REUTLINGEN. Oft genug hatte brüllende Hitze beim Reutlinger Altstadtlauf nicht nur den Läufern den Schweiß auf die Stirn getrieben. Auch am Rand der Rennstrecke wurde schwer geschwitzt beim Anfeuern, Zuschauen, gemütlichen Eisessen oder Biertrinken. Diesmal, bei der 27. Ausgabe, war das anders. Ein bisschen. Gut warm, aber ohne stechende Abendsonne, dazu immer wieder mit einem lauen Lüftchen im Rücken, starteten 750 Läuferinnen und Läufer am Samstag zum Hauptlauf über fünf oder über die klassischen zehn Kilometer. Schauer oder Gewitter, wie vage angekündigt, gab es nicht.
Der Einlauf der Spitze war fast genau wie im letzten Jahr: Titelverteidiger Lorenz Baum von den LAV Stadtwerken Tübingen siegte souverän vor Markus Mößler, der wieder für den Tübinger Laufladen gestartet war. Bei den Frauen gewann die Tübingerin Jule Vetter unangefochten vor der Holzelfingerin Leah Hanle. Vorjahressiegerin Catrin Götz aus Ohmenhausen erreichte Platz 4.
Ins Ziel kamen nach fünf Kilometern die freiwilligen Feuerwehrleute der Abteilung Innenstadt mit voller Atemschutz-Ausrüstung, als schnellster Christopher Wendler nach rund 36 Minuten. »Das Anstrengendste ist nicht das Gewicht« der auf rund acht Kilo abgespeckten Atemluftflaschen, klärten Truppführer Paul van der Lip und Gruppenführer Stephan Riehle beim Vorbereiten auf, sondern die hitzedichte Schutzkleidung, unter der die Feuerwehrläufer extrem ins Schwitzen kommen. Doch das gesteckte Limit von einer Dreiviertelstunde schafften praktisch alle, angefeuert wie zum Beispiel Sebastian Eisenmann von seinem Sohn Cedric.
Zum Anfeuern hatten die Hauptsponsoren vom IT-Personalvermittler Solcom (zu einer Art Klapperfächer) faltbare Streckenpläne ausgegeben, mit denen locker fast mehr Krach erzeugt werden konnte als mit dem normalen frenetischen Klatschen. In zwei Pulks liefen die Mitarbeiter des sportiven Unternehmens mit. Das Ende des Felds markierten die IGL-Helfer in ihren grünen Trikots mit der kessen Aufschrift: »Das Beste kommt zum Schluss!« Einen »Besenwagen« für völlig Ausgepumpte gab es nicht. Die Freiwilligen vom Roten Kreuz hatten kaum mit Hitze-Geplagten zu tun.
Nicht immer gelang es dem E-Motorroller an der Spitze des Feldes, den Platz für die Cracks mit der Hupe freizuräumen. Ausgerechnet beim Einlauf des Siegers in die schmale Zielgasse stauten sich da noch einige erschöpfte Fünf-Kilometer-Läufer. Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Militärpfarrer Pascal Kober, gerade 48 geworden, schlug sich im grellen Neongelb als 293. und Sechster seiner Altersklasse ganz gut als einziger Polit-Promi.
Auch die Läufer vom Inklusionsteam der TSG Reutlingen kamen bei den seit 2007 ausgeschriebenen Powerraces für Gehandicapte erschöpft, aber stolz und fröhlich über die Ziellinie.
»Gut gelaufen«, freute sich Alexander bei der Siegerehrung über seinen vierten Platz. »Der Lautsprecher ist nicht laut genug«, klagte Moderator Michael Röber, nachdem er die Besten der Schülerläufe mit Namen zur Siegerehrung aufgerufen hatte, »aber sonst ist alles gut.«
Seit 27 Jahren ist er für die IGL dabei, die gastgebende Interessengemeinschaft Lauftreff. Nebenan fieberte auf dem Marktplatz schon das riesige Starterfeld dem Schuss entgegen, mit dem es losgehen sollte auf die verwinkelte Strecke zwischen der Stadtmauer an der Jos-Weiß-Straße im Südosten und der Nikolaikirche im Nordwesten der Altstadt. Viel hatte sich gegenüber dem Vorjahr nicht geändert auf dem 2,5-Kilometer-Kurs, der zwei- oder viermal bewältigt werden musste. Die von Sportlern und den Händlern der Wilhelmstraße beanspruchten Claims scheinen mittlerweise dauerhaft abgesteckt.
Im Rathaus-Foyer gab es die üblichen Schlangen vor den Toiletten, je näher der Start rückte, desto länger. Mit den 1400 Anmeldungen war Peter Klein hochzufrieden, auch wenn in seiner EDV zwischenzeitlich immer mal wieder »der Wurm drin« war und manche Last-minute-Anmeldung verzögerte. 480 Läufer hatten sich für die volle Strecke entschieden, 270 für die halbe. Die übrigen nahmen an den Schülerläufen in vier Altersgruppen teil oder am Bambini-Lauf, mit der das Sportspektakel unter dem Jubel der vielen Eltern um 17.45 Uhr eingeläutet hatte. (GEA) Seiten 28, 33 bis 39
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IGL-LAUFTREFFS
Die Lauftreffs der IGL für Jogger und Nordic Walker sind dienstags um 18.45 Uhr, donnerstags um 9.30 Uhr und samstags um 15 Uhr. Treffpunkt ist der obere Parkplatz des Naturtheaters. Auch Nicht-Mitglieder sind willkommen. Von April bis September ist donnerstags um 18.30 Uhr zusätzlich Bahntraining mit einem professionellen Trainer im Dietwegstadion. (GEA)


