REUTLINGEN. Zehn Jahre ist es her, dass aus einer »Abstellkammer unterm Dach« auf 150 Quadratmetern ein »atmosphärisch gelungenes Dachstübchen« gezaubert worden sei, erinnerte Oberbürgermeister Thomas Keck bei einer coronabedingt kleinen Geburtstagsfeier an die Einweihung des neuen Studien- und Medienzentrums im Altbau des Johannes-Kepler-Gymnasiums – schulintern schlicht »Bibliothek im Dach« genannt. 300 000 Euro habe sich die Stadt das damals kosten lassen, weitere 96 000 Euro hat das Land Baden-Württemberg beigesteuert. Und nach zehn Jahren könne nun ein »durchweg positives Fazit gezogen werden«.
Alle Beteiligten hätten das Ziel erreicht, so Keck, einen Raum zu schaffen, in dem sich Schüler gerne aufhalten. »Nirgendwo lässt es sich besser lernen als an einem Ort, an dem man von Büchern umgeben ist«, befand der OB – und in einer freundlichen Atmosphäre. Der von Architekt Ulrich Schwille geschaffene Raum präsentiere sich hell und ruhig, mit viel Holz und charmanten Balkenstrukturen. Völlig klar sei auch: Schulen bräuchten Bibliotheken, und zwar nicht als Konkurrenz, sondern als »schulinterne Ergänzung unserer Stadtbibliothek«.
Mit vollem Einsatz
Selbstverständlich müsse man heutzutage auch »online« sein können, um im Internet zu recherchieren – auch das funktioniere im »medialen Zentrum« des Keplergymnasiums hervorragend, befand der Rathaus-Chef, der sich bei allen Beteiligten bedankte: Vom Team der »ehrenamtlich Tätigen, die mit vollem Einsatz für eine gute Atmosphäre sorgen und für eine gut sortierte, gut funktionierende Bibliothek verantwortlich zeichnen«, über den unterstützenden Förderverein »for-Kepi« bis hin zur »gesamten Schulgemeinschaft, die das Studien- und Medienzentrum unterstützt, nutzt und mit Leben füllt«.
Schulleiter Thomas Moser sprach von einem »Juwel«, das im fünften Stock des Kepi-Altbaus entstanden sei – für ihn schlichtweg »die schönste Schulbibliothek Reutlingens«. Während man fürs erste Pressefoto vor zehn Jahren alle vorhandenen Bücher in ein Regal gestellt habe, seien mittlerweile 7 000 Medieneinheiten unterm Kepi-Dach versammelt, berichtete Ute Geigis, die als Lehrerin die Bibliotheksarbeit koordiniert. Die »Bib« werde gut angenommen, vor Corona sei sie manchmal sogar fast schon aus den Nähten geplatzt, und diene darüber hinaus als Veranstaltungsort für Lesungen, Referate oder Vorlesewettbewerbe.
Geburtstagssträußchen hatte Thomas Moser für Anja Steffen-Hauser und Edel Willjung parat, zwei »ausgebildete Fachkräfte« und frühere Kepi-Mütter, die mit ihrer Expertise und ihrem Know-how in den vergangenen zehn Jahren die Bibliothek mit aufgebaut und zu ihrem Gelingen beigetragen hätten. Auch Ute Geigis bekam vom Chef einen Blumenstrauß für ihr engagiertes Wirken als Koordinierungsbeauftragte, und dann gab es noch ein paar langstielige Rosen, unter anderem für Anne Gebhardt, die für die mit der Bibliothek verzahnte Lehrmittelverwaltung zuständig ist, und für »IT-Experte« Helmut Burgbacher, den man, so Moser, »immer rufen kann, wenn etwas nicht funktioniert«. Da wurde OB Keck gleich neidisch: »Ist das wahr? Dann nehme ich ihn mit!«
Wohltuend und ausgleichend
Dass Bibliotheken sich auszahlten, werde eher langfristig und immateriell spürbar, meinte der Direx. Am Keplergymnasium habe man jedoch bereits festgestellt, dass sich die Bibliothek wohltuend und ausgleichend auf die Schulgemeinschaft auswirke.
Moser erinnerte an seinen Vorgänger Hans Selinka, »der vor vierzehn Tagen leider verstorben ist«. Dieser habe bei der Einweihung vor zehn Jahren die vom GEA zitierte Feststellung gemacht: »Bibliotheken rechnen sich nicht, aber sie zahlen sich aus.« Das könne er nur unterstreichen – »es ist heute so wahr wie damals«.
Mit einer »festlichen Hymne«, vorgetragen von vier jungen Cellistinnen und Musiklehrerin Claudia Bluthard (die »Fidel-Käpsela«), klang die kleine, aber feine Geburtstagsfeier aus. Das Jubiläumsprogramm mit Bastelangeboten oder Gratis-Popcorn läuft jedoch noch bis Mittwoch nächster Woche, wenn beim Glücksrad-Drehen jeder einen Preis ergattern kann. (GEA)

