REUTLINGEN. 1909 bis 2009 - einhundert Jahre Adventgemeinde in Reutlingen: Am Samstag, 3. Oktober, wollen die Angehörigen der Freikirche im Rahmen eines Festgottesdienstes (11 Uhr) Rückschau halten, die Gegenwart beleuchten und die zukünftigen Aufgaben benennen. »Dass sie das in großer Dankbarkeit Gott gegenüber tun werden, entspricht dem Selbstverständnis ihres christozentrischen Glaubens«, heißt es in der Ankündigung.
Da mit vielen Besuchern, auch aus den Nachbargemeinden, gerechnet wird, finden alle Feierlichkeiten in der evangelisch-methodischen Erlöserkirche in der Kaiserstraße statt. Mittagessen und Kaffeerunde sind in den eigenen Räumlichkeiten in der Beutterstraße 5. Um 17.30 Uhr geht es in der Erlöserkirche auf eine musikalische Zeitreise durch die adventistische Musikgeschichte, auch die in Reutlingen.
Seit 1876 gibt es Adventisten in Deutschland. Schon um 1900 begann eine kleine Gruppe in Pfullingen mit regelmäßigen Versammlungen am Samstag. 1909 folgten der Wechsel nach Reutlingen, die Gründung der Gemeinde und Einbeziehung in die weltweite Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten. Der Mitgliederstand 1909: 32 (erwachsen) Getaufte.
Der erste Versammlungsraum befand sich in der Lederstraße, später in der Gartenstraße 32, wo aber Bombenschäden nach 1945 keine Versammlungen mehr zuließen. Die Gemeinde war nach dem Zweiten Weltkrieg zu Gast in der neuapostolischen Kirche in der Alexanderstraße, um dann eine langjährige Bleibe im evangelischen Hospiz in der Metzgerstraße (heute Neubau Modellbahnstation) zu finden.
Einschneidend war, als in Anwesenheit von Oberbürgermeister Oskar Kalbfell 1960 in der Beutterstraße 5 das Gemeindezentrum, damals Adventkapelle, eingeweiht wurde. Dort sind die Adventisten, inzwischen als evangelische Freikirche umbenannt, bis zum heutigen Tag beheimatet.
Die 130 Reutlinger Adventisten sind in eine weltweite Kirche mit rund 15 Millionen Mitgliedern in 204 Staaten eingebunden, die durch die Erwachsenentaufe der Freikirche angehören, 36 000 davon in Deutschland. Kinder-, Pfadfinder- und Jugendgruppen vergrößern die Zahl von 130 Gemeindemitgliedern erheblich. Die Gastmitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) signalisiert die Öffnung zu anderen Religionsgemeinschaften. Christlich geführte Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, das Katastrophenhilfswerk ADRA zeugen von der gesellschaftlichen Verantwortung der Adventisten. (dk)
