Dreigeschossig und gestaffelt
Der stellte dem Gremium und etlichen zuhörenden Bürgern das Vorhaben - die GWG wird das Objekt später an die Stadt Reutlingen vermieten - in groben Zügen vor. Danach sind es drei mit Putzfassade versehene und weiß angetünchte Baukörper, die auf einer Länge von 62 Metern an die Oferdinger Straße zu stehen kommen. Dreigeschossig sollen sie in die Höhe ragen, wobei die einzelnen Etagen bei dreizehn Meter Tiefe terrassenartig, Bischoff spricht von »gestaffelt«, übereinandergeschichtet werden.Gleich eines Riegels schieben sich die Gebäude zwischen den Durchgangsverkehr von und nach Oferdingen sowie das Baugebiet Wittum II. Was für private Häuslesbesitzer in spe, also all jene, die sich in näherer Zukunft auf der Fläche hinter den GWG-Immobilien ihren Traum vom Eigenheim erfüllen wollen, vorteilhaft sein dürfte. Übernehmen die im Werden begriffenen Wohnblöcke doch die Funktion eines Lärmschutzwalls.
Solide Neubauten
Anders als bei den meisten in Reutlingens Bezirksgemeinden projektierten oder bereits realisierten Anschluss-Unterkünften, sind es im Falle Rommelsbachs übrigens keine Behelfslösungen in Holzmodul-Bauweise, sondern solide Neubauten. Und zwar solche, die zu einem späteren Zeitpunkt in regulären Wohnraum umgewidmet werden können: in Zwei- oder Drei-Zimmer-Appartements für Mieter mit schmalem Geldbeutel.Sogar einzelne Innenräume lassen sich ohne großen Aufwand und in Teilen variabel umgestalten. »Leichte Trennwände« machen's möglich. Etwa zwischen Küche und Wohnbereich - zwei separate Funktionseinheiten, die sich bei Bedarf, sprich im Zuge einer Nutzungsänderung, zur offenen Wohnküche ummodeln lassen.
Wie das GWG-Vorhaben zum Zeitpunkt seiner Schlüsselfertigkeit konkret ausschauen wird, lässt sich mit Worten nur mühsam und unzulänglich beschreiben. Deshalb hat Bauleiter Gerd P. Bischoff im Rommelsbacher Bezirksamt architektonische Entwürfe hinterlassen, die ausdrücklich von jedermann in Augenschein genommen werden dürfen.
Und wer's noch klarer haben möchte? Der begibt sich in die Reutlinger Hauff- beziehungsweise Storlachstraße, wo bauähnliche Gebäude zwischenzeitlich von Flüchtlingen bezogen wurden. »Wir haben mit diesen Mietern bis dato keine negativen Erfahrungen gemacht. Da sind friedliche Leute drin«, sagt Bischoff, um schmunzelnd nachzuschieben: »Ungewöhnlich ist nur, dass sie ihre Teppiche aus den Fenstern hängen.«
Etwas verblüfft zeigt sich Bischoff über die Bekanntmachung von Bezirksbürgermeister Siegfried Thumm, dass an der Oferdinger Straße neben Zufluchtsuchenden auch Obdachlose untergebracht werden sollen. »Das ist mir neu.« Und das fand in der Tat noch keine öffentliche Erwähnung. Jedoch: Dieses und weitere Details werden die Rommelsbacher Räte in Bälde ausführlich diskutieren können. Nämlich dann, wenn Vertreter der Stadt vor Ort sind, um das Projekt in all seinen Einzelheiten vorzustellen und Fragen zu beantworten.
Apropos Antworten. Sie fallen bisweilen solchermaßen unbefriedigend aus, dass sie aus Bürgern Empörer machen. Etwa im Falle der stark frequentierten Kniebisstraße, die bei nahezu jeder Sitzung des Rommelsbacher Bezirksgemeinderats aufs Tapet gebracht wird: im Rahmen der Einwohnerfragestunde.
Bei Rot drüber
Auch diesmal hakt ein von Lärm, Gestank und automobiler Gefährdung betroffener Mann nach. Wie viele Fahrzeuge denn aktuell jeden Tag vor seiner Haustür vorbeirollen, will er wissen. Und wie es sein könne, dass zahlreiche Autofahrer ungestraft bei Rot über die vor allem von Schülern genutzte Fußgängerbedarfsampel flitzen. Weshalb solche Rowdys - sie brettern offenbar auch über die Trottoirs - nicht kontrolliert und bestraft werden. Er erwarte, sagt er sinngemäß, dass sich der Ortschaftsrat endlich dafür einsetzt, die Situation zu entschärfen und der motorisierten Anarchie und rollenden Rücksichtslosigkeit ein rasches Ende zu bereiten.Allein: Genau das haben Thumm und Team in der Vergangenheit schon oft getan. Immer wieder mahnten sie an, Kniebis- und Ermstalstraße in Tempo-30-Zonen umzuwandeln. Und immer wieder stieß dieses Ansinnen beim zuständigen Regierungspräsidium auf Ablehnung - weil Lärmemissionsberechnungen zum Ergebnis kamen, dass es hier keiner Verkehrsentschleunigung bedarf.
Da die Blechlawine, die sich morgens und abends aus Richtung Altenburg nach Metzingen und umgekehrt wälzt, aber zumindest gefühlt zugenommen hat, bemühen sich Rommelsbachs Kommunalpolitiker nun einmal mehr um belastbare Fakten. Eine Verkehrszählung einerseits und polizeiliche Kontrollen plus Ahndung eklatanter Verstöße gegen die StVO andererseits scheinen ihnen dringend geboten. Und zwar nicht nur in der Kniebisstraße, sondern auch vor dem Kreuzungsbereich von Württemberger Straße und Reisweg, den werktags viele Grundschüler unter die Sohlen nehmen müssen. (GEA)

