REUTLINGEN. Herrliche Aussichten ganz oben passen zum Fortschritt auf der Baustelle des neuen Landratsamtes Reutlingen an der Karlstraße. Die Fassade hat ihre endgültige Gestalt längst gefunden, auf manchen der fünf Stockwerke des Bürogebäudes der Zukunft lässt sich schon erahnen, wie hier ab Ende 2026 rund 1.000 Menschen arbeiten werden. Teilweise funktioniert sogar schon das Licht. Bürger sollen sich auf eine neue Qualität von Service freuen können.
»Wir biegen auf die Zielgerade«, sagt Landrat Dr. Ulrich Fiedler in Sicherheitsschuhen, mit gelber Warnweste bei der Besichtigung des Baufortschrittes. Überall ist an und in den zwei Baukörpern zu sehen, was aus den rund 180 Millionen Euro Kosten des Gesamtprojektes geworden ist - und weiter wird. Gebaut wird von der Georg Reisch GmbH & Co. KG aus Bad Saulgau, nach Fertigstellung wird der Kreis das Anwesen kaufen. Die eingesetzten Finanzmittel setzen sich zusammen aus bestehenden liquiden Mitteln, Erlösen aus dem Verkauf von nicht mehr benötigten Grundstücken und Gebäuden, aus Fördermitteln, aufgenommenen Darlehen und der Erwirtschaftung weiterer Eigenmittel während der Bauphase ab 2022.
Durch den Neubau Geld sparen
Vor dem neuen Eingangsbereich betont der Landrat, dass hier jede Menge Geld investiert wird, um in Zukunft massiv zu sparen. In Sachen Energieverbrauch, aber auch ansonsten. »Wir werden unsere Prozesse optimieren können«, wiederholt er immer wieder. Dabei gehe es um mehr als »nur« ein Landratsamt, es entstehe ein Kreishaus mit Räumlichkeiten für vielfältige Nutzungen. Mit dem neuen Landratsamt sollen alle Services und Dienstleistungen an einem Ort gebündelt werden. Aktuell sind die Ämter auf 27 Gebäude in der Stadt Reutlingen verteilt. Mit dem Einzug in das moderne Gebäude entfallen die längeren Wege zwischen den einzelnen Standorten.
Über eine Arkade entlang der Karlstraße und einen Durchgang unter dem Gebäude betritt man den öffentlichen Innenhof. Worauf sich die Bürger freuen können, erklärt Silvia Kovacevic als Leiterin des Hauptamtes hinter dem zentralen Eingang im Erdgeschoss. Noch in Holz verpackt steht die in Beton gegossene Rezeption des Bürger-Service-Centers (BSC). Hier kommen die Menschen an, die vom Amt etwas wollen oder brauchen. 21 Schalter wird es für sie geben, ebenso wie einen großzügigen Wartebereich mit Cafeteria, für die in naher Zukunft noch ein Betreiber gesucht wird. Geplant wird mit 140 bis 200 Besuchern, die hier jeden Tag bedient werden sollen. »Das Ziel ist es, alle niedrigschwelligen Leistungen hier zu vereinen«, erklärt die Hauptamtsleiterin.
Moderne Technik überall
Die Räume sind durch weiße Wände und große Fensterflächen hell, an manchen Orten locken auch ganz unten hübsche Aussichten in den Innenhof. Auf den haben auch die Mitglieder des Kreistages und sämtliche Besucher der Sitzungen einen entzückenden Blick. Weitere Konferenzräume sind in direkter Nachbarschaft angesiedelt. Selbstverständlich soll hier alles mit moderner digitaler Technik ausgestattet sein, was in manchen vom Kreis genutzten Altbauten aktuell nicht der Fall ist. Als ein Beispiel nennt Kovacevic die Möglichkeit von Videoübertragungen von Sitzungen.

Massiv ausgebaut und grundlegend verändert werden soll im Sinne eines besseren Kundendienstes auch der Telefonservice. Bis zu sechs Mitarbeiterinnen werden, versprechen die Planer, Anrufe entgegennehmen und direkt mit Rat und Tat aufwarten. »Es geht darum, den Bürger nicht weiter zu verbinden, sondern Antworten zu geben. Dazu bauen wir gerade eine Wissensdatenbank auf«, sagt Kovacevic. Selbst außerhalb der Öffnungszeiten will sich das Landratsamt in Zukunft nützlich machen: Mit einer Abholstation nach dem Muster von Paketstationen, in denen Menschen Dokumente oder anderes dann in Empfang nehmen dürfen, wenn es in ihren Zeitplan passt.
Ganz modern stellt sich die Arbeitswelt im Gebäude dar. »40 Prozent unserer Leute sind im Desk-Sharing in ihrer Organisationseinheit«, erklärt die Hauptamtsleiterin. Übersetzt bedeutet das, die Mitarbeiter haben keinen festen Arbeitsplatz mehr, sondern buchen digital in ihrer Abteilung ein freies Büro. Dort stehen höhenverstellbare Schreibtische, ergonomische Drehstühle, ein Sideboard sowie - nichts weiter. Geteilte Büros liegen im Trend, sagen die Planer. Das gilt selbst für das Zimmer von Landrat Fiedler an der Spitze des Gebäudes im fünften Stock. Wenn Fiedler weg ist, dürfen das auch andere nutzen.
Der Umzug ins neue Anwesen ist für September 2026 geplant, wobei manche Abteilungen wie die Computertechnik bereits vorher hier einziehen werden, damit alles reibungslos läuft. Die Eröffnung ist dann noch im kommenden Jahr geplant. (GEA)




