlinger Gemeinderat

Reutlingen möchte weitere Flächen in das Biosphärengebiet Schwäbische Alb einbringen. Eigentlich kein Ding, aber daraus wird eine längere Diskussion im Gemeinderat.

Strenges Reglement in der Kernzone auf Gönninger Gemarkung: Die Wegnutzung wird eingeschränkt.
Strenges Reglement in der Kernzone auf Gönninger Gemarkung: Die Wegnutzung wird eingeschränkt. Foto: Stadt Reutlingen
Strenges Reglement in der Kernzone auf Gönninger Gemarkung: Die Wegnutzung wird eingeschränkt.
Foto: Stadt Reutlingen

REUTLINGEN. Wenn ein Jäger zu Fragen statt zur Flinte greift, wird’s spannend. Jüngst geschehen in der Einwohnerfragestunde des Gemeinderates. Reutlingen möchte weitere Flächen in das Biosphärengebiet Schwäbische Alb einbringen. Parteiübergreifend wird das begrüßt, eigentlich wäre dieser Tagesordnungspunkt eine Sache von wenigen Minuten, hätte sich nicht Michael Eberhard Wendler mit einem Anliegen herangepirscht.

Wendler gehört zur Jagd-Pächtergemeinschaft Gönningen Rösslesberg, die zu 90 Prozent von der jetzt anstehenden Erweiterung der Kernzone des Biosphärengebiets mit entsprechenden Einschränkungen auch für den »wildwirtschaftlichen« Betrieb betroffen ist. Im Gegensatz zur Vergangenheit seien Jäger »nicht eingebunden worden«. Hhm, das bringt das Stadtparlament ins Grübeln.

Verschiedene Räte diverser Fraktionen kritisieren die Nicht-Beteiligung der Waidmänner. Beispielsweise sagt Regine Vohrer (FDP), sie würde erwarten, »dass man mit Jägern und Forst an einem Tisch sitzt«. Christdemokrat Udo Weinmann hat »kein Verständnis, dass die Gespräche mit den Jägern nicht stattgefunden haben«. Wolfgang Aichele (FWV) meint, »dass man die Jägerschaft übergeht, kenne ich«. So verrinnt die Zeit im Ratssaal wie beim Ansitzen im Wald. Unvorbereitete Beobachter der anderthalb Stunden langen Diskussion könnten den falschen Eindruck gewinnen, die Stadtverwaltung habe die Erweiterung schlecht abgesprochen.

Es gab einen Informationsabend für Bürger im Januar. In sämtlichen Bezirksgemeinderäten der betroffenen Teilorte hat das Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt das Vorhaben persönlich vorgestellt. Ob in Betzingen, Ohmenhausen, Sondelfingen, Bronnweiler oder Gönningen: Überall wurden die Pläne angenommen, meist einstimmig.

Jetzt wird im Rat ein Antrag auf Vertagung kurz nach einer Sitzungsunterbrechung wieder zurückgenommen. OB Keck verspricht, sich persönlich mit den Jägern zu treffen, eventuelle Änderungen dem Gönninger Rat nochmals vorzulegen. Erst jetzt wird die Erweiterung einstimmig gebilligt. Ja, für wieviele Jäger hat sich denn das Stadtparlament derart vehement engagiert? Michael Eberhard Wendler nennt auf GEA-Anfrage die Zahl der Betroffenen: Fünf. Aber die Kreisjägervereinigung stehe voll und ganz hinter ihnen.