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Gedanken und Ideen für »mehr gesunde Lebensjahre« beim AOK-Podium in Reutlingen

Alt werden, ja - aber bitte mit möglichst wenigen Gebrechen. Was dazu jeder Einzelne beitragen kann, war beim Auftakt zu den GEA-Thementagen von Experten aus vielfältigen Bereichen des Gesundheitswesens zu erfahren.

GEA-Nachrichtenchef David Drenovak (von links) mit Marion Rostam, Thomas Reumann, Marion Bär und Maximilian Menton beim AOK-Podi
GEA-Nachrichtenchef David Drenovak (von links) mit Marion Rostam, Thomas Reumann, Marion Bär und Maximilian Menton beim AOK-Podium »Für mehr gesunde Lebensjahre« im Oertel + Spörer-Saal auf dem GEA-Gelände am Burgplatz. Foto: Frank Pieth
GEA-Nachrichtenchef David Drenovak (von links) mit Marion Rostam, Thomas Reumann, Marion Bär und Maximilian Menton beim AOK-Podium »Für mehr gesunde Lebensjahre« im Oertel + Spörer-Saal auf dem GEA-Gelände am Burgplatz.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. »Seelenruhe, Heiterkeit und Zufriedenheit sind die Grundlage allen Glücks, aller Gesundheit und langen Lebens!« Das Zitat des deutschen Arztes Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836), mit dem die GEA-Event-Teamleiterin Iris Goldack vom Organisationsteam den mit rund 100 Gästen besuchten Auftakt zu den GEA-Thementagen »Gut vorgesorgt - alles geregelt« eingeläutet hat, mag Betroffenen nur ein müdes Lächeln abringen. Schrumpft das Glück doch angesichts der Realität, auf die kranke und alte Menschen - sowie deren Angehörige - heute häufig treffen: zähe Hausarztsuche, monatelanges Warten auf Facharzttermine bis hin zur beängstigenden Kalkulation, wie lange der Pflegeheimplatz noch vom Ersparten bezahlt werden kann. Von der Vorstellung, dabei die von vielen so geschätzte Eigenständigkeit aufgeben zu müssen, ganz zu schweigen. »Wäre das mit dem langen Leben doch nur so einfach«, seufzte denn auch GEA-Nachrichten-Ressortleiter David Drenovak zum Start der AOK-Podiumsdiskussion »Für mehr gesunde Lebensjahre«.

Vor dem Hintergrund dieser Sorgen und Ängste sprach der Moderator am Donnerstagabend im Oertel + Spörer-Saal auf dem GEA-Gelände am Burgplatz mit vier hochkarätigen Experten über Ideen und Lösungsansätze, die auch im hohen Lebensalter und Krankheitsfall zur Zufriedenheit beitragen können.

David Drenovak im Gespräch mit der AOK-Neckar-Alb-Geschäftsführerin Marion Rostam und Landrat a.D. Thomas Reumann.
David Drenovak im Gespräch mit der AOK-Neckar-Alb-Geschäftsführerin Marion Rostam und Landrat a.D. Thomas Reumann. Foto: Frank Pieth
David Drenovak im Gespräch mit der AOK-Neckar-Alb-Geschäftsführerin Marion Rostam und Landrat a.D. Thomas Reumann.
Foto: Frank Pieth

Marion Rostam gab eine optimistische Richtung vor: »Ich bin fest überzeugt, wir haben in Deutschland ein starkes Gesundheitssystem.« Doch das ächze zurzeit gewaltig, bekannte die Geschäftsführerin der AOK Neckar-Alb mit ihren rund 350.000 Versicherten. Das liege am Anstieg chronischer Erkrankungen: Herz-Kreislauf, Rücken, Diabetes. Und obwohl sich Deutschland das teuerste Gesundheitssystem in Europa leiste, »hinken wir bei der Lebenserwartung hinterher«. Was tun? Vorsorgen. Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung reduzieren. Damit ließen sich bei Frauen mehr als zehn und bei Männern immerhin 7,6 gesunde Lebensjahre hinzugewinnen.

»Es muss nicht jeder einen Marathon laufen. Mit kleinen Schritten lässt sich schon viel erreichen«

Die Crux: Für jeden Versicherten werden in die Prävention pro Patient gerade mal 8,49 Euro gesteckt. Weniger als ein Prozent des Jahresbudgets. Das müsse sich ändern. Rostam nannte als Herausforderungen: »Wie erreichen wir die Leute? Wie erhöhen wir ihre Gesundheitskompetenz? Wie lassen sich dauerhafte Veränderungen erzielen?« Eine Änderung des Lebensstils sei »mit das Schwerste« - das wisse sie aus eigener Erfahrung. Aber: »Es muss nicht jeder einen Marathon laufen. Mit kleinen Schritten lässt sich schon viel erreichen.«

Viele Schritte tat Thomas Reumann selbst zu seinen stressigsten Zeiten - dank der frühmorgendlichen Versorgung der Pferde. »Da kam ich in Bewegung und hab' den Kopf frei bekommen«, sagte der Reutlinger Landrat a.D., langjähriger Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Aufsichtsratsvorsitzender der Kreiskliniken Reutlingen. Die Risikofaktoren reduzieren half ihm auch seine Frau: mit gesunder Ernährung. »Aber noch jetzt, im Ruhestand, merke ich: Ich bin viel zu viel gesessen.«

Demenz-Expertin Dr. Marion Bär vom Kreisgesundheitsamt und Frauenarzt Dr. Maximilian Menton auf dem AOK-Podium.
Demenz-Expertin Dr. Marion Bär vom Kreisgesundheitsamt und Frauenarzt Dr. Maximilian Menton auf dem AOK-Podium. Foto: Frank Pieth
Demenz-Expertin Dr. Marion Bär vom Kreisgesundheitsamt und Frauenarzt Dr. Maximilian Menton auf dem AOK-Podium.
Foto: Frank Pieth

Dr. Marion Bär vom »Team Gesundheitsplanung« im Kreisgesundheitsamt riet, bei der Prävention dort anzusetzen, »wo es Freude macht«. Und das »Empfinden« in Bezug auf die physische, psychische und seelische Gesundheit nicht zu übersehen. Darauf setze der Landkreis etwa beim PORT in Hohenstein und bei Quartier-Kooperationen wie im Ringelbach. Ein wichtiger Faktor bei Demenz sei zudem Einsamkeit, erklärte die Musiktherapeutin, Gerontologin und Alzheimerforscherin.

"Aber noch jetzt, im Ruhestand, merke ich:
Ich bin viel zu viel gesessen"

Der Gynäkologe Dr. Maximilian Menton berichtete von Diskrepanzen zwischen seiner Rolle als Arzt, der bis zum Äußersten für jede Patientin kämpfe, und als Aufsichtsrat der Kreiskliniken, der auf die Kosten schauen müsse. Wie Rostam findet er, »wir können stolz auf unser Gesundheitssystem sein« und erläuterte auf Nachfrage einer Besucherin, weshalb ausgerechnet bei seinem Spezialgebiet Gebärmutterhalskrebs die Vorsorgeuntersuchung nur noch alle drei Jahre von der Kasse bezahlt wird: »Das ist eine ökonomische Entscheidung«, die in seiner Praxis auch tragische Folgen zeitige.

Nach Themen wie Umwelteinflüsse, Apps und KI schloss Reumann die Debatte mit der Forderung: »Die staatliche und damit kommunale Gesundheitsvorsorge kann nicht nur wirtschaftlich gedacht werden.« Dafür erntete er Applaus. Dem Gesundheitsamt komme da eine tragende Rolle zu. Das ist nicht Shareholdern, sondern dem Gemeinwesen verpflichtet. »Wir haben genug Geld im Gesundheitssystem«, betonte der 69-Jährige. »Es kommt darauf an, wie wir die Ressourcen verteilen«. Bei der Koordination, Integration und Vernetzung der Angebote auch nicht-ärztlicher Heilberufe findet er das PORT modellhaft: In Zukunft gelte es vermehrt, Gesundheitsversorgung und Prävention zusammen zu denken. (GEA)

Landrat a.D. Thomas Reumann hebt beim AOK-Podium das Hohensteiner PORT-Gesundheitszentrum als Modell für die Zukunft hervor.
Landrat a.D. Thomas Reumann hebt beim AOK-Podium das Hohensteiner PORT-Gesundheitszentrum als Modell für die Zukunft hervor. Foto: Frank Pieth
Landrat a.D. Thomas Reumann hebt beim AOK-Podium das Hohensteiner PORT-Gesundheitszentrum als Modell für die Zukunft hervor.
Foto: Frank Pieth

GEA-Thementage zu Vorsorge

Zu zwei weiteren Events lädt der Reutlinger General-Anzeiger im Rahmen der GEA-Thementage in den Oertel + Spörer-Saal auf dem Verlagsgelände am Burgplatz: am Freitag, 14. November, ab 18 Uhr zum Vortragsabend »Früher regeln, was später wichtig wird« - dafür gibt es nur noch wenige Karten - und am Samstag, 15. November, gibt es zwischen 11 und 18 Uhr bei freiem Eintritt auf der Hausmesse »Gut vorgesorgt - alles geregelt« Gelegenheit, sich mit Experten auszutauschen und Impulsvorträge zu besuchen. (GEA)