REUTLINGEN. Sven Bruhn und seine Frau Tanja hatten bis zum Dienstag 17 Schafe. Friedliche Tiere mit weißer und dunkler Wolle, die auf verschiedenen Weiden am Rand des Reutlinger Stadtteils Orschel-Hagen, in unmittelbarer Nähe der Bundesstraße 464 grasen durften. Jetzt sind es nur noch 16. Unbekannte Täter, nach denen die Polizei jetzt sucht, hatten eines ihrer Tiere von der Weide gezerrt, dem Tier den Kopf angeschnitten und den Kadaver in der Landschaft entsorgt.
Der Hobby-Hirte ist am Tag danach mit seiner Frau zur Weide in der Marie-Curie-Straße geeilt, um dem GEA über das Erlebte zu sprechen: »Wir mögen unsere Schafe sehr und es freut uns, wenn sie auf den Weiden grasen und ihre Ruhe haben. Sie kennen uns, aber wenn Fremde ihnen zu nahe kommen, dann verlieren sie ihre Ruhe und springen innerhalb der Umzäunung umher. Das mögen sie gar nicht«, sagen sie. Wie sehr müsse die Herde in Aufruhr gewesen sein, als die Täter ein Schaf aus ihrer Mitte gefangen haben, fragen sich die beiden: »Ein Tier zu ergreifen, festzuhalten und aus der Elektro-Umzäunung herauszuholen, ist alleine nicht zu schaffen. Es dürften also mindestens zwei Täter gewesen sein«, vermutet das Ehepaar.

Von der Tat erfahren haben die Bruhns erst durch den Anruf der Polizei. Es sei ein abgetrennter Kopf eines Schafes entdeckt worden, sagten ihnen die Beamten: »Dann sind wir sofort zur Herde hin und ich habe mich gewundert, wie ruhig doch die Tiere auf der Weide waren. Denen war nicht anzumerken, dass da ein paar Stunden zuvor etwas so Schlimmes passiert ist«, sagt Sven Bruhns. Seine Frau habe dann kurz darauf Blutspuren auf der Straße entdeckt: »Diesen Blutspuren sind wir nachgegangen und haben dann nach etwa hundert Metern den abgetrennten Kopf im Straßengraben gefunden.«
»Das können nur Täter gewesen sein, die wissen, wie man so etwas macht - professionell halt«
»Die Spur mit den Blutstropfen zog sich aber noch weiter die Marie-Curie-Straße hinauf«, ergänzt Tanja Bruhn. Ein paar hundert Meter weiter entdeckten sie dann auch den abgelegten Körper ihres Schafes in einer Wiese. »Das war in der Nähe des Hundesportvereins«, erinnern sich die beiden und Sven Bruhn fügt hinzu: »So wie der Kopf vom Körper getrennt war, können das nur Täter gewesen sein, die wissen, wie man so etwas macht - professionell halt.« Sie selbst würden das Schlachten ihrer Tiere einem Metzger überlassen: »Das passiert dann, wenn beispielsweise ein Tier alt ist, oder wir Fleisch oder Fell benötigen«, erklärt Tanja Bruhn.
Beide erinnern sich, dass es vor mehr als 15 Jahren schon einmal einen ähnlichen Vorfall mit ihrer damaligen Schafherde gab. Da sei auch ein Tier der Herde entrissen und getötet worden. Seinerzeit habe die Polizei mithilfe von DNA-Spuren sogar einen Täter ermittelt. Die Bruhns hoffen jetzt auf einen ähnlichen Ermittlungserfolg.
»Für einen Ermittlungserfolg sind wir aktuell auf die Hilfe von möglichen Zeugen angewiesen«, sagt Gerhard Jaudas, Sprecher des Reutlinger Polizeipräsidiums. Hinweise zum Tatgeschehen oder Augenzeugen, die möglicherweise etwas Verdächtiges in der Marie-Curie-Straße gesehen haben, sollen sich bei der Polizei (Hotline: 07212-9394-0) melden. Die weiteren Ermittlungen laufen. Auch Spuren, die in der Blutlache des Tieres entdeckt wurden.
»Den Blutspuren sind wir nachgegangen«
Polizeisprecher Jaudas: »Solche Fälle kommen nach unserer Polizeistatistik äußerst selten vor. In den vergangenen Jahren gab es Fälle, in denen Tiere, wie beispielsweise Schafe oder Ziegen ihren Herden von Unbekannten entnommen wurden, aber selten mit so blutigem Ausgang.« Jaudas berichtet von einem Diebstahl im vergangenen Jahr bei Metzingen. Da sei die Motivation der Täter aber wohl zunächst der Wert des gestohlenen Tieres gewesen. »Das war ein spezielles Rasse-Schaf«, so Jaudas. In anderen Fällen seien Tiere gestohlen worden, um an deren Ohrmarken zu gelangen. »Nutztiere bei uns sind registriert durch solche Ohrmarken. Ohne eine solche Marke ist beispielsweise eine Schlachtung oder eine Vermarktung eines Nutztieres nicht möglich«, erklärt Jaudas.
Im Fall, des geköpften Tieres von Reutlingen-Orschel-Hagen droht den Tätern, so sie denn ermittelt werden können, ein Verfahren, unter anderem wegen Tierquälerei, und eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Darüber entscheidet dann ein Gericht. (GEA)
Tierrechtsorganisation PETA setzt 1.000 Euro Belohnung aus
Der Fall des gestohlenen und geköpften Schafes in Reutlingen-Orschel-Hagel hat die Tierrechtsorganisation auf den Plan gerufen. Sie setzt 1.000 Euro Belohnung aus für Hinweise, die zur Ergreifung und Verurteilung der verantwortlichen Täter führen. »Wir möchten helfen, diese schreckliche Tat aufzuklären«, so Lisa Redegeld, Fachreferentin bei PETA. »Immer wieder werden vertrauensvolle, unbeaufsichtigte Tiere Opfer von Gewalt. Wir fordern strenge juristische Konsequenzen für überführte Täterinnen und Täter, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen.« (GEA)

